Für Tour-Chef Christian Prudhomme ist eine Rundfahrt ohne Zuschauer unvorstellbar. ARCHIVFOTO: DPA
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Für Tour-Chef Christian Prudhomme ist eine Rundfahrt ohne Zuschauer unvorstellbar. ARCHIVFOTO: DPA

Einige Nummern kleiner

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Die Infektionszahlen steigen seit Wochen wieder, und trotzdem soll die Tour de France durchs Land rollen - mit Zuschauern! Dafür sind strikte Regeln nötig. Der Sport zum Anfassen schottet sich ab. Es wird viel getestet, und eine Maske gehört in jede Tasche.

Ob Schützenfeste, Rockkonzerte oder wohl auch bald der Karneval - gegen das Coronavirus ist kein Volksfest immun. Die Pandemie hat nahezu alle Massenveranstaltungen weltweit zum Erliegen gebracht. Alle? Nicht ganz, ab Samstag soll in Frankreich tatsächlich die 107. Tour de France in Nizza losrollen. Zwar mit zweimonatiger Verspätung und mit vielen Einschränkungen, aber trotzdem mit Zuschauern. Die Tour ist schließlich ein französisches Nationalheiligtum und gehört in der Grande Nation zum Sommer wie der Wein zum Essen.

"Diese Tour wird ein Symbol der Wiedergeburt und des wirtschaftlichen Aufschwungs sein", verspricht Tour-Chef Christian Prudhomme mit staatstragenden Worten. Diese Auflage werde in der langen Geschichte der Tour eine herausragende Rolle spielen und einen beispiellosen Wiedererkennungswert haben. Und damit angesichts wieder ansteigender Infektionszahlen - zuletzt gab es in Frankreich täglich mehr als 4000 positiv getestete Personen - nichts mehr dazwischenkommt, wählt Prudhomme eindringliche Worte an die Radsport-Fans an der Strecke. "Tragt Masken! Für die Zuschauer muss klar sein: Ich liebe das Rad, ich liebe die Tour, und der gesunde Menschenverstand sagt mir, dass ich eine Maske tragen muss."

Zehn bis zwölf Millionen Fans zieht die Rundfahrt während der drei Wochen jedes Jahr in ihren Bann. Diesmal wird alles kleiner sein. Wo im vorigen Jahr bei der Teampräsentation in Brüssel 75 000 Fans die Fahrer und vor allem Rad-Legende Eddy Merckx feierten, werden in diesem Jahr nur noch maximal 1750 Gäste zugelassen. Alle mit Maske, denn das ist seit letzter Woche in der Hauptstadt der Côté d’Azur auch im Freien Pflicht - ähnlich wie in anderen Städten. Aber die Fans ganz auszusperren, kommt nicht infrage. "Eine Tour hinter verschlossenen Türen macht keinen Sinn", sagt Prudhomme.

Entsprechend wird es auf den 21 Etappen bis Paris ablaufen. Im Start- und Zielbereich sind maximal 5000 Zuschauer vorgesehen, der Zugang zu den Bergen soll stark eingeschränkt werden, und auch sonst wird der gewaltige Tross (Fahrer, Offizielle, Journalisten, Sponsoren) von 5000 auf 3000 Personen verkleinert. Die Werbekarawane, die täglich als Vorauskommando zig Millionen Artikel unter das Volk bringt, soll nur noch halb so lang sein. Und trotzdem: The Show must go on.

Damit alles funktioniert, sieht das Konzept strikte Regeln vor. Die Fahrer werden dreieinhalb Wochen in ihrer eigenen Blase unterwegs sein. Eine zweite Blase umfasst die Entourage, und der dritte Bereich stellt die Öffentlichkeit dar. Diese sogenannten Bubbles sollen nicht miteinander in Kontakt treten. So sieht es der Plan vor. Und natürlich wird auf Corona getestet. Zweimal vor der Tour sowie an den beiden Ruhetagen werden sich die Fahrer einem SARS-CoV-2-Test unterziehen. Wo einst - und auch immer noch - die Dopingfahnder an den Ruhetagen oft für unliebsame Überraschungen sorgten, könnten nun die Corona-Tests für plötzliche Ausschlüsse im Peloton sorgen. Zwei positive Tests innerhalb eines Teams - neben den acht Fahrern gehört auch der rund 20-köpfige Betreuerstab dazu - sollen zum Ausschluss der ganzen Mannschaft führen. Salopp gesagt: Sind der Busfahrer und der Masseur positiv, ist der Tour-Traum beendet.

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