Bayerns Trainer Hansi Flick (r.) kann die kommenden Aufgaben gelassen angehen, während Dortmunds Chef Lucien Favre ein wenig für Verwunderung sorgt. FOTO: AFP
+
Bayerns Trainer Hansi Flick (r.) kann die kommenden Aufgaben gelassen angehen, während Dortmunds Chef Lucien Favre ein wenig für Verwunderung sorgt. FOTO: AFP

Flick happy, Favre mysteriös

  • vonDPA
    schließen

Lucien Favre gibt Rätsel auf - mal wieder. Trotz kryptischer Aussagen nach dem 0:1 im Ligagipfel gegen die Bayern denkt der BVB-Coach jedoch nicht an eine ähnliche Flucht wie 2015 aus Mönchengladbach. Und doch wird über seine Zukunft diskutiert.

Erst sorgte Lucien Favre für große Aufregung, war aber bereits einen Tag später um Schadensbegrenzung bemüht. Erschrocken über die große Resonanz für seine kryptischen Aussagen direkt nach dem Titel-Knockout im Ligagipfel gegen den FC Bayern, dementierte der Dortmunder Fußball-Lehrer umgehend Spekulationen über seinen vorzeitigen Abschied: "An Aufgeben denke ich überhaupt nicht. Gestern waren wir alle enttäuscht, meine Worte im Interview direkt nach dem Spiel scheinen aber vielfach falsch verstanden worden zu sein."

Nur wenige Stunden später wurde er sogar noch deutlicher und schwor dem BVB via Sky die Treue: "Ich werde weitermachen. Ich habe einen Vertrag. Ich werde diesen Vertrag erfüllen. Es gefällt mir hier." Und via "Bild" sagte er: "Ich bin glücklich in Dortmund, habe einen Vertrag bis 2021 und will unbedingt auch nächste Saison auf der Bank sitzen."

Wie Favre versuchte auch Hans-Joachim Watzke, die Diskussion schnell wieder einzufangen. "Es gibt aktuell überhaupt keinen Anlass für eine Trainerdiskussion", sagte der BVB-Geschäftsführer den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Wir spielen eine sehr, sehr gute Rückrunde, hatten vor dem Spiel 27 von 30 Punkten geholt, sind überall gelobt worden. Lucien Favre lag nichts ferner, als jetzt eine Diskussion loszutreten."

Gleichwohl dürfte die Debatte um Favre den BVB nun bis zum Saisonende begleiten. Die Reaktionen auf den TV-Auftritt des 62-Jährigen gaben einen Vorgeschmack. Auf die Sky-Frage, ob er Sorge vor neuerlicher Kritik habe, kein Titel-Trainer zu sein, hatte er geantwortet: "Das sagt man hier seit Monaten. Ich lese nicht die Zeitung, aber ich weiß, wie es geht. Ich werde darüber sprechen in ein paar Wochen."

Bei einem Grübler wie Favre stimmen solche Aussagen nachdenklich. Schließlich ist sein Abgang in Mönchengladbach 2015, als er die dortige Borussia nach sechs Pflichtspielniederlagen zum Saisonstart überraschend und gegen den Willen der Vereinsführung verließ, noch in Erinnerung. Die Schlussfolgerung von Sky-Experte Lothar Matthäus ließ nicht lange auf sich warten: "Ich habe mir gleich gedacht: Lucien Favre weg, Niko Kovac kommt. Das war mein erster Gedanke nach der Aussage gerade eben. Wahrscheinlich sucht Dortmund ab Sommer einen neuen Trainer." Flugs verwies die "Bild" auf angeblich monatelange Kontakte der BVB-Bosse zum ehemaligen Bayern-Coach Kovac. Diese Aussage von Matthäus sei "wirklich unglaublich und für mich auch nicht akzeptabel", sagte Favre der "Bild".

Nach dem Achtelfinal-Aus in der Champions League und im DFB-Pokal sowie dem 0:1 gegen die nun um sieben Punkte enteilten Bayern geht der mit großen Ambitionen in die Saison gestartete Revierclub wohl erneut leer aus. "Jetzt entscheiden nur noch die Bayern, ob sie es machen oder nicht", kommentierte BVB-Abwehrchef Mats Hummels das 0:1.

Erste Gratulationen schlugen dagegen die designierten Münchner Geister-Meister um den neuen Titelschmied Hansi Flick gönnerhaft aus. Es tauchten auch keine Bilder mit alkoholischen Getränken auf, die nach dem gefühlten K.-o.-Hieb für Borussia Dortmund bei einer spontanen Feier in der Bayern-Kabine gereicht worden wären. Dafür dokumentierten die Bilder des Jubelschreie ausstoßenden Matchwinners Joshua Kimmich den Unterschied zwischen den gierigen Dauer-Champions. Der frühere Bayern-Star Bastian Schweinsteiger sprach als ARD-Experte aus, was in Deutschland wohl 99,9 Prozent der Fußball-Interessierten denken: "Man kann die Schale schon mal Richtung München schicken." Sechs Spieltage gibt es noch. Sechsmal Schaulaufen für die Bayern? Nein, so weit wollte Bayern-Coach Flick natürlich nicht vorausdenken. Aber auch der 55-Jährige weiß, dass seine Titelpremiere als Chefcoach im ersten Bayern-Jahr nur noch Formsache ist. "Das ist ein schönes Gefühl, sieben Punkte Vorsprung zu haben", sagte der 55-Jährige.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare