Positiv getestet: Skispringer Gregor Schlierenzauer (oben) und Skiläuferin Chiara Mair (unten, l.). Kurzzeitig in Quarantäne: Tour-de-Ski-Siegerin Therese Johaug. FOTOS: AFP/DPA 2
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Positiv getestet: Skispringer Gregor Schlierenzauer (oben) und Skiläuferin Chiara Mair (unten, l.). Kurzzeitig in Quarantäne: Tour-de-Ski-Siegerin Therese Johaug. FOTOS: AFP/DPA 2

Einschläge rücken näher

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Am Wochenende startet der Winter erstmals mit vollem Programm durch - und sogleich droht Chaos: Corona macht auch vor der Prominenz auf Skiern nicht halt.

Österreichs Skisprungstars um Gregor Schlierenzauer gehen in Quarantäne statt an den Start, Norwegens Skilangläufer wanderten nach einem "falsch positiven" Test kurzzeitig geschlossen in Isolation, und auch bei den Biathleten sowie im Alpin-Skizirkus sorgt das Virus für viel Wirbel. Die Saison hat kaum richtig begonnen, schon steckt der Wintersport fest im Corona-Würgegriff. Am ersten Wochenende im Vollbetrieb drohen chaotische Zustände.

"Es wäre naiv zu glauben, dass der ganze Wintersport und auch der deutsche Sport ohne positiven Test durch den Winter kommen", sagte Stefan Schwarzbach, Vorstand Kommunikation im Deutschen Skiverband (DSV): "Dass das kein normaler Winter werden wird, wiederholen wir seit Monaten wie eine tibetanische Gebetsmühle."

Der DSV und seine Athleten, die in Sachen Hygiene und Tests einen großen Aufwand betreiben, mussten bislang noch keinen prominenten Coronafall verkraften. "Bislang ist alles ruhig", sagt Schwarzbach. Doch die Einschläge kommen bedrohlich nahe.

Beispiel Skispringen: Da wurden nach dem Weltcup-Auftakt im polnischen Wisla am vergangenen Wochenende Österreichs Weltcup-Rekordsieger Schlierenzauer, Teamkollege Philipp Aschenwald und Trainer Andreas Widhölzl positiv getestet - "trotz Einhaltung aller Sicherheitsmaßnahmen", wie sich der ÖSV mitzuteilen beeilte.

Auch der Russe Michail Maximotschkin war in Wisla positiv. Österreicher wie Russen gingen in Quarantäne, sie fehlen bei der zweiten Station in Kuusamo. Allerdings hängen gerade die Skispringer in den stickigen Sprungtürmen mehr oder weniger aufeinander - eine Ketteninfektion bleibt ein sehr mögliches Szenario.

Beispiel Ski alpin: Auch hier hat es Österreich erwischt. Vor dem Parallel-Riesenslalom in Lech/Zürs musste die positiv getestete Chiara Mair "unverzüglich in Quarantäne", zuvor hatte sich bereits Teamkollege Marco Schwarz infiziert. Auf den Rest des Teams hatte dies keine Auswirkungen. Undenkbar allerdings, dass beide keinen Kontakt zu anderem ÖSV-Personal hatten - konsequent geht anders.

Beispiel Biathlon: Zwei Tage vor dem Saisonstart in Kontiolahti teilte der Weltverband FIS mit, dass Mitglieder der Teams aus Russland, Frankreich, Rumänien, Moldau und Lettland positiv getestet und isoliert wurden. Über weitere Konsequenzen müssen die finnischen Gesundheitsbehörden entscheiden.

Beispiel Skilanglauf: Einen Tag vor dem ersten Weltcuprennen in Kuusamo musste sich das gesamte Team der Topnation Norwegen in Quarantäne begeben, nachdem Männertrainer Eirik Myhr Nossum vor Ort positiv auf Corona getestet worden war. Ein zweiter Test kehrte das Ergebnis zwar um, die Olympiasieger Therese Johaug und Johannes Hösflot Klaebo wurden entisoliert - eine vernünftige Wettkampfvorbereitung war damit aber nicht möglich.

"Norwegen ist das Herz des Langlaufsports. Es wäre nicht schön, ohne sie zu starten", sagte Pierre Mignerey, Langlaufchef des Weltverbandes FIS, dem dieses Szenario vorerst knapp erspart blieb.

Die FIS hatte sich zuvor warme Worte des deutschen Langlauf-Bundestrainers Peter Schlickenrieder gefallen lassen müssen. Grund für die Kritik: Die ersten sechs Stationen liegen in fünf verschiedenen Ländern - ein völlig vermeidbares Reiserisiko in Pandemiezeiten.

"Man hat sehr lange diskutiert. Darüber, dass man die Weltcup-Orte zusammenlegt, nachhaltiger zu denken, Risiken verringern. Jetzt fliegen wir hin und her, von Schweden nach Finnland nach Schweden. Das hätte man vermeiden können", sagte Schlickenrieder und verwies auf das Vorbild Biathlon, wo der Kalender entschlackt wurde, die drei Veranstalter bis Jahresende jeweils zwei Weltcups in Folge ausrichten.

"Durchwursteln", so nannte Schlickenrieder die Vorgehensweise der FIS. Nach "Durchwursteln" klingt auch die bisherige Vorgehensweise der Wintersport-Sparten in der Corona-Saison. Ob dieses, na ja: "Konzept" bis zu den großen Höhepunkten spät im Winter - der alpinen Weltmeisterschaft in Cortina (ab 9. Februar), der Biathlon-WM in Pokljuka (ab 10. Februar) und der nordischen Weltmeisterschaft in Oberstdorf (ab 23. Februar) - Erfolg hat, darf bezweifelt werden.

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