Alvaro Morata (l.) nimmt die Glückwünsche von Koke (verdeckt) zum 1:0 entgegen, die Körperhaltung von DFB-Keeper Manuel Neuer (r.) spricht zu diesem Zeitpunkt schon Bände. FOTO: AFP
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Alvaro Morata (l.) nimmt die Glückwünsche von Koke (verdeckt) zum 1:0 entgegen, die Körperhaltung von DFB-Keeper Manuel Neuer (r.) spricht zu diesem Zeitpunkt schon Bände. FOTO: AFP

STATISTIK

Fiasko in Sevilla

  • vonDPA
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Im letzten Spiel des Corona-Jahres erlebt die Fußball-Nationalelf ein fast historisches Debakel. Das 0:6 gegen Spanien wertet Rekordtorwart Neuer als "Tiefschlag" auf dem Weg zur EM.

Demütigung statt Gruppensieg: Angstgegner Spanien hat einer führungslosen deutschen Nationalmannschaft zum Abschluss des komplizierten Corona-Jahres 2020 die höchste Niederlage in der Amtszeit von Joachim Löw verpasst. Das 0:6 (0:3) im 189. Länderspiel des Bundestrainers war auch in der Höhe absolut verdient. Neben der im direkten Duell um Platz eins verpassten Qualifikation für das Finalturnier der Nations League war die Fußball-Lehrstunde auch ein heftiger Stimmungsdämpfer mit Blick auf das kommende EM-Jahr. "Es hat eigentlich nichts funktioniert", sagte Löw anschließend in der ARD. "Die bitterste Niederlage war es nicht, aber eine der klarsten", sagte Toni Kroos nach seinem 101. Länderspiel in der ARD. Sie habe "weh" getan: "Wir haben überhaupt keinen Zugriff bekommen. Spanien hat uns alles vorgemacht, mit Ball und ohne Ball. Das Spiel muss man Richtung Turnier natürlich analysieren. Es ist einiges zu tun."

Alvaro Morata (17. Minute), der dreimal erfolgreiche Ferran Torres (30./55./72.), Rodri (38.) und Mikel Oyarzabal (89.) trafen fast nach Belieben in dem aus deutscher Sicht gespenstischen Geisterspiel.

Es war die höchste Niederlage seit 1931. Kapitän Manuel Neuer erlebte in seinem 96. Länderspiel, mit dem er zum alleinigen deutschen Rekordtorwart aufstieg, einen ganz bitteren Abend. Zuvor hatte er nie mehr als vier Treffer im DFB-Tor kassiert. "Das ist ganz enttäuschend für uns alle", sagte Neuer. Er bemängelte die Körpersprache und die Kommunikation auf dem Spielfeld. Der 34-Jährige verhinderte sogar eine noch schlimmere Demütigung gegen eine gierige und spielerisch klar überlegene spanische Elf. Die Gastgeber zogen in der Tabelle der Gruppe 4 mit elf Punkten an Deutschland (9) noch vorbei. Spanien steht damit neben Weltmeister Frankreich als Teilnehmer am Final-4-Turnier im Oktober 2021 fest.

"Die große Herausforderung heißt gegen Spanien, wie verteidigt man sie?", sagte Löw vor dem Anpfiff in der ARD. Das war im Nachhinein eine fast prophetische Aussage. Die Defensivarbeit war über 90 Minuten desolat. Dabei schien es eine gute Nachricht zu sein, dass Niklas Süle nach Knieproblemen doch auflaufen konnte. Aber der Abwehrchef war überfordert wie alle andere. Eine Lehrstunde erlebten auch die unerfahrenen Verteidiger Robin Koch und Philipp Max.

Ernüchternd war, dass von Führungskräften wie Toni Kroos und Ilkay Gündogan überhaupt kein Widerstand oder Ideen kamen. Der deutsche Turbo-Angriff mit Timo Werner, Serge Gnabry und Leroy Sané konnte sich bei der ersten Niederlage 2020 nie in Szene setzen. Erst in der 77. Minute gab es eine Torchance, als Gnabry abzog.

"Wir können froh sein, dass es 4:0 steht. Ich bin sprachlos", sagte ARD-Experte Bastian Schweinsteiger als fassungsloser Beobachter der einseitigen Partie, die einen Klassenunterschied offenbarte. In der fünften Minute hatten die Gäste noch Glück, dass es in der Nations League keinen Videobeweis gibt. Gündogan traf den Leipziger Dani Olmo am Fuß, der Schiedsrichter gab Freistoß, aber das Foul war im Strafraum. Die Spanier verloren früh Sergio Canales durch eine Verletzung. Aber der für ihn eingewechselte Fabian bereitete als Eckballschütze gleich das Führungstor von Morata vor. Der Stürmer von Juventus Turin übersprang Gnabry, der dort niemals sein Gegenspieler hätte sein dürfen. Nach Flanke von Koke köpfte Olmo an die Latte, Ferran Torres vollendete. Eine weitere Ecke von Fabian konnte Rodri ungehindert zum 3:0 einköpfen. Auch nach der Pause erfolgte kein Aufbäumen. Der herausragende Ferran Tores konnte bei seinem zweiten Treffer einen Konter mühelos abschließen. Dann machte er seinen Dreierpack perfekt.

Spanien: Unai Simon/Athletic Bilbao) - Sergi Roberto (FC Barcelona), Sergio Ramos (Real Madrid; ab 43. Garcia/Manchester City), Pau Torres (FC Villarreal), Gaya (FC Valencia) - Rodrigo (Manchester City), Canales (Betis Sevilla; ab 12. Ruiz/SSC Neapel) - Olmo (RB Leipzig; ab 73. Moreno/FC Villareal), Koke (Atletico Madrid), Ferran Torres (Manchester City; ab 73. Asensio/Real Madrid) - Morata (Juventus Turin; ab 73. Oyarzabal (Real Sociedad).

Deutschland: Neuer/Bayern München (34 Jahre/96 Länderspiele) - Ginter/Borussia Mönchengladbach (26/35), Süle/Bayern München (25/29) ab 46. Tah/Bayer Leverkusen (24/13), Koch/Leeds United (24/7), Max/PSV Eindhoven - Gündogan/Manchester City (30/42), Kroos/Real Madrid (30/101) (27/3) - Goretzka/Bayern München (25/29) ab 61. Neuhaus/Borussia Mönchengladbach (23/2) - Sane/Bayern München (24/25) ab 61. Waldschmidt/Benfica Lissabon (24/6), Gnabry/Bayern München (25/17), Werner/FC Chelsea (24/35) ab 77. Henrichs/RB Leipzig (23/5).

Im Stenogramm: Henrichs/RB Leipzig (23/5). - Trainer: Löw

Schiedsrichter: Andreas Ekberg (Schweden). - Tore: 1:0 Morata (17.), 2:0 Torres (33.), 3:0 Rodrigo (38.), 4:0 Torres (55.), 5:0 Torres (72.), 6:0 Oyarzabal (89.). - Zuschauer: keine (in Sevilla). - Beste Spieler: Torres, Rodrigo - Neuer. - Gelbe Karten: - Koch, Tah, Gnabry. SID

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