Bundestrainer Joachim Löw will sich am Montag äußern. FOTO: DPA
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Bundestrainer Joachim Löw will sich am Montag äußern. FOTO: DPA

Ende des Versteckspiels

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Joachim Löw hat sich nach dem Debakel zum Abschluss der Nations League zurückgezogen. Das hat ihm reichlich Kritik eingebracht. Nun will sich der Bundestrainer öffentlich erklären.

Was macht Jogi? Diese Frage beschäftigt Fußball-Deutschland seit fast drei Wochen, nach der 0:6-Schmach in Spanien war Joachim Löw öffentlich abgetaucht. Am Montag hat das Versteckspiel ein Ende. Der Bundestrainer verfolgt mit seinem Trainerteam aus der Ferne die Auslosung der europäischen Qualifikationsgruppen für die WM 2022 in Katar - und er bezieht endlich Stellung. Löw wird sich am Montag (ab 16 Uhr) zur Situation bei der deutschen Nationalmannschaft äußern. Der DFB lud am Sonntag zu einem entsprechenden digitalen Pressegespräch ein.

Löw wird sich nicht nur zu den dank Lostopf 1 vermeintlich leichten Gegnern äußern, sondern wohl eben auch zu den Dingen, die die Fußball-Nation bewegen. Nicht entschuldigend, sondern kämpferisch. "Er hat absolut das Feuer, er hat klare Vorstellungen", sagte DFB-Direktor Oliver Bierhoff am Sonntag bei Sky90: "Wenn er keine Energie und nach der Niederlage auch keine Wut im Bauch hätte, wäre das schlecht."

An dieser Energie hatte es zuletzt vermehrt Zweifel gegeben. Für viele Fans und Experten ist die Zeit überreif, dass Löw seine Analyse und seine angebliche Auseinandersetzung mit DFB-Präsident Fritz Keller öffentlich erklärt. Und dass er Topspiele wie das am Samstagabend von Bayern München gegen RB Leipzig (3:3) live vor Ort schaut. Löw wäre "gut beraten, ein bisschen offensiver mit der Situation umzugehen", sagte Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Ihm sei es "im Moment beim DFB zu viel Oliver Bierhoff und zu wenig Joachim Löw", kritisierte er.

Passend dazu verteidigte der DFB-Direktor den Bundestrainer wie am vergangenen Freitag im Anschluss an eine Präsidiumssitzung. Bierhoff gab zu, dass er im Falle einer Löw-Entlassung nicht völlig unvorbereitet gewesen wäre ("Man hört sich um, natürlich hat man immer etwas im Kopf"). Doch er hege nach wie vor keine Zweifel an Löw: "Hat der Mann noch Energie? Die hat er! Hat er eine klare Vorstellung? Ja! Jetzt geht es darum, das auch den Fans zu vermitteln."

Rückendeckung erhielt Löw, der sich im Laufe der Woche auch in Interviews äußern will, von seinem Kapitän Manuel Neuer ("Trainerteam ist hochmotiviert"), von Jürgen Klopp ("Keiner ist perfekt") - und sogar vom aussortierten Thomas Müller. Hinter der DFB-Entscheidung pro Löw "müssen alle Deutschen stehen", forderte Müller, "damit wir wieder Schwung reinkriegen in die Bude - und mit Joachim Löw kriegen wir auch wieder Schwung rein".

Bierhoff betonte, dass Löw die heiß diskutierte Frage über das Weltmeister-Trio Müller, Mats Hummels und Jerome Boateng "nicht aus Prinzip oder Sturheit" entscheide: "Da der Trainer derjenige ist, der die Konsequenzen trägt, wird er mit der Mannschaft ins Turnier gehen, mit der er am erfolgreichsten sein kann."

Ein EM-Debakel kann sich Löw nach dem historischen Vorrunden-K.o. bei der WM 2018 in Russland nicht erlauben. Aber so weit wird es nicht kommen - glaubt Klopp. "Es gibt die riesengroße Chance, dass Jogi das Ding einfach dreht: Nächstes Jahr ist Europameisterschaft. Vielleicht gewinnt er oder kommt weit", sagte der Teammanager des FC Liverpool der Welt am Sonntag.

Klopp, der mit Blick auf die Heim-EM 2024 als ein möglicher Löw-Nachfolger gehandelt wird, ist gegen einen baldigen Bundestrainer-Wechsel: "Von mir gibt es 0,0 Prozent Kritik, weil ich dazu keinen Anlass sehe."

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