Mario Götze hat sich der PSV Eindhoven angeschlossen und spielt somit ab sofort in der niederländischen Eredivisie. FOTO: DPA
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Mario Götze hat sich der PSV Eindhoven angeschlossen und spielt somit ab sofort in der niederländischen Eredivisie. FOTO: DPA

Flucht oder Neustart?

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Mario Götze versucht bei PSV Eindhoven in den Niederlanden einen Neustart. Der WM-Held machte bei seinem Wechsel einige Abstriche.

Mit einem Lächeln im Gesicht sprach Mario Götze von einer "neuen und spannenden Reise". Doch die führt den WM-Helden von 2014 nicht zu Bayern München oder Hertha BSC - und auch nicht in die Champions League. Stattdessen versucht der 28-Jährige in der Eredivisie bei PSV Eindhoven unter Trainer Roger Schmidt, seine seit Längerem ins Stocken geratene Karriere wieder in Schwung zu bringen.

"Ich bin sehr glücklich. Ich fühle mich gut aufgenommen. Das ganze Paket hat einfach gepasst", sagte der 63-malige Nationalspieler vor seiner Vorstellung und der ersten Einheit am Donnerstag im PSV-Campus De Herdgang. Dies sei "der richtige Ort für mich", betonte er.

Was sollte der frühere Dortmunder auch anderes sagen, nachdem sich seine großen Pläne vorerst zerschlagen haben. Er habe noch "ehrgeizige Ziele. Ich will unbedingt noch die Champions League gewinnen", sagte Götze zuletzt der "Bild". Das treibe ihn "jeden Tag" an. Mit PSV spielt Götze jedoch erst einmal nur in der ungeliebten Europa League.

Doch das nimmt er bewusst in Kauf. Er habe in diesem Sommer einige Angebote gehabt, "aber ich bin ein Gefühlsmensch und treffe meine eigenen Entscheidungen. Ich fühle mich bereit für eine neue Herausforderung, und ich bin zuversichtlich, dass dies eine angenehme Veränderung für mich sein wird", sagte Götze.

Die Erwartungen an ihn sind schon jetzt riesig, "auch wenn er nicht mehr der Götze von vor ein paar Jahren ist", wie das Fachblatt "Voetbal International" schrieb. Dennoch: Als "Super Mario" empfing ihn "De Telegraaf". "PSV-Coup mit Weltmeister", titelte "Algemeen Dagblad". Der Deutsche bringe dem Team mit seiner Erfahrung genau "die Qualität, die wir brauchen", betonte Sportdirektor John de Jong und sprach von einem "Glücksfall" für den Verein. Und Götzes Erwartungen? "Eine Menge Tore, eine Menge Assists, viele Siege mit dem Team." Seine herausragenden Fähigkeiten sind unbestritten - doch seit seiner Heldentat im WM-Finale von Rio scheiterte Götze oft genug am immensen Druck. Nach drei enttäuschenden Jahren beim FC Bayern war er 2016 zum BVB zurückgekehrt, kam aber auch bei "seiner" Borussia nicht über die Rolle des Mitläufers hinaus. Einen neuen Vertrag erhielt Götze deshalb im Sommer nicht mehr.

Nun also der Neustart für mindestens zwei Jahre beim 24-maligen Meister Eindhoven (zuletzt 2018) - mit der Rückennummer 27 statt der Nummer 10. Vor allem PSV-Coach Schmidt war maßgeblich für den überraschenden Transfer. Götze berichtete von "sehr guten Gesprächen" mit dem ehemaligen Leverkusener Cheftrainer.

Die Eingewöhnung ins Team um Star Donyell Malen dürfte Götze leicht fallen. In Philipp Max, Lars Unnerstall, Timo Baumgartl, Adrian Fein, der kurzfristig vom FC Bayern ausgeliehen wurde, und Vincent Müller stehen bereits fünf Deutsche im Kader.

Und Götze ist nicht der erste deutsche WM-Held, der in den Niederlanden quasi von vorne anfangen will. 1960 "flüchtete" Helmut Rahn, legendärer Siegtorschütze beim Wunder von Bern 1954, vom 1. FC Köln zum Sportclub Enschede. In 69 Spielen gelangen dem Boss damals 39 Tore. Mit dieser Quote könnte wohl auch Götze leben - am 18. Oktober geht es im Auswärtsspiel bei PEC Zwolle für ihn los.

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