DFB-POKAL

Eintracht krasser Außerseiter

  • vonred Redaktion
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(dur). Der zuletzt so famos aufspielende Modellathlet Leon Goretzka hat nun aus gegebenem Anlass in einem kurzen "Sportschau"-Interview eindringlich vor dem Kontrahenten im DFB-Pokalhalbfinale am Mittwoch in München (20.45/ARD) gewarnt. Wenn man sich die Pokal-Historie von Eintracht Frankfurt anschaue, hob der herausragende Mittelfeldspieler der Bayern hervor, könne jeder erkennen, dass "das nicht mehr Glück ist, es hat seine Gründe, warum die jedes Mal bis ins Halbfinale oder Finale kommen, das Ding sogar einmal gewonnen haben". Die Hessen, glaubt der Nationalspieler, werden "heiß" sein, den Münchner Bayern einen harten Kampf zu liefern. "Wir werden bereit sein müssen." Nun ja.

Was soll er auch anderes sagen, der Bochumer Junge im Bayern-Dress? Dass man die Eintracht locker-flockig aus dem Stadion schießen werde und sie sich eigentlich den Weg nach Fröttmaning sparen könnte? Das ist zwar das, was mindestens 90 Prozent der Menschen denken und auch sagen dürfen, aber nur, wenn sie weder hüben wie drüben in der Verantwortung stehen oder mittelbar etwas mit dem Spiel zu tun haben. Die Protagonisten müssen schön den Ball flachhalten, das hat etwas mit Respekt und Sportsgeist zu tun. Die Rollen, darüber gibt es dennoch keine zwei Meinungen, sind klar verteilt, die Eintracht ist der Zwerg, der zum Riesen aufschaut, der Underdog, der zuletzt vor 20 Jahren in München gewinnen konnte. 2:1, Tore von Alex Schur und Jan-Aage Fjörtoft, bei der Eintracht spielten Serge Branco, Markus Lösch, Gerd Wimmer oder Thomas Reichenberger, bei den Bayern Oliver Kahn, Stefan Effenberg oder Giovane Elber. Lange her. Seitdem setzte es 14 Niederlagen und ein böse ermauertes 0:0. Sehr viel ungleicher geht es kaum, sehr viel aussichtsloser wohl auch nicht.

Und doch versuchen sie im Frankfurter Lager jetzt irgendwie, in den Pokal-Modus zu finden, der die Hessen in den vergangenen vier Jahren dreimal ins Halbfinale, zweimal ins Finale und einmal zum Titel trug - gegen die Übermacht aus Bayern, 3:1, ein monumentales Ereignis für die Geschichtsbücher. Sportvorstand Fredi Bobic hat bei Sky eigens aus diesem Anlass das Erreichte hervorgehoben, drei Halbfinals in vier Spielzeiten, "das schaffen andere in 20 Jahren nicht", und natürlich rechne man sich in München etwas aus. "Die Spiele müssen erst mal gespielt werden."

Das ist alles in allem eine vage Hoffnung, zumal ja auch noch Filip Kostic rotgesperrt ausfallen wird und sich im Zuge der Geisterspiele herauskristallisiert hat, dass fast immer die Mannschaft die Spiele gewinnt, die über mehr individuelle Qualität verfügt. Klare Sache also.

Zumal auch die Rahmenbedingungen merkwürdig sind, denn natürlich gelten alle Bundesligabeschränkungen auch im Pokal, also keine Zuschauer, keine Atmosphäre, kein Flair. Der Pokal ist durch Corona ein Stück weit entwertet worden, hat seine magische Anziehung verloren, auch das Fernziel Berlin, das für die Halbfinalisten ja nicht mehr so fern ist, hat seinen ganz großen Reiz verloren. Es ist ja gerade die Stimmung in der Stadt und rund ums Stadion, die das Finale zu einem zweitägigen Event mit Erlebnischarakter werden lässt. Manch einer fürchtet gar, dass der Stempel Corona-Pokalsieger eher ein Makel ist. Das muss man nicht teilen. Aber klar ist, dass der Pokal in diesem Jahr tatsächlich seine eigenen Gesetze hat. Das große Kribbeln, das Prickelnde und Pulsierende bleibt aus.

Halbfinale

1. FC Saarbrücken - Bayer Leverkusen Dienstag/20.45 Uhr

Bayern München - Eintracht Frankfurt Mittwoch/20.45 Uhr

Finale

Sieger HF 1 - Sieger HF 2 4. Juli in Berlin

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