Auf die Offensivqualitäten von Thomas Müller (r.), der sich hier über den vierten Bayern-Treffer gegen Barcelonas Marc-Andre ter Stegen freut, und Robert Lewandowski setzen die Münchner auch im Halbfinale am Mittwoch gegen Lyon. FOTO: DPA
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Auf die Offensivqualitäten von Thomas Müller (r.), der sich hier über den vierten Bayern-Treffer gegen Barcelonas Marc-Andre ter Stegen freut, und Robert Lewandowski setzen die Münchner auch im Halbfinale am Mittwoch gegen Lyon. FOTO: DPA

Von Euphorie keine Spur

  • vonSID
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Bei Bayern München werden immer stärker Erinnerungen an 2013 wach. Doch von Übermut ist trotz des 8:2-Triumphs gegen Barcelona vor dem Champions-League-Halb- finale nichts zu spüren. Auch gegen Außenseiter Lyon am Mittwoch will der Rekordmeister fokussiert bleiben.

Die Nacht zum 7. März 2001 sollte bei Bayern München in die Vereinshistorie eingehen: Präsident Franz Beckenbauer hielt nach dem 0:3 des FCB im Zwischenrundenspiel der Champions League bei Olympique Lyon eine legendäre Wutrede. Als "Uwe-Seeler-Traditions-Mannschaft" beschimpfte der Kaiser das damalige Team um Oliver Kahn und Stefan Effenberg auf dem Bankett. Es sei "Altherrenfußball" gewesen.

19 Jahre später geht es wieder gegen Lyon. Ein Bankett wird es in Corona-Zeiten nicht geben. Beckenbauer hat sich längst zurückgezogen - und von Altherrenfußball ist der FC Bayern 2020 Lichtjahre entfernt. Vielmehr ist der deutsche Rekordmeister längst erster Anwärter auf den Henkelpott. Auch am Mittwoch (21 Uhr/Sky und DAZN) im Halbfinale gegen den früheren französischen Serienmeister gilt die Mannschaft von Trainer Hansi Flick als Topfavorit.

Es werden längst Erinnerungen an 2013 wach, als die Bayern unter Jupp Heynckes zum bislang einzigen Mal in der Vereinsgeschichte das begehrte Triple holten. "Ich habe ehrlich gesagt schon vom ersten Tag an gemerkt, dass da was geht. Das war unser großes Ziel für die Saison. Wir haben in der Champions League auch von Anfang an besser gespielt als vielleicht in der Bundesliga. Wir waren extrem gierig die ganze Zeit, das hat man auch gemerkt", sagte Jerome Boateng, der vor sieben Jahren selbst dabei gewesen war.

Extrem gierig - und extrem fokussiert. Selbst nach dem spektakulären 8:2 im Viertelfinale gegen den FC Barcelona war im Münchner Mannschaftsquartier Penha Longa Resort vor den Toren Lissabons von Euphorie nichts zu spüren. Stattdessen bereiten sich die Bayern schon seit Samstag konzentriert auf den Favoritenschreck vor, der immerhin die Topklubs Juventus Turin mit Superstar Cristiano Ronaldo und Manchester City mit Bayerns Ex-Coach Pep Guardiola ausgeschaltet hat.

Für die Gala gegen Barca könne man "sich nichts kaufen. Wir wissen das einzuordnen", betonte Boateng und gab die Devise vor: "Das nächste Spiel ist immer das schwierigste. Unser Gegner steht nicht umsonst da, wo er ist." Das unterstrich auch Weltmeister Corentin Tolisso, der 2017 von Lyon nach München gewechselt war. "Vielleicht ist es aus deutscher Sicht die am wenigsten bekannte Mannschaft. Aber wir haben gegen Manchester City alle gesehen, wozu diese Mannschaft fähig ist. Wir werden sie zu keinem Zeitpunkt unterschätzen", sagte der 26-Jährige: "Wenn die großen Spiele anstehen, ist Lyon immer zur Stelle."

Akribisch wie immer wird Flick sein Team, dem wahrscheinlich auch der zuletzt angeschlagene Benjamin Pavard wieder zur Verfügung steht, auf die unbequemen und aufmüpfigen Franzosen einstellen. "Ich glaube, die ganze Mannschaft profitiert vom klaren Plan unter Hansi Flick. Nicht nur ich. Wir kennen das System aus früheren Jahren unter Pep", lobte Boateng den 55-Jährigen. Präsident Herbert Hainer hatte Flick schon vor dem historischen Erfolg gegen Barcelona gewürdigt: "Hansi Flick hat der Mannschaft die Spielfreude zurückgegeben." Flick selbst interessieren solche Hymnen allenfalls am Rande. Er widmet sich lieber dem (Trainings-)Alltag. "Wir wissen, dass es ein hartes Stück Arbeit ist, um am Ende da zu stehen, wo wir gerne hin wollen", sagte er nur.

Wohin, ist klar! Die Bayern wollen nach dem Doublegewinn in Deutschland auch in Europa zum sechsten Mal ganz nach oben - wie 2001. Zwei Monate nach Beckenbauers Wutrede stemmten Kahn, Effenberg, Hasan Salihamidzic und Co. den Henkelpott in den Mailänder Himmel.

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