Die Erfolgsaussichten von Emanuel Buchmann bei der Tour de France sind nach seinem Sturz bei der Dauphiné-Rundfahrt gesunken. FOTO: DPA
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Die Erfolgsaussichten von Emanuel Buchmann bei der Tour de France sind nach seinem Sturz bei der Dauphiné-Rundfahrt gesunken. FOTO: DPA

"Ein paar Fragezeichen"

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Sein vierter Platz bei der Tour de France im vergangenen Jahr hat bei Emanuel Buchmann Appetit auf mehr gemacht. Doch nach einem Sturz bei der Tour-Generalprobe hat sich die Ausgangslage geändert. Die Blessuren machen dem 27-Jährigen schwer zu schaffen.

Emanuel Buchmann war richtig gut in Form, ehe ihn bei der Dauphiné-Rundfahrt ein Sturz ausbremste. Die starken Prellungen haben die Vorbereitung des deutschen Radstars auf die Tour de France empfindlich gestört. Reicht es bei der Tour trotzdem für eine vordere Platzierung? Immerhin hatte der gebürtige Ravensburger mit Rang vier im Vorjahr für die beste deutsche Platzierung seit 2006 gesorgt. Im Interview spricht der deutsche Straßenmeister von 2015 vom Team Bora-hansgrohe über seine Form, die Tour-Ambitionen und die Corona-Maßnahmen.

Herr Buchmann, wie geht es Ihnen nach dem schweren Sturz bei der Dauphiné-Rundfahrt?

Es war schon besser. Ich habe immer noch Schmerzen, kann aber mittlerweile wieder trainieren - noch nicht wie ursprünglich geplant, aber immerhin. Ich habe definitiv ein paar wichtige Trainingstage verloren, habe mich dafür aber letzte Woche voll auf die Therapie konzentriert.

Wie sehr hat Sie der Sturz im Hinblick auf die Tour zurückgeworfen?

Ich muss abwarten, wie viel Energie das Ganze gekostet hat. Der Sturz ist bitter, weil ich richtig gut in Form war. Mal schauen, vielleicht geht ja alles gut aus und ich erhole mich schnell. Mein Ziel ist nach wie vor das Podium. Aber es gibt ein paar Fragezeichen. Zumal es ja gleich richtig los geh, ohne Zeit zum Einrollen. Schon auf der zweiten Etappe geht es in die Berge.

Warum ist es zuletzt zu so vielen schlimmen Stürzen gekommen?

Ich denke, die Gründe sind unterschiedlich. Aber man muss schon sagen, dass die Auswahl der Strecken sicher nicht optimal ist.

Bergab-Sprints, Kopfsteinpflaster-Passagen oder schlecht asphaltierte Abfahrten - müssen die Sportler mit ihrer Gesundheit für das Spektakel herhalten?

Ich weiß nicht, ob dieser Gedanke dahinter steckt. Ich hoffe nicht. Aber beispielsweise rund um Megève (in der Nähe kam Buchmann auf einer Abfahrt zu Fall, Anm. d. Red.) gibt es sehr viele Straßen. Da hätte man auch eine andere nehmen können.

Mit Blick auf Ihre Form und die der Konkurrenz - wie lautet die Zielstellung für die Tour?

Das Ziel war das Podium. Bei der Dauphiné war ich vor meinem Sturz hinter Roglic wohl der Stärkste, gemeinsam mit Pinot. Wo ich jetzt stehe, wird man erst sehen. Es ist viel möglich, aber es muss alles passen, besonders in der Vorbereitung. Das ist für uns leider nicht aufgegangen.

Viele Stars wie Froome, Thomas oder Kruijswijk fehlen. Ist sogar der ganz große Coup möglich?

Unter den aktuellen Umständen konzentriere ich mich erst mal voll auf mich. Ich muss fit sein und die bestmögliche Form haben.

Wen sehen Sie in der Favoritenrolle?

Roglic ist zwar auch gestürzt, sah bei der Dauphiné aber am besten aus. Bernal ist ohne Sturz davongekommen, dessen Vorbereitung sollte also optimal sein. Genau wie Pinot. Aus meiner Sicht sind das die Favoriten.

Wie bewerten Sie das Corona-Maßnahmenpaket der Tour?

Es wird alles Menschenmögliche getan. Das ist gut. Ich hoffe, dass sich auch die Zuschauer an die Maßnahmen halten.

In Frankreich steigen die Infektionszahlen. Sorgen Sie sich, dass die Tour doch nicht wie geplant durchgezogen werden kann?

Da wir in einer eigenen Blase sind, mache ich mir da eigentlich keine Sorgen.

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