Eintracht-Schlussmann Kevin Trapp wird in Leverkusen von seinen Vorderleuten im Stich gelassen. FOTO: DPA
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Eintracht-Schlussmann Kevin Trapp wird in Leverkusen von seinen Vorderleuten im Stich gelassen. FOTO: DPA

Eintracht aus dem Takt

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(dpa). Irgendwo zwischen dem Euro-Rausch und den Pokal-Partys hat Adi Hütter seine Spieler zur Konzentration auf das Wesentliche ermahnt. Doch offenbar ist er nicht durchgedrungen. "Vor ein paar Tagen habe ich gewarnt, dass die Bundesliga sehr wichtig ist für uns", sagte der Trainer von Eintracht Frankfurt mit grimmigem Gesicht.

Sein Team hatte gerade ein ernüchterndes 0:4 (0:2) bei Bayer Leverkusen kassiert. Und rauscht langsam aber sicher in die Abstiegszone. Er sei "sauer" auf die Leistung, gestand der Österreicher, der erkannt hat: Die Lage in der Liga ist bedrohlicher als sie auf den ersten Blick scheinen mag. "Sorgen mache ich mir noch keine", sagte Hütter: "Aber wir sind in einem sehr gefährlichen Bereich. Und es ist nicht leicht, auf drei Hochzeiten zu tanzen." Offenbar sind die Hessen bei diesem Tanz aus dem Takt geraten.

Im Vorjahr verschenkte die Eintracht durch ihre märchenhafte Reise durch die Europa League im Saison-Endspurt völlig ausgelaugt die mögliche Champions-League-Teilnahme. Diesmal ist sie erstmals in ihrer Vereinsgeschichte im März noch im nationalen Pokal und im Europacup vertreten. Vielleicht haben sich dabei die Prioritäten ein wenig verschoben.

"Wir müssen ganz schnell Abstand nach unten schaffen", sagte Abwehrspieler Almamy Touré deshalb nun: "Und das schaffen wir nur, wenn wir auch auswärts punkten." Doch das gelingt keiner Mannschaft so schlecht wie der Eintracht: Mit nur sieben Punkten aus zwölf Spielen ist sie Letzter der Auswärtstabelle.

"Auswärts ist es wie verhext", meinte Mittelfeldspieler Sebastian Rode: "Da kriegen wir einfach kein Bein auf den Boden." Abwehr-Kante Martin Hinteregger vermutet inzwischen ein Kopfproblem. "Wir gehen ins Spiel rein und haben im Hinterkopf: "Schon wieder auswärts. Wir würden gern daheim spielen", sagte er: "Wir müssen mal den Turnaround schaffen, sonst kommen wir noch richtig hinten rein."

Auffallend war am Samstag: Die Frankfurter Eintracht hat nicht nur sechs Spiele mehr absolviert als die auch schon hoch belasteten Leverkusener. Sie hat auch deutlich weniger Breite im Kader. Während Trainer Hütter zwischen dem erfolgreichen Pokal-Viertelfinale gegen Bremen (2:0) und dem Achtelfinal-Hinspiel in der Europa League am kommenden Donnerstag gegen Basel dreimal wechselte, tauschte sein Kollege Peter Bosz nach dem Pokal-Spiel gegen Union Berlin (3:1) gleich sechsmal. Und brachte mal eben Paulinho (19), der bei seinem Startelf-Debüt in der Bundesliga zweimal traf und ein Tor vorbereitete.

Nach seinen Treffern verneigte sich Paulinho vor der Leverkusener Kurve. Auf die Frage, was dies zu bedeuten hatte, antwortete er: "Ich wollte mich einfach mal vorstellen. Einige kennen mich vielleicht noch nicht so gut." Seit Samstag kennt ihn die Bundesliga. Und vor allem die Frankfurter.

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