Das gewohnte Bild: Die Spieler des FC Bayern München jubeln, den Ligagipfel in Dortmund gewinnt der Triple-Sieger am Samstag mit 3:2. FOTO: DPA
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Das gewohnte Bild: Die Spieler des FC Bayern München jubeln, den Ligagipfel in Dortmund gewinnt der Triple-Sieger am Samstag mit 3:2. FOTO: DPA

Einen Tick kaltschnäuziger

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Der FC Bayern hat den Angriff des Dauerrivalen aus Dortmund auf seine Alleinherrschaft in souveräner Manier abgewehrt - wieder einmal. Euphorie kam diesmal allerdings nicht auf. Schließlich droht der lange Ausfall eines Führungsspielers.

Hansi Flick zollte seinen Seriensiegern fast demütig Respekt. Mit einer Verneigung vor Thomas Müller brachte der Coach des FC Bayern nach dem 3:2 (1:1) im furiosen Geistergipfel bei Borussia Dortmund seine Bewunderung zum Ausdruck. Weder die tiefe Sorge um den verletzten Leitwolf Joshua Kimmich noch der zwischenzeitliche Rückstand brachte den Triple-Sieger aus München vom Erfolgskurs ab. "Das galt der gesamten Mannschaft", kommentierte Flick seine ungewohnte Geste, "sie hat eine herausragende Mentalität. Deshalb stehen wir da, wo wir stehen".

Thomas Meunier bot dagegen ein Bild des Jammers. Noch Minuten nach dem 2:3 lag der abgekämpfte Dortmunder Neuzugang regungslos auf dem Rasen und verweigerte sogar den ersten Trost eines Betreuers. Die neuerliche Niederlage gegen den Dauerrivalen aus München machte auch seinen Mitspielern sichtlich zu schaffen. Doch bei allem Frust sah Abwehrspieler Manuel Akanji keinen Grund zur vorzeitigen Kapitulation seiner Borussia im Bundesliga-Titelkampf: "Wir haben gesehen, dass wir mithalten können. Das kann man positiv mitnehmen. Es ist ja erst der siebte Spieltag."

Siege über den ärgsten Verfolger aus dem Revier sind für die Bayern in den vergangenen Jahren schon fast zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Doch die Freude über den jüngsten Coup wurde durch den Ausfall von Joshua Kimmich getrübt. Bei einem Foulspiel an BVB-Stürmer Erling Haaland zog sich der 25 Jahre alte Nationalspieler möglicherweise eine schwere Knieblessur zu.

Valide Erkenntnisse über die Verletzung sollten erst genauere medizinische Untersuchungen in München ergeben - bis zum Sonntagnachmittag waren aber keine Ergebnisse veröffentlicht.

Auch der ehemalige Münchner und heutige BVB-Abwehrchef Mats Hummels brachte seine Sorge um den Nationalspieler zum Ausdruck: "Josh ist ein toller Fußballer, ein klasse Typ - und ich hoffe, dass er da gut herauskommt."

Auch ohne den bereits in der 36. Minute ausgewechselten Kimmich schlug der Rekordmeister nach dem 0:1 von BVB-Kapitän Marco Reus (45. Minute) eiskalt zurück. Treffer von David Alaba (45.+4), Robert Lewandowski (48.) und Leroy Sané (80.) verhalfen zum zehnten Pflichtspielsieg in Serie und zum Ausbau der Tabellenführung. "Wir haben das Spiel verdient gewonnen, weil wir zum richtigen Zeitpunkt einen Schritt schneller und auch etwas abgezockter waren", befand Leon Goretzka, "diese Spiele sind doppelt wichtig".

Dennoch hätten sich alle Borussen dieses Déjà-vu liebend gern erspart. Zum wiederholten Mal mussten sie im Kräftemessen der Branchenriesen einen Knockout verkraften. Doch im Gegensatz zu den letzten, zum Teil deutlichen Niederlagen in München müssen die BVB-Profis diesmal keine unliebsame Debatte über fehlende Mentalität erdulden.

Abzuwarten bleibt, ob trotz des couragierten Auftritts nicht wieder die Diskussionen über Trainer Lucien Favre lauter werden. Schließlich dürften sich die Dauerkritiker von Favre in ihrer Meinung bestätigt fühlen, dass man mit einem solch bedächtigen Fußball-Lehrer keine großen Spiele gewinnt. Das Urteil des Schweizers fiel gewohnt unaufgeregt aus: "Ich bin als Trainer enttäuscht über die Niederlage. Aber wir haben Fußball gespielt."

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