Erster Matchball für Gladbach

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(dpa). Ein prominent dezimierter FC Bayern will seine Rekordserie ausbauen, die formstarke Gladbacher Borussia lechzt nach ganz später Genugtuung für ein historisches Klub-Trauma. Am fünften Vorrundenspieltag der Champions League geht es für die beiden Fußball-Bundesligisten auch um viel Prestige. Anders als die schon als Gruppensieger feststehenden Münchner hat Mönchengladbach im Heimspiel gegen Inter Mailand am Dienstag (21 Uhr/DAZN) zudem eine sportlich reizvolle Aufgabe zu bewältigen. Mit einem Sieg - und vielleicht sogar schon einem Punkt - würde das Team von Trainer Marco Rose erstmals ins Achtelfinale der Champions League einziehen.

Erinnerungen an Büchsenwurf

"Wir müssen richtig gut Fußball spielen gegen eine absolute Top-Mannschaft", sagte Rose, der auf den verletzten Innenverteidiger Nico Elvedi verzichten muss. "Die Aufgabe könnte nicht größer sein für Borussia Mönchengladbach, aber der stellen wir uns sehr gerne." Die ganz besondere Würze aber wird der Partie von der Geschichte verliehen, denn 49 Jahre nach dem berüchtigten Büchsenwurf-Skandal vom Bökelberg hat die Borussia die Möglichkeit auf eine kleine Genugtuung.

"Seit ich in Gladbach bin, umschwirrt uns der Name Boninsegna und das 7:1 gegen Inter 1971", sagte Sportchef Max Eberl schon vor der besonderen Konstellation, die sich jetzt ergeben hat. Der Kantersieg im Achtelfinal-Rückspiel des Landesmeisterpokals taucht in keiner Statistik auf, weil das Match annulliert wurde. Auf Inters Roberto Boninsegna war während der Partie eine Dose geworfen worden; er ließ sich verletzt vom Platz tragen. Von Schauspielerei war stets die Rede. Dennoch wurde das Spiel wiederholt, Mönchengladbach kam nur zu einem 0:0 und schied wegen eines 2:4 im Hinspiel aus.

Überhaupt ist die aktuelle Situation deutlich erfreulicher als die Erinnerungen von vor fünf Jahrzehnten. Gladbach führt die Tabelle der Gruppe B mit acht Punkten vor Real Madrid (7) und Schachtjor Donezk (4) an. Wenn die Spanier im frühen Abendspiel gegen die Ukrainer gewinnen, reicht der Borussia später gar ein Unentschieden zum Weiterkommen.

Gegenüber dem Hinspiel müssen die Fohlen vor allem bessere Lösungen gegen Inter-"Zielspieler" (Rose) Romelu Lukaku finden. Beim 2:2 vor knapp fünf Wochen schoss der Belgier beide Treffer, vor allem der Ausgleich in der Nachspielzeit traf Borussia damals ins Mark. Auch sonst habe Inter eine "sehr große Qualität", so Rose: "Aber wir haben Selbstvertrauen und wollen es für uns in die richtigen Bahnen lenken" - und damit das letzte Gruppenspiel in Madrid zur Kür werden lassen

Die Bayern müssen indes gar nicht mehr rechnen; der Titelverteidiger steht schon vor dem Auftritt bei Atletico Madrid (21.00 Uhr/Sky) als Gruppensieger fest. Deshalb kann sich Trainer Hansi Flick auch den Verzicht auf gleich drei Nationalspieler und Top-Akteure leisten: Torwart Manuel Neuer, Mittelfeld-Vielspieler Leon Goretzka und auch Torjäger Robert Lewandowski reisten gar nicht erst mit nach Spanien.

Nübel in Madrid für Neuer im Tor

In extrem spielintensiven Wochen gönnte der Coach den Dreien eine Verschnaufpause und gibt Ersatzleuten die Chance. "Wichtig ist für mich, dass man auch runterfahren kann, gerade bei dem Mammutprogramm, das für uns die letzten Wochen und Monate anfällt", sagte Neuer. An seiner Stelle darf sich Alexander Nübel im Elite-Cup zeigen.

Von Abschenken aber wollte Flick nichts wissen sondern sprach von "einer Freude, in Madrid gegen Atlético zu spielen". Die Münchner wollen ihre famose Serie von 15 Siegen nacheinander in der Champions League ausbauen. Allerdings steigt das wichtigste Spiel der Bayern in dieser Woche nicht in der spanischen Hauptstadt, sondern am Samstag in der eigenen Arena gegen RB Leipzig, beim Match des Tabellenführers gegen den Bundesliga-Zweiten. Und da geht es um mehr als Prestige.

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