Bundestrainer Alfred Gislason zieht eine gemischte Bilanz des WM-Turniers: "Ich hatte gehofft, dass wir unsere Abwehrprobleme besser lösen können. Aber trotzdem Kompliment an die Mannschaft. Wir haben auch Vieles gut gemacht", sagt er. 	FOTO: DPA
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Bundestrainer Alfred Gislason zieht eine gemischte Bilanz des WM-Turniers: »Ich hatte gehofft, dass wir unsere Abwehrprobleme besser lösen können. Aber trotzdem Kompliment an die Mannschaft. Wir haben auch Vieles gut gemacht«, sagt er. FOTO: DPA

Fokus liegt jetzt auf Olympia

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Für die neuformierte Handball-Nationalmannschaft ist die WM nach dem letzten Hauptrundenspiel heute gegen Polen vorzeitig beendet. Obwohl das Viertelfinale ohne die DHB-Auswahl stattfindet, blicken die Verantwortlichen zuversichtlich in die Zukunft.

Kaum war die WM-Mission der deutschen Handballer gescheitert, rief Bob Hanning das nächste große Ziel aus. »Ich bin überzeugt, dass wir um olympisches Gold spielen werden«, sagte der Vizepräsident des Deutschen Handballbundes unbeeindruckt vom frühen Aus bei der Weltmeisterschaft in Ägypten. »Ich wüsste nicht, warum wir dieses Ziel korrigieren sollten.«

Auch Sportvorstand Axel Kromer glaubt trotz des verpassten Einzugs ins WM-Viertelfinale an die Möglichkeit eines großen Comebacks bei den Olympischen Spielen: »Wir wissen, dass wir jedes Team der Welt schlagen können, wenn wir in Vollbesetzung und in Topform sind«, sagte er am Sonntag. »Demzufolge halten wir an dem Ziel fest und freuen uns immens, wenn das Ziel erreicht wird.«

Nicht ganz so schnell in den Angriffsmodus umschalten wollte Alfred Gislason, der in seinen Gefühlen hin- und hergerissen war. In der prunkvollen Lobby des noblen Teamhotels in Kairo sah man den Bundestrainer am Sonntag zwar auch lächeln, doch die meiste Zeit schaute er ziemlich ernst. »Ich ärgere mich noch heute schwarz, dass wir das Spanien-Spiel nicht gewonnen und kein Unentschieden gegen Ungarn geschafft haben«, sagte der Isländer vor dem abschließenden Spiel heute gegen Polen (20.30 Uhr/ARD) Bilanz.

Der klare 31:24-Sieg gegen Brasilien am Samstagabend war letztlich bedeutungslos, weil Ungarn und Spanien schon vor dem Anpfiff die Tickets für das Viertelfinale gebucht und damit die Hoffnungen der DHB-Auswahl zunichte gemacht hatten. Bester deutscher Werfer war Johannes Golla mit sieben Toren.

Gislason richtete den Blick am Tag danach bereits nach vorn. Mitte März geht es für die DHB-Auswahl in Berlin gegen Schweden, Slowenien und Algerien um die Fahrkarte zu den Sommerspielen in Tokio. »Das Qualifikationsturnier wird nicht einfach. Aber ich bin optimistisch, dass uns das, was wir hier gemacht haben, dann helfen kann«, sagte der Bundestrainer.

Denn bei aller Kritik am frühen WM-Aus: Es gab auch einige Lichtblicke im neuformierten DHB-Team. »Für Spieler wie Johannes Golla, Philipp Weber oder Timo Kastening war das Turnier extrem wichtig, um in höheren Hierarchieebenen besser zu funktionieren«, befand Hanning.

Gislason plant derweil fest mit einer Rückkehr des Kieler Trios Hendrik Pekeler, Patrick Wiencek und Steffen Weinhold, das wegen der Corona-Krise freiwillig auf die WM verzichtet hatte und dafür von Torwart Andreas Wolff scharf kritisiert worden war. »Ich werde natürlich mit den Kieler Jungs reden, ob sie noch irgendwelche Vorbehalte haben, oder ob sie - genauso wie ich - Andreas Wolff gut genug kennen, dass solche Aussagen eben auch fallen«, kündigte Sportvorstand Kromer an. Wolff saß gegen Brasilien nur auf der Tribüne, wird heute gegen Polen wieder dabei sein.

Wirbel um Gensheimer

Der Deutsche Handballbund (DHB) und Uwe Gensheimer haben sich in einer Verbandsmitteilung gegen die Kritik am DHB-Kapitän zur Wehr gesetzt. »Die ständige externe Kritik empfinde ich als respektlos und mangelnde Wertschätzung. Was von außen an unsere Nationalmannschaft herangetragen wird, entspricht in keiner Weise meinen Werten sowie dem Zusammenhalt und Geist unseres Teams«, wird Gensheimer zitiert. Auch Kromer reagierte mit scharfen Worten auf die Deutungen von Gensheimers Interview im ZDF, das nach dem 31:24 gegen Brasilien für Irritationen gesorgt hatte. »Die Interpretation des Interviews wirkt wie ein bewusstes Missverstehen«, sagte Kromer.

Gensheimer hatte sich nach dem Brasilien-Spiel am Samstag in Richtung seiner Kritiker geäußert. »Ich weiß nicht, ob es der Vereinszugehörigkeit geschuldet ist irgendwo, Missgunst und Neid sind da manchmal schon ein bisschen da«, sagte der Linksaußen.Im Netz wurde es so ausgelegt, als habe er mit diesen Worten seine Teamkollegen kritisiert.

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