BVB wie eine gestürzte Prinzessin

  • schließen

Borussia Dortmund versucht, sich nach einem verrückten Wochenende am Patzer des FC Bayern aufzurichten. Marco Reus wird für zwei Spiele gesperrt, aber das Titelrennen bleibt spannend.

Lucien Favre hat voreilig abgeschenkt, aber sein Boss denkt nach einer fuchsteufelswilden Achterbahnfahrt durch das Fußball-Wochenende nicht mal ans Aufgeben. "Wir werden alles versuchen, die Bayern noch abzufangen", sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke am Montag kämpferisch. Da hatte der FC Bayern überraschend gepatzt, der Derby-Schock begann sich zu legen – und der BVB fasste frischen Mut. Daran änderte auch die erwartbare Zwei-Spiele-Sperre gegen Marco Reus nichts. "Drei Spieltage vor Saisonende nur zwei Punkte Vorsprung für den Spitzenreiter: Das hat es lange nicht gegeben und tut der Bundesliga sehr gut", betonte Watzke. Sportdirektor Michael Zorc nahm nach dem Bayern-Spiel beim 1. FC Nürnberg (1:1) am Sonntag erleichtert zur Kenntnis, dass "wir wieder dabei sind". Das alte Postkarten-Motto für gestürzte Prinzessinnen will sich auch der BVB nach dem Derby-Desaster gegen Schalke 04 (2:4) zu Herzen nehmen: Hinfallen, aufstehen, Krönchen zurechtrücken – und weiter geht’s. Wenn auch mit wackligen Knien.

Der Sonntag war bei diesem Vorhaben äußerst hilfreich. Fraglich ist allerdings, wie Favre seiner am Boden zerstörten Mannschaft beibringen will, dass sich das Rennen lohnen könnte. Im Frust hatte der Trainer schließlich bekannt, der Titel sei bereits "verspielt", was seine Vorgesetzten einigermaßen verwunderte. Sie pfiffen den Schweizer noch am Samstag zurück, spätestens das Bayern-Spiel gab ihnen recht.

Am Montag schauten alle beim BVB bangen Blickes nach Frankfurt. Das DFB-Sportgericht sperrte Reus für zwei Spiele. Für den Dortmunder Kapitän sprach, dass er in seinem 259. Bundesliga-Spiel erstmals Rot sah, zudem war ihm keine Absicht zu unterstellen. Reus ist damit im Gegensatz zu Marius Wolf (drei Spiele Sperre) zum Saisonfinale gegen seinen Ex-Klub Borussia Mönchengladbach am 18. Mai wieder dabei.

Bei den Bayern war die Stimmung nach dem schmeichelhaften 1:1 (0:0) beim 1. FC Nürnberg auch alles andere als gut. "Die Moral von der Geschichte: Die Situation hat sich zwar verbessert, aber wir haben einen kleinen Tritt in den Arsch bekommen, dass wir nun noch angestachelter in die nächsten Partien gehen", sagte Thomas Müller. Ansonsten gebe es nach der Fast-Blamage und einer verrückten Schlussphase "nicht viel Schlaues zu sagen, außer dass wir den Mund abputzen müssen und trotz verbesserter Situation in der Tabelle nicht zufrieden nach Hause fahren", fügte der 29-Jährige an. Auch beim Auslaufen am Montag hatte sich die Laune beim Rekordmeister nicht wesentlich verbessert. Anstatt die restlichen drei Spiele gegen Hannover am Samstag, in Leipzig (11.5.) und gegen Frankfurt (18.5.) mit vier Zählern Vorsprung auf den BVB entspannt anzugehen, herrschten bei den Bayern Ratlosigkeit und Enttäuschung. Erneut schien es, als erreiche Trainer Niko Kovac sein Team gerade gegen einen kleineren Gegner mit seinen Warnungen nicht. Den Grund für die miserable Vorstellung "möchte ich auch wissen", sagte ein verärgerter Sportdirektor Hasan Salihamidzic: "Ich kann mir das nicht erklären." In Nürnberg hatten die Münchner Glück, dass der Club durch Tim Leibold die Riesenmöglichkeit vergab, per Foulelfmeter den Favoriten zu stürzen (90.+1). Der Innenpfosten rettete die Bayern.

Kommentare