Frankfurts Keeper Kevin Trapp trägt ein Trikot mit der Aufschrift "#blacklivesmatter" - wie seine Teamkollegen. Die Eintracht setzt damit ein klares Zeichen im Kampf gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. FOTO: DPA
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Frankfurts Keeper Kevin Trapp trägt ein Trikot mit der Aufschrift "#blacklivesmatter" - wie seine Teamkollegen. Die Eintracht setzt damit ein klares Zeichen im Kampf gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. FOTO: DPA

Ende der Festtage

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Pokalfinale 2017 und 2018, Europa-League-Halbfinale 2019. Die restliche Saison 2019/2020 verspricht für die Eintracht-Fans nach der 1:2-Niederlage im Halbfinale des DFB-Pokals am München in München nur noch Bundesliga- Mittelmaß. Doch für Unzufriedenheit besteht in Frankfurt nur bedingt Anlass.

Als der Coup knapp verpasst war und Eintracht Frankfurt hauchzart nicht ins Berliner DFB-Pokalfinale eingezogen ist, hat Trainer Adi Hütter schon ein wenig gehadert: "Sehr nah" sei man "an der Sensation" gewesen, haarscharf habe man es nicht geschafft, für eine der größten Überraschungen in der diesjährigen Pokalsaison zu sorgen. "Das tut weh", sagte Frankfurts Trainer nach der 1:2 (0:1)-Niederlage von Eintracht Frankfurt beim FC Bayern, "einer Klasse für sich".

Der Traum vom dritten Pokalfinaleinzug binnen vier Jahren ist den Hessen geplatzt, selbst wenn den ohnehin kaum einer seriös auf der Rechnung hatte. Dazu war die Hürde in München trotz eines sehr respektablen Abschneidens in einem im zweiten Abschnitt erstaunlich offenen, echten Pokalkampf zu hoch.

Coach Hütter haderte insbesondere deswegen mit dem nicht ganz unerwarteten Ausscheiden, weil "mehr drin gewesen wäre", denn in der Tat hatten die Hessen den Münchner Titelverteidigern eine dreiviertel Stunde "dominiert", wie Torwart und Teamsprecher Kevin Trapp später sagte. Verteidiger Martin Hinteregger, der bei den Toren der Bayern durch Ivan Perisic (14.) und Robert Lewandowski (74.) sehr unglücklich agierte, lag bei seiner Analyse der 90 Minuten nicht komplett daneben: "Wir gehen mit dem Gefühl, die Bayern an den Rand einer Niederlage bringen zu können."

Aber eben nur an den Rand. Insbesondere nach der ersten Halbzeit, in der die Hessen schon peinlich klar unterlegen waren, hat sich Frankfurt in diesem eigentlich ungleichen Halbfinale gut aus der Affäre gezogen. Der Auftritt in der zweiten Hälfte war richtig stark, couragiert, da hatten die Frankfurter endlich ihr Herz in beide Hände genommen.

Erstaunlich waren die völlig unterschiedlichen Halbzeiten. "Wir haben zwei Gesichter gezeigt", sagte Hütter. In den ersten 45 Minuten war die Eintracht, die mit dem Aufdruck "black lives matter" auf der Trikotbrust ins Spiel gegangen war, ein einziger Spielball für die Bayern. Selbst mit einem 0:3 oder 0:4 zur Pause statt eines 0:1 wären die Gäste noch gut bedient gewesen. Die Eintracht agierte ängstlich, schüchtern, fehlerhaft, wirkte wie das Kaninchen vor der Schlange. Das Beste war zu diesem Zeitpunkt das Ergebnis. "Wir haben das Spiel in der ersten Halbzeit verloren", so Hütter, "das ist ärgerlich."

Doch dann kommt die Halbzeitpause, in der Trainer Hütter offenbar die richtigen Worte gefunden hat. Und auf einmal standen da keine elf geprügelten Hunde mehr auf dem Rasen, sondern Männer, die sich auflehnen gegen ein drohendes Debakel, die plötzlich Mut fanden. Und weil Frankfurt mindestens einen Gang hochschaltete - und die Bayern einen herunter - entwickelte sich so etwas wie ein Pokalfight - und die Bayern zeigten Schwächen. "Unsauber" habe man gespielt, "geschlaucht" habe man sich gefühlt, sagte Thomas Müller, "summa summarum war es mit eines der pomadigsten Halbfinals, die ich in Erinnerung habe". Und hätten die Hessen die Partie nach dem verdienten 1:1 (69.) durch den eingewechselten Danny da Costa nur ein wenig länger offen gehalten, womöglich hätte sie Wirklichkeit werden können, die Sensation, von der Hütter gesprochen hatte. Doch Lewandowski zerstörte mit dem 2:1 nach (richtiger) Entscheidung durch den Videoassistenten - der Linienrichter hatte zunächst auf Abseits entschieden - alle Träume.

Die 45 Minuten von Fröttmaning sollten für die restlichen Spiele Mut geben, findet Trapp. "Darauf können wir aufbauen. Jetzt kommen Mannschaften auf Augenhöhe, unser Ziel muss sein, diese vier Spiele zu gewinnen." Zu Beginn am Samstag, 15.30 Uhr, bei Hertha BSC.

München: Neuer - Pavard, Jerome Boateng, Alaba, Davies - Kimmich, Goretzka (86. Martinez) - Thomas Müller - Coman (61. Thiago), Lewandowski, Perisic (62. Hernandez).

Frankfurt: Trapp - Abraham, Hinteregger, Ndicka - Ilsanker (77. Torro) - Toure (66. da Costa), Chandler, Kohr (77. Dost), Rode - Gacinovic (66. Kamada) - Silva.

Im Stenogramm: Schiedsrichter: Marco Fritz (Korb). - Tore: 1:0 Perisic (14.), 1:1 da Costa (69.), 2:1 Lewandowski (74., nach Videobeweis). - Beste Spieler: Müller, Goretzka, Alaba - Trapp. - Gelbe Karten: Perisic, Hernandez - Silva, Hinteregger (3).

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