Auf Torjäger Andre Silva (r.) ist Verlass. Er hat schon 14 Treffer für die Eintracht in dieser Saison erzielt. Das freut auch Filip Kostic (l.) und Martin Hinteregger.	FOTO: DPA
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Auf Torjäger Andre Silva (r.) ist Verlass. Er hat schon 14 Treffer für die Eintracht in dieser Saison erzielt. Das freut auch Filip Kostic (l.) und Martin Hinteregger. FOTO: DPA

Entspannt in Lauerstellung

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Die Frankfurter Eintracht will ihren Aufwärtstrend gegen erneuerte Herthaner fortsetzen, nimmt sogar die Königsklasse ins Visier und holt schon Spieler für die neue Saison.

Momentan wird dem Fußballlehrer Adi Hütter und seiner hochfliegenden Mannschaft ganz schön viel Honig ums Maul geschmiert. Der Freiburger Trainer Christian Streich fing mit den Lobliedern auf die Eintracht an (»Mit das Beste in der Liga«), der Bielefelder Uwe Neuhaus flötete nach dem 1:5 seiner Arminen munter weiter (»Frankfurt ist eine Nummer zu groß«), und nun legte der Leverkusener Sportchef Rudi Völler im »Kicker« nach: »Die Eintracht pflegt einen aggressiven, offensiven Ansatz, ihre Spiele sind häufig spektakulär und fußballerisch attraktiv.« Den Frankfurtern und auch den eher defensiv-kontrollierten Wolfsburgern traut das Bayer-Urgestein durchaus zu, ein Wörtchen bei der Vergabe der Champions-League-Plätze mitzusprechen. Der größte Vorteil der Außenseiter in Lauerstellung: »Sie haben längere Ruhephasen als die Konkurrenz.«

Hütter kann diesem Ansatz eine ganze Menge abgewinnen. Keine zusätzlichen Partien im DFB-Pokal und vor allem auf internationalem Terrain mit strapaziösen Reisen könnten sehr wohl positive Auswirkungen auf den weiteren Saisonverlauf haben. Hütter kennt ja die andere Seite der Medaille, vor zwei Jahren verspielte die Mannschaft im Endspurt durch sechs sieglose Partien (vier Niederlagen) die mögliche Teilnahme an der Königsklasse. »Damals gingen wir auf dem Zahnfleisch«, erinnert sich Hütter. Die vielen Partien in der Europa League, gerade das Viertelfinale gegen Benfica Lissabon und der Halbfinalshowdown gegen den FC Chelsea, hatten die Mannschaft ausgelaugt - körperlich wie geistig. »Das wird jetzt nicht mehr der Fall sein«, glaubt Hütter. Insgeheim traut er seinem Team in diesem Jahr den großen Wurf zu, auch wenn er es nicht explizit sagen würde.

Fußballerisch schätzt er sein Ensemble mittlerweile stärker ein als das Team von vor zwei Jahren, das mehr durch Wucht und Dynamik bestach und vorne drei Stürmer in den eigenen Reihen hatte, »die immer ein Tor machen konnten«. Viel fehlt auf diesem Segment auch jetzt nicht. Luka Jovic ist ja wieder da, und André Silva trifft nach Belieben, schon 14-mal. »Wir haben uns weiterentwickelt«, findet Hütter.

Die Anerkennung aus der Liga registriert der 50-Jährige sehr wohl, »das ist ein schönes Kompliment, aber gebauchpinselt fühle ich mich dadurch nicht«, es sei vielmehr so, dass sich die Mannschaft die Aufmerksamkeit verdient habe. »Wir sind gut in Schuss«, betont er vor dem Heimspiel am Samstag (15.30 Uhr) gegen Hertha BSC. Selbstvertrauen und Lockerheit seien vorhanden, aber gleichwohl spüre er tagtäglich die Verbissenheit und Ernsthaftigkeit. »Ich habe ein gutes Gefühl im Training, die Qualität ist sehr hoch.«

Dennoch fordert Hütter von seiner Mannschaft am Samstag Geduld ein, was logisch erscheint. Denn nach dem Trainerwechsel von Bruno Labbadia hin zu Pal Dardai wird der neue, alte Zuchtmeister gewiss erst einmal versuchen, die Reihen zu schließen und es mit gepflegter Defensive versuchen. »Wir wollen das zeigen, was uns stark gemacht hat, mutig mit dem Ball sein, befreit aufspielen und die Leichtigkeit mitnehmen«, sagt Hütter. Ob Jovic von Beginn an helfen wird, ist offen, aber nicht wahrscheinlich. »Er fühlt sich noch nicht 100 Prozent fit, wir sind behutsam mit ihm, insgesamt ist er auf einem super Weg.«

Verteidiger Lenz kommt ablösefrei

Am Donnerstag tütete die Eintracht schon einen Transfer für den kommenden Sommer ein. So kommt Linksverteidiger Christopher Lenz ablösefrei vom Ligarivalen 1. FC Union Berlin an den Main und erhält einen Vertrag bis 2024. Der 26-Jährige kann in dieser Spielzeit 19 Einsätze verbuchen, drei Vorlagen sind notiert. »Ich sehe die Eintracht als den nächsten Schritt in meiner Entwicklung«, sagt der im Nachwuchszentrum von Hertha BSC ausgebildete Verteidiger.

»Er hat bewiesen, dass er auf höchstem Niveau spielen kann«, betont Sportvorstand Fredi Bobic. »Sportlich wie wirtschaftlich ist das ein für uns ausgezeichneter Transfer.« Auch Coach Hütter ist hocherfreut, nach diversen Telefongesprächen mit dem 44-fachen Bundesligaakteur habe er »ein sehr gutes Gefühl« gehabt: »Er hat Qualität, bringt Leidenschaft mit und ist menschlich top.«

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