Mann des Abends beim FC Bayern München ist Kingsley Coman, der beim 4:0 gegen Atletico Madrid zwei Treffer erzielt und ein Tor vorbereitet. FOTO: DPA
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Mann des Abends beim FC Bayern München ist Kingsley Coman, der beim 4:0 gegen Atletico Madrid zwei Treffer erzielt und ein Tor vorbereitet. FOTO: DPA

Flick kitzelt Coman

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Die Bayern souverän wie alte Hasen, Gladbach noch grün hinter den Ohren: Der Königsklassen-Start offenbarte den Unterschied zwischen den Bundesliga-Topklubs.

Den Traumstart in die Champions League hakte Bayern München mit der Routine des Allesgewinners ab. Sogar für leise Kritik am eigentlich so überragenden Kingsley Coman war nach dem 4:0 gegen Atletico Madrid Platz - ein Luxus, von dem Borussia Mönchengladbachs "Frischlinge" nur träumen konnten. Denn die Fohlenelf schwankte nach dem seltsamen 2:2 bei Inter Mailand zwischen Stolz und Frust.

Im München war zumindest die Frage nach dem Mann des Abends schnell beantwortet. Nicht nur wegen seiner zwei Tore stand Coman einmal mehr im Blickpunkt. Und doch wollte Hansi Flick nicht uneingeschränkt in die Lobeshymnen einsteigen. "Wir haben zu ihm gesagt: Das ist die Messlatte, daran wird er in den nächsten Spielen gemessen", sagte der Trainer streng, "da schauen wir jetzt in den nächsten Wochen genau hin."

Denn Flick hat bei seiner Mannschaft, besonders bei Champions-League-Finalheld Coman, eine besorgniserregende Tendenz ausgemacht: Grenzenloser Gier auf der großen Bühne Königsklasse wie gegen Madrid steht nachlassende Spannkraft im grauen Fußball-Alltag gegenüber. Flick arbeitet mit Vehemenz gegen diesen Trend und ein Deja-vu mit den 70er Jahren. Damals prägten "Kaiser" Franz Beckenbauer und Co. mit drei Triumphen im Landesmeister-Pokal in Serie eine Ära, stürzten aber in der Bundesliga ab.

Dort hatte den Triple-Bayern die "körperliche Präsenz" und der Hunger, "jedes Duell gewinnen zu wollen", laut Flick zuletzt "so ein bisschen gefehlt". Das soll aus Sicht der Münchner schon am Samstag (15.30 Uhr/Sky) im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt anders werden.

Gegen die giftigen Spanier, für Thomas Müller die "größte Rabaukentruppe des Weltfußballs", waren die Bayern dagegen ungeachtet des Corona-Wirbels um Serge Gnabry voll da. Coman krönte eine fulminante Vorstellung mit zwei tollen Toren (28., 72.) und der Vorlage zum 2:0 durch Leon Goretzka (41.), der Kracher von Kumpel Tolisso (66.) besorgte den Rest.

"Kingsley ist ein Ausnahmekönner", schwärmte Goretzka, vor allem beim Solo vor dem 4:0 habe der Franzose "seine ganze Klasse gezeigt". Coman berichtete begeistert, es mache ihm "viel Spaß in dieser Mannschaft" und versprach: "Wir wollen neu angreifen."

Das wollten auch die Königsklassen-Rückkehrer aus Mönchengladbach, doch in Mailand trat das Team 50 Minuten lang viel zu harmlos auf. Aber warum? "Vielleicht, weil es Champions League war, weil es etwas Besonderes war", sagte Christoph Kramer. Lothar Matthäus, einst für beide Klubs aktiv, befand im Sky-Studio, die Borussia sei zu Beginn "zu grün" für die Champions League gewesen.

Gladbach: Rose hofft auf Lerneffekt

Immerhin: Am Ende hätte es um ein Haar sogar zum Sieg gereicht, weil Ramy Bensebaini (63./Foulelfmeter) und Jonas Hofmann (84.) den Rückstand durch Romelu Lukaku (49.). drehten. Erneut Lukaku sorgte in der 90. Minute aber für das letztlich gerechte Remis. "Wir sind jetzt in der Champions League angekommen. Vielleicht gibt uns dieses Spiel einen Lerneffekt", sagte Trainer Marco Rose.

So aber herrschte beim Rückflug eine Mischung aus "bitterer Enttäuschung" (Hofmann) und "Freude über den Punkt" (Kramer). Was dieser Zähler wert ist, wird sich schon am Dienstag im Heimspiel gegen Real Madrid zeigen. Weil der spanische Rekordmeister zum Auftakt überraschend gegen Donezk verlor, ist die Tabelle in der "Todesgruppe B" erst einmal auf den Kopf gestellt.

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