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Überglücklich sind Simone Laudehr (vorne links) und ihre Kolleginnen nach der Siegerehrung.

Bundesliga Frauen

FC Bayern wird Meister

  • VonSID
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Die deutsche U21-Auswahl holt durch einen 1:0-Sieg gegen Portugal den kaum für möglich gehaltenen EM-Titel. Lukas Nmecha wird in Ljubljana zum Fußball-Helden.

(sid). Die Fußballerinnen von Bayern München haben sich die vierte Meisterschaft der Vereinsgeschichte gesichert und die Dominanz des VfL Wolfsburg durchbrochen. Durch das 4:0 (2:0) am letzten Spieltag der Frauen-Bundesliga gegen Eintracht Frankfurt ließ die Mannschaft von Trainer Jens Scheuer im Fernduell mit den Wölfinnen nichts mehr anbrennen. Linda Dallmann (17./25.) beseitigte mit ihrem Doppelpack früh alle Restzweifel am Titelgewinn, Eintracht-Kapitänin Laura Störzel (54.) unterlief zudem ein Eigentor. Für den Schlusspunkte sorgte Lea Schüller (90.). Die Wolfsburgerinnen hatten auf einen Ausrutscher des FC Bayern gehofft, um die Chance auf das Double zu wahren. Im letzten Spiel von Stephan Lerch als VfL-Trainer erledigte der Pokalsieger durch das 8:0 gegen Bremen seine Hausaufgaben, hoffte aber vergebens.

Simone Laudehr schloss mit der Meisterschale zudem die letzte Lücke in ihrer Titelsammlung. Weltmeisterin, Europameisterin und Olympiasiegerin wurde die 34-Jährige bereits, nur die Meisterschaft war ihr verwehrt geblieben - bis zum letzten Spiel ihrer Karriere.

Stefan Kuntz fiel sichtlich bewegt Matchwinner Lukas Nmecha um den Hals, dann hüpfte die gesamte Fußball-Mannschaft wild und ausgelassen über den Rasen: Die deutsche U21 hat ihre märchenhafte EM dank Torschützenkönig Nmecha mit dem Titel gekrönt. Das Team von DFB-Trainer Kuntz gewann das Finale gegen Portugal im slowenischen Ljubljana verdient mit 1:0 (0:0) und sorgte nach 2009 und 2017 für den dritten und wohl überraschendsten EM-Triumph.

Anderlecht-Stürmer Nmecha (49.) traf in einem temporeichen Endspiel für die überlegene deutsche Mannschaft. Der Angreifer sicherte sich mit seinem vierten Turniertor zudem den goldenen Schuh für den besten EM-Torschützen. Vor der Pause hatte Leverkusens Jungstar Florian Wirtz bereits die Latte getroffen.

Der Titel kommt völlig unerwartet - noch vor einem Jahr war der aktuelle Jahrgang als vergleichsweise schwach eingestuft worden. »Da war ich eher pessimistisch. Aber wie man sieht, ist etwas daraus geworden«, sagte Kuntz. Für den Erfolgstrainer war es im dritten Endspiel in Folge der zweite Titel.

»Meine Spieler sollen die Zuschauer und ihre Familien stolz machen«, sagte Kuntz kurz vor Anstoß. Der Auftakt war aber von Nervosität geprägt. Beim DFB-Team brach immer wieder der starke Ridle Baku vom VfL Wolfsburg auf rechts durch, ohne zum Abschluss zu kommen. Mehr vom Spiel hatte Portugal, vor allem Torjäger Dany Mota war kaum zu halten.

Aus dem Nichts wäre das Kuntz-Team beinahe in Führung gegangen: Ein abgefälschter Schuss von Wirtz, der im Halbfinale gegen die Niederlande (2:1) doppelt getroffen hatte, landete an der Unterkante der Latte und sprang zurück ins Feld (15.). Im sechsten EM-Spiel traf das deutsche Team zum neunten Mal das Gebälk.

Lattenknaller als Weckruf

Der Lattenknaller wirkte aber wie ein Weckruf. Bis zur Pause bot der deutsche Nachwuchs den technisch überlegenen Portugiesen mit viel Leidenschaft die Stirn und hatte dank früher Balleroberungen sogar die gefährlicheren Abschlüsse. Nmecha, der als einziger deutscher Spieler schon im Endspiel 2019 auf dem Platz gestanden hatte, scheiterte mit einem Lupfer (21.). Eine Führung wäre nach 45 Minuten verdient gewesen, auch wenn Vitinha (45.+1) nach einem Konter leichtfertig vertändelte.

Zahlreiche deutsche Sportstars hatten der U21 vor Anpfiff Glück gewünscht. »Es macht Spaß, euch zuzuschauen. Ihr macht das schon«, sagte etwa Manuel Neuer, der 2009 U21-Europameister geworden war. Auch Boris Becker, Serge Gnabry, Alexandra Popp, der ehemalige Formel-1-Pilot Timo Glock und die Ex-Handballer Pascal Hens und Stefan Kretzschmar drückten die Daumen.

Nach der Pause dauerte es keine fünf Minuten bis zur Führung. Baku setzte sich einmal mehr auf rechts durch und bediente Nmecha, der Schlussmann Diogo Costa umkurvte und einschob. Auf der Tribüne jubelten unter den 3000 Zuschauern auch die DFB-Interimspräsidenten Rainer Koch und Peter Peters mit, die ebenso wie UEFA-Präsident Aleksander Ceferin nach Slowenien gereist waren.

Die mit U19-Europameistern gespickten Portugiesen drängten anschließend auf den Ausgleich. Mit Glück, Geschick und hohem Einsatz verteidigte die deutsche Mannschaft die Führung. Stattdessen hatte der 19 Jahre alte Karim-David Adeyemi (Red Bull Salzburg) bei einem Konter sogar das 2:0 auf dem Fuß (72.).

Deutschland: Dahmen (Mainz) - Baku (Wolfsburg), Pieper (Bielefeld), N. Schlotterbeck (Union Berlin), Raum (Greuther Fürth) - Maier (Bielefeld), Dorsch (KAA Gent - 85. Janelt (FC Brentford)), Özcan (Köln - 90.+2 Stach (Greuther Fürth)) - Wirtz (Leverkusen - 68. Adeyemi (Salzburg)), Nmecha (RSC Anderlecht - 85. Jakobs (Köln)), Berisha (Salzburg - 67. Burkardt (Mainz)).

Portugal: Costa - Dalot, Queirós, Leite, Conte (86. Ramos) - Florentino (83. Fernandes) - Vitinha (59. Jota), Vieira, Bragança - Tomás (59. Conceição), Mota (46. Leao)

Im Stenogramm: Schiedsrichter: Kruashvili (Georgien) - Zuschauer: 4883. - Tor: 1:0 Nmecha (49.). - Gelbe Karten: Wirtz (1), Nmecha (2), Raum (2), S. Özcan (1) / Bragança (1), Jota (1). - Beste Spieler: Baku, Dorsch, Nmecha / Dalot, Bragança.

(sid). Jan-Lennard Struff wittert die große Chance auf einen echten Meilenstein in seiner Tennis-Karriere. »Natürlich möchte ich das Viertelfinale erreichen, natürlich möchte ich gegen Rafa spielen«, sagte »Struffi« voller Entschlossenheit. Der bodenständige Warsteiner will in Paris erstmals überhaupt unter die letzten Acht bei einem Grand-Slam-Turnier.

Dieses Ziel ist für den 31-Jährigen in Reichweite und damit womöglich ein weltweit beachtetes Duell mit Sandplatzkönig Rafael Nadal. Auf solche Matches im Rampenlicht hat Struff mit seinem Trainer Carsten Arriens lange hingearbeitet, im kniffligen Achtelfinale gegen den Argentinier Diego Schwartzman will die Nummer zwei der deutschen Rangliste heute unbedingt den nächsten Schritt machen.

Für Struff bedeutete dies aber nicht, dass er am Sonntag nur gut frühstückte, die Beine hochlegte und am späten Abend von der Hotelcouch aus im TV das Match von Alexander Zverev verfolgte. Er stürzte sich vielmehr in die Action auf der roten Asche, denn auch im Doppel hatte der Familienvater mit seinem Partner Robin Haase aus den Niederlanden die Runde der letzten Acht erreicht. Erst danach galt seine Aufmerksamkeit dem Sandplatzspezialisten Schwartzman, der am Samstag in drei Sätzen den Lauf von Routinier Philipp Kohlschreiber (Augsburg) beendet. »Diego ist ein sehr zäher Spieler. Ich muss meinen aggressiven Spielstil durchziehen«, sagte Struff. In der Nightsession am Sonntagabend zog Zverev bereits ins Viertelfinale ein. Er bezwang Kei Nishikori (Japan) mit 6:4, 6:1, 6:1 und trifft nun auf Alejandro Davidovich Fokina (Spanien).

Beinahe wäre auch der Schwarzwälder Dominik Koepfer in die Runde der letzten 16 eingezogen - der 27-Jährige scheiterte aber unglücklich am Schweizer Superstar Roger Federer. Koepfer schenkte dem 20-maligen Grand-Slam-Champion in einem Krimi nichts, hatte bei der 6:7 (5:7), 7:6 (7:3), 6:7 (4:7), 5:7-Niederlage aber letztlich die schlechteren Nerven. »Roger ist Roger, unglaublich, was er mit seinen 39 Jahren noch macht«, sagte Koepfer über den »Maestro«, der aber zum Achtelfinale nicht antreten wird, wie er am Sonntag mitteilte. Federer will sein lädiertes Knie nach einer OP nicht überbelasten, das ihn in Wimbledon weit bringen soll. Dadurch steht der Italiener Matteo Berrettini kampflos im Viertelfinale.

Für Struff, der kürzlich in München sein erstes Finale auf Tourniveau verlor, zählt dagegen das Hier und Jetzt in Paris. Dass er seinen Überraschungscoup aus der ersten Runde gegen den Turnier-Geheimfavoriten Andrej Rublew mit zwei Dreisatzerfolgen gegen den Argentinier Facundo Bagnis und gegen das spanische Toptalent Carlos Alcaraz (6:4, 7:6 (7:3), 6:1) bestätigte, spricht für seine Entwicklung.

(sid). Der australische Radprofi Richie Porte hat die 73. Ausgabe des prestigereichen Criterium du Dauphine gewonnen. Der 36-Jährige vom Team Ineos-Grenadiers verteidigte das Gelbe Trikot auf der achten und letzten Etappe über 147 km von La Lechere-Les-Bains nach Les Gets. Der Ukrainer Mark Padun (Bahrain-Victorious) sicherte sich am Sonntag den zweiten Etappensieg nacheinander, nachdem er bereits am Samstag die Bergankunft gewonnen hatte.

Der Niederländer Wilco Kelderman, der das deutsche Team Bora-hansgrohe bei der in drei Wochen beginnenden Tour de France anführen soll, beendete das wichtige Vorbereitungsrennen auf dem vierten Platz der Gesamtwertung (+0:33 Minuten).

(sid). Team-Weltmeisterin Jessica von Bredow-Werndl (Aubenhausen) hat bei den deutschen Dressur-Meisterschaften in Balve nach dem Grand Prix Special auch den Titel in der Kür gewonnen. In einem Wettbewerb auf Weltklasseniveau bekam »JBW« mit ihrer Stute Dalera 93,025 Punkte und verwies die sechsmalige Olympiasiegerin Isabell Werth mit Bella Rose (Rheinberg/90,975) und Dorothee Schneider mit Showtime (Framersheim/89,775) auf die Plätze.

Bei den Springreitern wurde Tobias Meyer (Friesoythe) erstmals deutscher Meister. Der 33-Jährige blieb auf dem niederländischen Wallach Greatest Boy ebenso wie Maximilian Weishaupt (Jettingen) mit der zehnjährigen Omerta Incipit in allen vier Durchgängen fehlerfrei. Am Ende entschied die bessere Zeit für Meyer. Allerdings fehlten einige deutsche Topreiter, da im Springen - im Gegensatz zur Dressur - die DM nicht zur Olympiasichtung gehörte.

Die Entscheidung: Lukas Nmecha (l.) erzielt für das deutsche Team das Tor zum 1:0-Endstand im U21-EM-Finale gegen Portugal.
Jan-Lennard Struff will heute bei den French Open ins Viertelfinale einziehen.

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