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Nachdem ein Mitglied seinen Vortrag bei der Jahreshauptversammlung des FC Bayern nicht auf der Bühne halten darf, hält er seine Rede spontan ohne Mikrofon.

FC Bayern im Chaos

Der FC Bayern setzt sein momentanes Chaos auf der Jahreshauptversammlung fort. Die Debatte um Katar eskaliert, die Bosse um Präsident Herbert Hainer erhalten einen heftigen Denkzettel. Ehrenpräsident Hoeneß ist nach Tumulten schockiert.

Uli Hoeneß war erschüttert und beschämt, als er mit finsterer Miene um kurz nach Mitternacht den brodelnden Audi Dome verließ. »Ich bin schockiert. Das war die schlimmste Veranstaltung, die ich je beim FC Bayern erlebt habe«, sagte Bayern Münchens Ehrenpräsident nach einer extrem turbulenten Jahreshauptversammlung und schüttelte mit Blick auf die wütenden Fans immer wieder entsetzt den Kopf. Und Hoeneß hat beim »FC Hollywood« in den letzten Jahrzehnten schon sehr viel erlebt.

Pfiffe, Schmähungen, Buhrufe, abgelehnte Anträge, Tumulte - die Lage war nach Diskussionen über das umstrittene Ärmel-Sponsoring durch Qatar Airways, seit Monaten schon ein Reizthema im Klub, eskaliert. Im Mittelpunkt der Anfeindungen eines Großteils der knapp anwesenden 800 Mitglieder stand Präsident Herbert Hainer. Als er eine Wortmeldung nicht mehr zugelassen und die Versammlung nach über fünf Stunden beendet hatte, flippten einige empörte Fans aus. Es gab laute »Hainer raus«-Rufe, dazu Sprechchöre: »Wir sind Bayern und ihr nicht« und »Wir sind die Fans, die ihr nicht wollt«. Nach Hainers Redestopp stellte sich ein Mitglied einfach auf einen Stuhl und sprach halt ohne Mikrofon.

Grund für das unrühmliche Ende und das Chaos, das sogar noch den Corona-Wirbel um Fußball-Bundesliga-Profi um Impfskeptiker Joshua Kimmich in den Schatten stellte: Der FC Bayern hatte am späten Donnerstagabend einen Spontanantrag, der eine Abstimmung der Mitglieder über das Katar-Sponsoring herbeiführen sollte, nicht zugelassen. Der Klub verwies auf ein Urteil des Landgerichts München I von Donnerstagmittag, wonach »die Mitgliederversammlung für den bezeichneten Beratungs- und Beschlussgegenstand laut Vereinssatzung nicht zuständig ist«.

Der angeblich mit 20 Millionen Euro dotierte Vertrag der Münchner mit dem Emirat Katar, WM-Gastgeber 2022, läuft noch bis 2023. Einen neuen Abschluss woll(t)en die Fans um Initiator Michael Ott mit aller Macht verhindern. »Diese Kooperation schadet dem Image des FC Bayern nachhaltig«, hieß es.

Hainer, der bei der hitzigen Debatte eine »niederträchtige« Tonlage beklagte, hatte zuvor noch einmal den Standpunkt des Rekordmeisters - »Wandel durch Annäherung« - deutlich gemacht. »Ich bin nach wie vor der festen Überzeugung, dass Dialog der beste Weg ist, Menschen zusammenzubringen«, sagte er. Vorstandschef Oliver Kahn sprach von »sehr klaren Kriterien an solche Partnerschaften. Wir schauen uns das genau an«, sagte er.

In der aufgeheizten Stimmung blockierten die Mitglieder sogar eine vom Klub geplante Neufassung der Vereinssatzung. Es war ein heftiger Denkzettel für die Bosse. Zumal der FC Bayern mit der Änderung eigentlich »noch besser« verdeutlichen wollte, so Hainer, »für welche Werte unser Klub steht«. Genannt wurden »Toleranz, Respekt, Vorbildfunktion, Weltoffenheit, soziale Verantwortung und ein Einstehen gegen jegliche Form von Extremismus und Diskriminierung, sei es aus ethnischen Gründen, wegen des Geschlechts oder der sexuellen Orientierung«. Dafür stimmten die Fans einem selbst eingebrachten Antrag zu, dass sich der FC Bayern in seiner Satzung künftig zu den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte verpflichtet. Einen kleinen Erfolg für Hainer und Co. gab es aber doch: Ein Antrag verfehlte die erforderliche Zweidrittelmehrheit knapp, wonach die Anteile des Vereins an der AG künftig nicht unter 75 Prozent (bisher 70) fallen dürfen, damit Investoren nicht zu viel Einfluss bekommen.

Heute (18.30 Uhr) wollen die Münchner gegen Bielefeld zumindest sportlich wieder für positive Schlagzeilen sorgen - auch wenn der FC Bayern unter anderem auf die zuletzt positiv auf Corona getesteten Joshua Kimmich und Eric Maxim Choupo-Moting verzichten muss.

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