FIFA-Toleranz mit Kalkül

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(dpa). Die Botschaften nehmen zu, aber der Adressat taucht (noch) auf keinem Trikot auf. Norwegen, Dänemark, die Niederlande und auch Deutschlands Fußball-Nationalmannschaft erhöhen mit Menschenrechtsaktionen den Druck auf WM-Gastgeber Katar - ohne das Emirat auf ihren Outfits zu erwähnen. Mit nach vorne gerichteten Rückennummern wies die DFB-Auswahl vor dem 1:

0 in Rumänien symbolisch auf die 30 Artikel in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen hin. Das dänische Team trug wie schon die Niederländer Shirts mit der Aufschrift »Football Supports Change« (Fußball unterstützt Wandel).

Es sind klare Zeichen gegen die oft kritisierten Arbeitsbedingungen im Emirat am Golf, wo im Winter 2022 die nächste WM ausgetragen wird. Genauso klar sind eigentlich die Regeln der FIFA: »Die vorgeschriebene Grundausrüstung darf keine politischen, religiösen oder persönlichen Slogans, Botschaften oder Bilder aufweisen«, heißt es in den Spielregeln des Weltverbandes. Bislang toleriert die FIFA aber diese Aktionen. Doch es scheint eine Toleranz mit Kalkül. »Die FIFA glaubt an die Meinungsfreiheit und an die Kraft des Fußballs, den positiven Wandel voranzutreiben«, hieß es jüngst vom Weltverband. FIFA-Boss Gianni Infantino weiß genau: Würde man diese Botschaften sanktionieren, würde das die Proteste gegen die Katar-WM nur verstärken.

Es ist aber nicht davon auszugehen, dass die Funktionäre in Zürich von den zunehmenden Menschenrechtsaktionen europäischer Nationalteams begeistert sind. Doch weit über persönlichen Empfindungen steht für die FIFA der Schutz ihres Hochglanzprodukts: der Weltmeisterschaft, und die findet 2022 nun mal in Katar statt.

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