Ein Weltmeister als Völler-Partner?
(sid). Die Illusionen schob Rudi Völler gleich beim Amtsantritt energisch beiseite. Alleiniger Wunderheiler der geschundenen deutschen Fußball-Nation könne auch er beim besten Willen nicht sein. »Ich bilde mir nicht ein, dass ich fähig bin, die ganzen Strukturen beim DFB zu ändern. Da sind sicher Jüngere berufen«, betonte der neue »Wohlfühl-Manager« der Nationalmannschaft.
Womöglich gönnt sich Rudi Nationale für seine Rettermission nun weltmeisterliche Hilfe.
Laut »kicker« sind die Rio-Helden Per Mertesacker, Sami Khedira und Benedikt Höwedes Kandidaten zur Übernahme der restlichen Aufgaben von Oliver Bierhoff. Während Völler in seiner Rolle als Sportchef bis zur EM 2024 kurzfristig wieder für Erfolg und gute Stimmung sorgen soll, muss sein Partner die strukturellen Probleme des krisengeplagten Deutschen Fußball-Bundes (DFB) angehen. In den Bereichen Akademie-Management, Trainerausbildung, Nachwuchsförderung und bei den administrativen Aufgaben müssen zügig die nötigen Reformen angeschoben werden.
»Ich bin davon überzeugt, dass wir gute Lösungen finden«, hielt sich DFB-Präsident Bernd Neuendorf rund um die Inthronisierung von Völler noch bedeckt. Er sei sich »sicher, dass die Taskforce noch die eine oder andere Idee mehr hat, mit der die Gremien des DFB gestresst werden«, ergänzte Vizepräsident Hans-Jo-achim Watzke. Nach Informationen des »kicker« strebe der Verband »eine zügige Entscheidung« an, in vier Wochen solle auch der zweite Sportdirektorenposten besetzt sein.
Und die Weltmeister von 2014 sind dabei offenbar in der Poleposition. Der 38-jährige Mertesacker leitet seit Herbst 2018 die Akademie des FC Arsenal und arbeitet als ZDF-Experte. Khedira berät mit seinen 35 Jahren Vorstandschef Alexander Wehrle beim Bundesligisten VfB Stuttgart - Wehrle ist zugleich Aufsichtsratschef der DFB GmbH & Co. KG und Mitglied der internen DFB-Strukturkommission. Der 34 Jahre alte Höwedes gehört seit Sommer 2021 dem Teammanagement der Nationalmannschaft an.
Durchaus hilfreiche Vorerfahrungen bringt von den dreien also jeder mit. Der Schwerpunkt dürfte in der Anfangszeit vor allem auf der Nachwuchsausbildung am Campus liegen - denn da sieht Völler enorme Versäumnisse. »Die nächsten Jahre werden wir noch eine wunderbare Mannschaft haben, aber dann mache ich mir Sorgen«, so der 62-Jährige. In den vergangenen Jahren sei »nicht so ausgebildet« worden, dass »richtig gute Spieler entwickelt worden sind«. In der Akademie müsse deshalb »ein bisschen was verändert werden«, betonte Völler: »Bei allem innovativen Arbeiten müssen ein paar grundlegende Dinge beibehalten werden. Hin und wieder musst du auch mal nen Zweikampf gewinnen als Jugendlicher.« Auch Watzke sieht Diskussionsbedarf, ob es nicht anderer Schwerpunkte bedarf.