Joachim Löw Bundestrainer
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Joachim Löw Bundestrainer

Der ewige Bundes-Jogi ein 60er

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(dpa). Ein wenig mulmig wird Joachim Löw zu seinem runden Geburtstag schon. An diesem Montag wird der beinahe ewige Bundes-Jogi 60. Und dieser Geburtstag fühlt sich für den Langzeit-Bundestrainer eben doch anders an als der Fünfzigste oder der Vierzigste. "Man hat schon ein bisschen Respekt vor dem Alter und der Zahl", gestand der am 3. Februar 1960 in Schönau im Schwarzwald geborene Löw. Die Begründung lieferte er vor Kurzem im Rahmen der Bambi-Verleihung in Baden-Baden gleich mit. "Das ist früher auch irgendwie das Rentenalter gewesen mit 60. Heute ist es vielleicht nicht mehr so."

An den Ruhestand denkt Löw freilich noch nicht. Auch wenn er anlässlich seines Sechzigsten jüngst im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur über seine Zukunft sinnierte und für sich persönlich die Aussage traf: "Trainer mit 70? Das halte ich für undenkbar."

Löw biegt auf die Zielgerade des Berufslebens ein. Ein Mann, der seit 2006 seine Bestimmung als Bundestrainer gefunden hat. Ob er nach der EM 2020 Bundestrainer bleiben wird, ließ Löw im Interview mit "Bild am Sonntag" und "Welt am Sonntag" offen: "Natürlich lässt man sich als Trainer immer auch am sportlichen Erfolg messen." Ein Viertel seines Lebens hat er in dem Amt verbracht. Kein Nationalspieler der Gegenwart hat jemals einen anderen Nationaltrainer erlebt, selbst ein Veteran wie Manuel Neuer nicht, der seit 2009 im DFB-Tor steht.

"Er ist ja schon sehr lange dabei. Aber er ist immer mit der Zeit gegangen", sagte Neuer einmal über seinen Chef beim DFB. Der Torwart des FC Bayern hat alle Extreme mit Löw gemeinsam erlebt, den Gewinn des WM-Titels 2014 in Brasilien ebenso wie den Radikalabsturz vier Jahre später mit dem deutschen WM-Vorrunden-Aus in Russland.

181 Länderspiele - auf so viele Partien als DFB-Chefcoach kommt keiner seiner Vorgänger von Otto Nerz bis Jürgen Klinsmann, dessen Assistent er von 2004 bis zum deutschen WM-Sommermärchen 2006 war. Der Hertha-Coach verfasste im Bundesliga-Magazin eine Würdigung zu Löws 60. Geburtstag. "Auch in den angespanntesten Zeiten kurz vor dem Anpfiff der Spiele bist du extrem gelassen. Das konnte ich von dir lernen." Die Gelassenheit gepaart mit Optimismus und Standhaftigkeit ergibt für Klinsmann "eine ganz wichtige Eigenheit: Man kann sich immer auf dich verlassen".

Für Löw ist Bundestrainer kein Beruf mehr, sondern eine Berufung. Ein Traumjob, den er durchaus eigenwillig lebt und inhaltlich gestaltet. "Als Trainer hat er alles erreicht", sagte Hansi Flick über Löw, der als Bundestrainer Weltmeister wurde, mit dem VfB Stuttgart 1997 den DFB-Pokal gewann und den FC Tirol Innsbruck 2002 zur Meisterschaft in Österreich führte.

Der heutige Bayern-Trainer Flick war acht Jahre lang Löws Assistent. Der WM-Titel 2014 in Brasilien markierte den gemeinsamen Endpunkt. Freunde sind sie aber geblieben.

Als Spieler kam der Schwarzwälder nicht über Junioren-Länderspiele hinaus. Er sieht sich als Fußballlehrer, als Entwickler. Aktuell befindet er sich mit der Nationalelf wieder in einer spannenden Umbruchphase - mit ungewissem Ausgang. Die EM im Sommer mit den Gruppenspielen gegen Weltmeister Frankreich und Titelverteidiger Portugal wird auch über seine Zukunft entscheiden. FOTO: DPA

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