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Die Benteler-Arena des SC Paderborn lässt in diesem Zustand kein reguläres Spiel zu.

Eine kritische Situation

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(sid). Marco Reus und Co. tobten wild bei einer kleinen Schneeballschlacht, Sami Khedira und seine Teamkollegen jagten dem Ball laut kreischend auf einer dicken Schneedecke hinterher: Die Bundesliga-Profis genossen bislang die schönen Seiten des Wintereinbruchs. Doch die eisige Kälte und der Schnee stellen den deutschen Profifußball vor dem kommenden Spieltag auch vor Probleme und Herausforderungen.

Insbesondere gesundheitliche Faktoren rücken bei teils zweistelligen Minustemperaturen in den Fokus. »Das ist für den Körper und die Lunge eine Belastung und schwächt auch das Immunsystem«, sagte Sportmedizinier Wilhelm Bloch: »Da muss man fragen: Wie geht man mit solch wertvollen Spielern um?« Zudem steige die muskuläre Verletzungsgefahr, »wenn die Muskulatur die Betriebstemperatur verliert«.

So wartet auf Julian Nagelsmann in der Bundesliga-Partie zwischen RB Leipzig und dem FC Augsburg am Freitag (20.30 Uhr/DAZN) wohl ein Abend in der Kältekammer. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) sagt für die Nacht zum Samstag in Sachsen Tiefstwerte bis zu minus 19 Grad Celsius voraus.

»Das ist sicherlich kritisch«, sagte Bloch: »Das Problem ist immer die Atmung. Schwieriger wird es bei Temperaturen, die in diesen Bereich kommen.« In den Nachmittagspartien am Samstag und Sonntag wird der kritische Bereich laut Vorhersagen des DWD aber kaum erreicht. Und Temperaturen von bis zu minus zehn Grad Celsius seien für erwachsene Sportlerinnen und Sportler »weitgehend unproblematisch«, sagte Bloch.

Die Schiedsrichter sind laut DFB angehalten, »nach gesundem Menschenverstand« zu urteilen. Anders als in einigen Wintersportarten ist im Profifußball keine Temperaturgrenze vorgesehen. Eine Außentemperatur im Minusbereich sei »aus Schiedsrichtersicht noch kein alleiniges Kriterium, ein Spiel abzusagen«, teilte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) auf Anfrage mit.

Doch die Kälte und der Schnee setzen auch den Fußballplätzen zu. Neben der Erstligapartie zwischen Arminia Bielefeld und Werder Bremen fiel auch die Begegnung des SC Paderborn und dem 1. FC Heidenheim im Unterhaus am vergangenen Wochenende dem Schneechaos zum Opfer. In der 3. Liga und in der Frauen-Bundesliga wurden die Probleme noch deutlicher: Gleich mehrere Absagen aufgrund der Unbespielbarkeit der Plätze wirbeln den Spielplan durcheinander, in dieser Woche drohen angesichts der Warnungen vor strengem Frost weitere.

Nicht nur der Spielbetrieb wird beeinflusst - auch das Training ist teilweise gestört. Während Rasenheizungen auf Hochtouren laufen und etwa beim BVB freiwillige Helfer die Schneemassen vom Platz räumten, lief in Bielefeld erstmal nichts mehr. Aufgrund der dicken Schneedecke auf dem Feld ging es für die Profis der Arminia in den Kraftraum. »Die kommenden Trainingstage werden von Tag zu Tag geplant«, teilte der Klub am Mittwoch mit.

Zumindest über die Rasenverhältnisse müssen sich die Leipziger offenbar keine Sorgen machen. Der Dauerfrost mit teilweise Temperaturen von minus zehn Grad Celsius sei natürlich kontraproduktiv, sagte RB-Greenkeeper Matthias Eichner, der wohl wie so viele seiner Kollegen momentan reichlich Überstunden schieben muss: »Aber nichtsdestotrotz gehen wir davon aus, dass den drei Punkten am Freitag nichts im Wege steht.«

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