_1SPOHSPORT201-B_134205_4c
+
Kai Havertz zieht ab und erzielt die 2:0-Führung (Endstand 3:0) für Deutschland gegen Island.

WM-QUALIFIKATION

Ein starker Auftakt

  • VonDPA
    schließen

(dpa). Nach dem Corona-Schreck am Morgen konnte sich Joachim Löw zum Auftakt seiner letzten Mission als Bundestrainer über einen problemlosen Sieg freuen. Mit geballter Bayern-Power setzte sich das hoch überlegene DFB-Team im ersten Qualifikationsspiel zur Fußball-WM 2022 in Duisburg gegen Island mit 3:0 (2:0) durch. Der Münchner Leon Goretzka (3. Minute) und England-Legionär Kai Havertz (7.

) sorgten schnell für die Führung. Der formstarke Ilkay Gündogan (56.) legte nach der Pause mit seinem Treffer nach. Damit machte das DFB-Team nach dem jüngsten Debakel in Spanien dem Bundestrainer ein erstes kleines Geschenk - das größere soll bei der EM im Sommer folgen.

Löw musste seine Elf nach dem ersten Corona-Fall in der Nationalmannschaft noch kurzfristig umbauen. Denn neben dem Mönchengladbacher Jonas Hofmann, der positiv getestet wurde, musste auch der als Linksverteidiger vorgesehene Marcel Halstenberg in Quarantäne (siehe Extra-Bericht).

Im leeren Duisburger Stadion bekam Löw die früheste Zwei-Tore-Führung in einem Länderspiel seit dem 4:2 gegen Ecuador auf der USA-Reise im Mai 2013 serviert. Joshua Kimmich leitete mit zwei starken Pässen die beiden ersten Treffer ein. Erst hob er den Ball geschickt auf seinen Münchner Kollegen Serge Gnabry, der zu Goretzka zurückpasste. Der 26-Jährige traf in seinem 30. Länderspiel schon zum 13. Mal. Dann spielte Kimmich Leroy Sané frei, dessen Hereingabe verwertete Havertz zum 2:0. Löw hatte den 21-Jährigen vom FC Chelsea statt dessen Vereinskollegen Timo Werner in die Startelf gestellt. »Von der ersten Minute an wurde Vollgas gespielt. Das macht Spaß zuzuschauen«, lobte auch RTL-Experte Uli Hoeneß.

Kimmich, Goretzka und Gündogan - laut Hoeneß »das Prunkstück« im deutschen Team - besetzten konsequent die Räume im Mittelfeld und trieben das Spiel immer wieder an. Auf den Außenbahnen wechselten Gnabry und Sané häufig ihre Positionen und eroberten einige Bälle sofort zurück. So machte sich der Ausfall der Stammspieler Toni Kroos (Adduktoren) und Niklas Süle (Zerrung) kaum bemerkbar, auch wenn nach dem Traumstart nicht alles gelang. In vorderster Linie fehlte gegen die eng stehenden Gäste die Zielstrebigkeit. Erst gegen Ende der ersten Halbzeit kam der viermalige Weltmeister durch Kimmich (42.) und Antonio Rüdiger (43.) zu Chancen.

Zu Beginn des zweiten Durchgangs agierte der EM-Viertelfinalist von 2016 ein wenig mutiger, während die deutsche Mannschaft in den Verwaltungsmodus schaltete. Doch schließlich war es der seit Wochen überragende Gündogan, der mit einem Distanzschuss für klare Verhältnisse sorgte. Das erst 18 Jahre alte Bayern-Juwel Jamal Musiala, das zuletzt noch für Englands U21 aufgelaufen war und sich dann für das DFB-Team entschieden hatte, gab sein Nationalmannschafts-Debüt.

Deutschland: Neuer (Bayern /34/97) - Klostermann (Leipzig/24/11), Ginter (Mönchengladbach/27/36), Rüdiger (Chelsea/28/38), Can (Dortmund/27/31) - Goretzka (Bayern/26/30 - 71. Neuhaus (Mönchengladbach/24/4)), Kimmich (Bayern/26/51), Gündogan (ManCity/30/43) - Havertz (Chelsea/21/11 - 79. Musiala (Bayern/18/1)), Gnabry (Bayern/25/18 - 86. Younes (Frankfurt/27/6)), Sané (Bayern/25/26 - 79. Werner (Chelsea/25/36)).

Island: Halldórsson - Sampsted, Árnason, Ingason, Magnússon - Traustason (71. A. Sigurdsson), Pálsson (89. A. F. Skúlason), A. Gunnarsson, B. Bjarnason, Sigurjonsson (40. A. Gudmundsson) - Bödvarsson (89. Sigthorsson).

SR: Srdjan Jovanovic (Serbien). - Tore: 1:0 Goretzka (3.), 2:0 Havertz (7.), 3:0 Gündogan (56.). - Beste Spieler: Goretzka, Kimmich, Gnabry/A. Gunnarsson, B. Bjarnason.

Neuer: Die Isländer sind keine Spanier. Nach sechs Gegentoren zum Jahresabschluss 2020 verlebte der Kapitän einen gemütlichen Abend.

Klostermann: Der Leipziger drängte sich hinten rechts nicht auf. Ließ sich nicht nur von Bödvarsson vor Islands bester Chance vernaschen.

Ginter: Der Gladbacher verteidigte im Abwehrzentrum aufmerksam. Bügelte Nachlässigkeiten der Nebenleute aus. Nicht groß gefordert.

Rüdiger: Lautstarker Dirigent der Abwehr. Lenkte Sigurjonssons Schuss so eben zur Ecke ab (27.). Vergab eine große Kopfballchance (43.).

Can: Löw schätzt die Vielseitigkeit des Dortmunders in der Defensive. Half nach zwei Ausfällen diesmal links hinten aus. Gewohnt wuchtig.

Kimmich: Der Münchner demonstrierte, warum er ins Zentrum des Spiels gehört. Leitete die ersten beiden Tore mit prächtigen Pässen ein. Oft am Ball, mit großem Wirkungskreis. Verkörperte einen Chef.

Goretzka: In dieser Verfassung muss Löw den Münchner in die EM-Elf stellen. Das 13. Länderspieltor krönte seinen wuchtigen Auftritt.

Gündogan: Löw schätzt den Strategen schon lange. Mit 30 endlich körperlich stabil. Seine neue Torgefahr belegte er mit dem 3:0.

Havertz: Der 20-Jährige vom FC Chelsea bewegte sich gut in den Zwischenräumen. Das frühe Tor zum 2:0 gab ihm Auftrieb. Bot sich an.

Gnabry: Eine Augenweide war seine Vorbereitung des 1:0 von Bayern-Kollege Goretzka. Gut im Spiel, Pech beim Pfostenschuss (71.).

Sané: Ein Aktivposten in der Offensive. Klasse Pass auf Havertz beim 2:0. Zeigte mehrmals, dass er in München auch Defensivarbeit lernt.

Neuhaus: Der Gladbacher kam in der 71. Minute für Goretzka. Hängte sich rein, aber im Mittelfeld ist die Konkurrenz noch übermächtig.

Werner: Der Chelsea-Angreifer musste lange auf der Bank warten. Lauerte vergebens auf der Linksaußenposition.

Musiala: Löw spielte den 18-Jährigen mit dem Zehn-Minuten-Debüt für Deutschland fest. Der Bayern-Youngster dribbelte gleich forsch los.

Younes: Der Frankfurter kam ganz am Ende noch zu seinem DFB-Comeback nach dreieinhalb Jahren. (dpa)

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat zum Auftakt der Qualifikation für die WM 2022 im stark kritisierten Katar ein Zeichen für Menschenrechte gesetzt. Bei der Aufstellung für die Nationalhymnen trug jeder Spieler vor dem Duell mit Island in Duisburg ein schwarzes T-Shirt mit einem weißen Buchstaben - zusammen lautete die Botschaft: »HUMAN RIGHTS«.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare