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Emotionen kochen hoch

Borussia Dortmund fühlt sich betrogen, Bayern München feiert: Das wilde Gipfel-Spektakel der Bundesliga hat ein emotionales Nachspiel.

Das hochexplosive Nachspiel war noch aufregender als 100 Minuten wildes Gipfel-Spektakel. Borussia Dortmund fühlt sich nach einer ganz bitteren Pleite von Felix Zwayer betrogen - und Jude Bellingham übertrat mit einem Donnerschlag Grenzen. »Man gibt einem Schiedsrichter, der schon mal Spiele verschoben hat, das größte Spiel in Deutschland. Was erwartest du?«, schimpfte der BVB-Jungprofi beim norwegischen Sender Viaplay Fotball. Das saß, und es wird gewiss Konsequenzen haben.

Das 2:3 (1:2) im turbulent-faszinierenden Spitzenspiel gegen Bayern München, ein »großer Skandal«, wie Erling Haaland motzte, war für den BVB ein Schlag in die Magengrube. Und anscheinend war es Grund genug, an den größten Schiedsrichter-Eklat der Ligageschichte zu erinnern: 2004 hatte Zwayer den Akten zufolge als Assistent Geld vom Drahtzieher Robert Hoyzer angenommen. Später deckte er den Skandal mit auf, eine Manipulation wurde ihm trotz Sperre nie nachgewiesen.

BVB-Trainer Marco Rose kommentierte die spielentscheidenden Szenen des Berliner Referees gehässig. »Herr Zwayer kann ruhig noch ein paar mal den BVB pfeifen, wir sind hier und bereiten uns vor«, ätzte er. »Er kann uns gerne weiter Stöcke und Steine in den Weg werfen.« Der Trainer hatte sich dermaßen aufgeregt, dass sein Assistent Rene Maric ihn nahm und wegtrug. Dennoch sah Rose Gelb-Rot.

Die Aufregung verstellte den Blick darauf, welch höchst unterhaltsames Festival von Toren, Chancen und groben Fehlern beide Mannschaften vor pandemiebedingt nur 15 000 Zuschauern geboten hatten. »So ein geiles Spiel habe ich schon lange nicht mehr gesehen - und jetzt geht es wieder nur um den VAR«, seufzte Sky-Experte Lothar Matthäus.

Im Mittelpunkt: Felix Zwayer. Der entschied bei einem Rempler von Lucas Hernandez gegen Marco Reus auf »herkömmlichen Zweikampf«, wie er erklärte. Die Bilder sah er sich nicht an - anders als eine Viertelstunde vor Schluss. Mats Hummels war mit geschlossenen Augen und abgespreiztem Arm in eine Flanke gestolpert, Zwayer hielt Rücksprache mit Köln, ging zum Bildschirm und gab Elfmeter. Robert Lewandowski verwandelte zum Sieg. »Der Ball ist deutlich mit dem Ellbogen geklärt, das ist mit Strafstoß zu bewerten«, sagte Zwayer.

Für sich genommen waren beide Entscheidungen strittig, aber okay. Den BVB erzürnte, dass beide im Sinne des FC Bayern getroffen wurden - ein Spiel wie gemalt für die Diskussion über den Bayern-Bonus. »Oh Gott, oh yes«, rief Reus, als er die Rempelszene im Fernsehen sah, »das muss er sich zumindest anschauen.« Tat er aber in einem »unfassbar wilden Spiel« (Reus) nicht.

Für die Wut des BVB zeigte selbst der Gegner Verständnis. »Den von Hernandez kannst du natürlich auch geben«, sagte Thomas Müller, »ich kann den Ärger und Frust verstehen.« Trainer Julian Nagelsmann gab nach dem siebten Bayern-Triumph gegen den BVB in Serie zu: »Wenn ich nicht der Sieger wäre, würde ich jetzt auch diskutieren.«

Am längsten diskutierte Pechvogel Mats Hummels. Noch Minuten nach dem Abpfiff stand er bei Zwayer und ahmte verzweifelt seine Armbewegung nach. Vor dem ersten Gegentor durch Lewandowski (9.) hatte er Müller angeschossen und das entscheidende Duell verloren, vor dem zweiten durch Kingsley Coman (44.) schoss ihm Raphael Guerreiro den Ball in den Unterleib.

Dann verursachte Hummels den Elfmeter. Lewandowski verwandelte unter höhnischen »Messi, Messi«-Rufen, die auf die Pleite des Polen bei der Ballon-d’Or-Vergabe anspielten. »Das sind Winner-Aktionen. Er hat auch dem Stadion ein bisschen was zurückgezahlt«, lobte Nagelsmann: »Das hat ihn angestachelt.«

Nüchtern gesehen liegt der deutsche Rekordmeister nach 14 Bundesliga-Spielen vier Punkte vor seinem Verfolger. Die Saison ist lang, aber ein Fingerzeig für eine zehnte Bayern-Meisterschaft in Serie war dieser Sieg es schon. »Es ist nichts entschieden«, sagte Nagelsmann, »aber das waren Big Points.«

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