Ralf Schumacher kritisiert die schlechten Rahmenbedingungen für Motorsport in Deutschland. FOTO: DPA
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Ralf Schumacher kritisiert die schlechten Rahmenbedingungen für Motorsport in Deutschland. FOTO: DPA

Formel 1 gehen deutsche Fahrer aus

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(sid/dpa). Stell dir vor, es ist Formel 1 - und kein Deutscher fährt mit: Was für Generationen von Motorsportfans undenkbar war, ist durch Sebastian Vettels Ferrari-Abschied womöglich schon bald bittere Realität. Erstmals seit 40 Jahren könnte 2021 eine Saison ohne deutschen Piloten starten. Der lang anhaltende Negativtrend hätte seinen Tiefpunkt erreicht.

"In Deutschland tut sich der gesamte Motorsport schwer", sagte Ex-Formel-1-Pilot Ralf Schumacher bei Sport1: "Ich rede seit acht Jahren davon, dass wir ein Riesenproblem haben." Vom Hype um die Rennserie, den sein Bruder Michael Anfang der 90er Jahre auslöste, ist nicht mehr viel geblieben. Damals herrschte in der Auto-Nation die Schumi-Manie, der Motorsport boomte. Zwischen 1997 und 2017 waren stets mindestens drei deutsche Fahrer im Feld vertreten, 2010 waren es derer sogar sieben. Auf dem Nürburgring und in Hockenheim fanden mitunter gleich zwei Rennen in Deutschland statt. 176 Grand-Prix-Siege holten die Piloten seit 1992, Schumacher (7), Vettel (4) und Nico Rosberg (1) gewannen zwischen 1994 und 2016 insgesamt zwölf WM-Titel. Ein Rennen in Deutschland war 2020 nicht geplant, im Corona-Terminchaos scheint ein überraschendes Hockenheim-Comeback aber nicht mehr völlig ausgeschlossen.

Vettel ist in diesem Jahr als letzter deutscher Fahrer in der Formel 1 vertreten - und blickt in eine ungewisse sportliche Zukunft. Ein Cockpit im Renault-Werksteam oder bei McLaren könnte Vettel nach dem Abschied von der Scuderia wohl besetzen. Sogar über einen Wechsel zu Mercedes wird spekuliert. Die große Frage lautet aber: Will Vettel das überhaupt?

Einer, der die Lücke zumindest etwas schließen könnte, wäre Nico Hülkenberg. Der 32-Jährige ist 2020 ohne Cockpit, hat mit der Formel 1 aber längst noch nicht abgeschlossen. Eine Rückkehr "ist weiter mein Ziel", sagte der Emmericher zuletzt im CNN-Interview: "Es ist noch sehr früh. Wenn sich eine Chance ergibt, dann greife ich zu." Im Rennen um die Vettel-Nachfolge bei Ferrari ist Hülkenberg allerdings klarer Außenseiter. Einen neuerlichen Boom könnte er kaum auslösen - ganz im Gegenteil zu M. Schumacher. Mick, der 21 Jahre alte Sohn von Rekordweltmeister Michael Schumacher, ist aber wohl auch 2021 noch nicht reif für den Sprung in die Königsklasse. Dennoch sieht Ralf Schumacher seinen Neffen auf Kurs. "Bis jetzt stehen die Zeichen gut. Er ist auch ein Ferrari-Junior, er hat also alle Möglichkeiten", sagte er bei "Sport1". "Mick hat bewiesen, dass er Auto fahren kann. Sonst wäre er nicht Formel-3-Meister. Sein erstes Jahr in der Formel 2 war ganz passabel, er hatte einige gute Resultate und sogar einen Sieg." In seinem zweiten Jahr in der Formel 2 sei nun wichtig, im vorderen Bereich zu landen.

"Das fängt schon im Kartsport an: Wir haben kaum noch Strecken, die Kartfahrer werden immer weniger. Wenn ich keine Setzlinge habe, habe ich am Ende des Tages auch keine Bäume. Das ist jetzt das, was uns passiert", kritisierte Schumacher die Rahmenbedingungen in Deutschland.

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