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Eintracht muckt auf

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Explosion der Gefühle: Die Eintracht bejubelt wenige Augenblicke vor Ende der Verlängerung den Treffer zum 1:1 von Martin Hinteregger, der von seinen Kollegen fast erdrückt wird. F.: IMAGO © Imago Sportfotodienst GmbH

Ein Highlight jagt das nächste: Kaum hat Eintracht Frankfurt die emotionale Achterbahnfahrt beim dramatischen Viertelfinaleinzug überstanden, beschert die Auslosung der SGE den FC Barcelona - einen der ruhmreichsten Fußballklubs der Welt.

Am Tag nach dem unkontrollierten Ausbruch der Gefühle herrschte Business as usual im Frankfurter Stadtwald. Erst mal zumindest. Keine Spuren mehr von Ekstase und freigesetzten Glückshormonen, die erwachsene Menschen wie kleine Kinder umhertollen ließen, ein ganzes Fußball-Stadion beinahe zum Wanken gebracht hatten und einen total »geflashten« Oliver Glasner zurückließen. Der Eintracht-Trainer konnte sich am späten Donnerstagabend gar nicht ausmalen, wie es in diesem Tollhaus zugehen würde, wenn nicht nur 25 000 Fans, sondern die doppelte Menge zugegen gewesen wäre. »Ich habe diese Stimmung hier jetzt einmal erlebt«, sagte er zu dem, was er zuvor nur vom Hörensagen kannte, nun aber auf und unter der Haut erlebt hat. »Wir lechzen nach einem vollen Haus.«

Selbst der erfahrene Torwart Kevin Trapp suchte nach diesem an Dramatik kaum zu überbietenden Einzug ins Viertelfinale der Europa League nach Worten. »Das war von den Emotionen her in den Topfive. Einfach unfassbar, das kannst du nicht übertreffen«, sagte der Keeper. »Alle drehen durch, das ganze Stadion will aufs Feld rennen und sich gegenseitig umarmen. Das ist Fußball, dafür spielen wir Fußball.«

Am Tag nach dem 1:1 sitzen Coach Glasner und Sportvorstand Markus Krösche auf dem Podium im kargen PK-Raum und versuchen, das Erlebte und Bevorstehende einigermaßen nüchtern einzuordnen. Das ist nicht so leicht. Die Auslosung der Viertelfinalspiele beschert der Eintracht am Freitag nämlich den renommiertesten, aber auch mit Abstand schwersten Gegner im Topf: den ruhmreichen FC Barcelona. Ein Hammerlos. »Das ist ein anspruchsvoller Topgegner«, untertreibt Manager Krösche, der aber nicht so wirkt, als wolle er schon vorab die weiße Fahne hissen und das große Duell als netten Reputationsfaktor nutzen. Im Gegenteil: »Unser Anspruch und unser Ziel bleibt ganz klar das Halbfinale.« Die kleine Eintracht muckt auf, sie macht sich groß. Camp Nou soll nicht die Endstation der Reise sein. Nur ein frommer Wunsch? Realitätsferne?

Kraftakt als Mutmacher

Nein. Findet auch Glasner, der zwar von einem der »größten und schillerndsten Namen im europäischen Fußball« spricht, seine Mannschaft in der Außenseiterrolle wähnt, aber sich reelle Chancen ausrechnet, den 26-fachen Meister auszuschalten. »Wer gegen den Fünften der spanischen Liga weiterkommt, kann das auch gegen den Dritten schaffen«, sagt der 47-Jährige. Die Eintracht tritt am 7. April zu Hause an, eine Woche später geht es ins Camp Nou - beide Spiele beginnen jeweils um 21 Uhr..

Glasner stimmte seine Mannschaft schon am Freitag auf den Kracher ein. Als sich im Besprechungsraum nach dem Barcelona-Los das Raunen gelegt hatte, ermahnte der Trainer die Spieler, sie mögen sich doch bitte noch anschauen, wer der mögliche Gegner im Halbfinale sein könnte, nämlich West Ham United oder Olympique Lyon. »Ich habe ihnen gesagt: Mit Barcelona ist es nicht vorbei. Es geht mir darum, dass wir nicht in Ehrfurcht erstarren.« Die Eintracht wird gegen Barcelona zwei Sahnetage erwischen müssen, wenn sie die Chance am Leben erhalten will, wie vor drei Jahren auf ihrer mitreißenden Reise ins Halbfinale einzuziehen. Dieser Kraftakt vom Donnerstagabend dient als Mutmacher.

Es war eine pure Willensleistung, wie Martin Hinteregger sich in der Nachspielzeit der Verlängerung in den Freistoß von Filip Kostic warf und den Ball mithilfe von Betis-Verteidiger Guido Rodriguez im Tor unterbrachte. Es gab wohl keinen im Stadion, der sich nicht für den lange in einem Formtief steckenden Verteidiger freute. Die Eintracht musste leiden für die nächste Runde, das 0:1 in der letzten Minute der regulären Spielzeit war ein Tiefschlag, von dem sich die Mannschaft erst einmal erholen muss. »In der 90. Minute bricht die Fußballwelt zusammen«, beschreibt es der Trainer, der mit seinem Team das Hinspiel 2:1 gewonnen hatte. »Und nach 120 Minuten strahlt sie dann rosarot.« Nun gilt es für die Eintracht erst einmal, den Alltag zu bewältigen, am Sonntag (15.30 Uhr/DAZN) geht es zu RB Leipzig. Glasner sagt: »Wir fahren da hin, um zu gewinnen.« Wie nach Barcelona, Mitte April.

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