_1SPOHSPORT201-B_154714_4c
+
Die Champions League als Premium-Produkt der UEFA bekommt Konkurrenz durch eine unabhängige Super League.

Ein offener Machtkampf

  • vonDPA
    schließen

Der europäische Fußball steht vor einer historischen Spaltung: Ungeachtet der Pläne zwölf internationaler Top-Clubs für eine Super League zieht die UEFA ihre Königsklassen-Reform durch. Zudem gibt es eine beispiellose Drohung.

Der größte Machtkampf in der Geschichte des europäischen Club-Fußballs eskaliert und könnte sogar bereits bei der EM einschneidende Konsequenzen für das deutsche Nationalteam haben. Die UEFA konterte die Super- League-Pläne der zwölf Abtrünnigen mit ihrer weitreichenden Reform der Champions League und sprach eine beispiellose Drohung aus. »Die Spieler, die in diesen Teams spielen, die vielleicht in einer geschlossenen Liga spielen, werden von der Weltmeisterschaft und Europameisterschaft ausgeschlossen«, sagte UEFA-Präsident Aleksander Ceferin am Montag.

Wann dies geschehen werde, ließ der Slowene allerdings noch offen. Es sei »zu früh«, um über rechtliche Konsequenzen zu sprechen. Es solle aber »so früh wie möglich« geschehen. Deutsche Nationalspieler aus Vereinen, die sich bislang an der Super League beteiligen wollen, sind unter anderem Toni Kroos von Real Madrid, die Chelsea-Profis Timo Werner, Antonio Rüdiger und Kai Havertz sowie Ilkay Gündogan von Manchester City. Mit einem Bann für alle Nationalspieler dieser Clubs würde die UEFA die EM als eines ihrer wichtigsten Produkte allerdings selbst beschädigen.

»Wir stehen alle gemeinsam gegen dieses Nonsens-Projekt. Alle 55 Verbände sind gegen die zynischen Pläne«, sagte Ceferin und griff die abtrünnigen Clubs scharf an. »Solidarität ist etwas, das für immer steht. Das Einzige, was für sie zählt, ist ihre eigene Tasche.« Er wolle die Vereine nicht »dreckiges Dutzend« nennen - und implizierte mit seinen anderen Worten doch genau das.

Trotz der angekündigten Abspaltung von einem Dutzend Topclubs mit Real, dem FC Liverpool und Juventus Turin beschloss das UEFA-Exekutivkomitee die Reform der Champions League. Ab der Saison 2024/25 werden 36 statt bislang 32 Teams an der Gruppenphase teilnehmen, zudem wird es insgesamt 100 weitere Spiele geben.

Der Beschluss wurde allerdings durch die Pläne von zwölf europäischen Spitzenvereinen aus England, Spanien und Italien für eine unabhängige, internationale Liga überschattet. Dem Dutzend reichen die zu erwartenden Einnahmen aus der UEFA-Reform nicht. Die neue Liga soll jeweils in der Wochenmitte spielen und steht damit in Konkurrenz zur Königsklasse der UEFA. Kritik kam von Fans und etlichen nationale Ligen, Verbänden und Vereinen.

Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke verwies darauf, dass die Mitglieder der Europäischen Club-Vereinigung ECA diese Pläne abgelehnt hätten. Der BVB und der FC Bayern München würden dabei die gleiche Auffassung vertreten. Der Beschluss der ECA besage, »dass die Klubs die geplante Reform der UEFA Champions League umsetzen wollen«, sagte Watzke. Dabei sollen in der Königsklasse zwei der vier neuen Plätze nicht mehr wie bislang üblich aufgrund von Leistungen aus der vorigen Saison vergeben werden. Stattdessen wären dafür die Platzierungen der Vereine in der Fünfjahreswertung der UEFA ausschlaggebend. In der Champions League soll damit ab 2024 nicht mehr wie gewohnt in acht Vorrundengruppen gespielt werden. Anstelle dessen soll es eine Liga geben, in der aber nicht jeder gegen jeden antritt. Jedes Team würde zehn statt bislang sechs Vorrundenspiele bestreiten. Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge soll zudem den abtrünnigen Andrea Agnelli als Vertreter der europäischen Klubvereinigung ECA im UEFA-Exekutivkomitee ersetzen. Agnelli, Boss von Juventus Turin, war am Montag nach der Gründung der Super League aus der UEFA-Exekutive und von der ECA-Spitze zurückgetreten.

Als Gründungsmitglieder der Super League präsentierten sich: die englischen Clubs Liverpool, Manchester City, Manchester United, FC Chelsea, FC Arsenal und Tottenham Hotspur; aus Spanien der FC Barcelona, Real, Atlético Madrid sowie die Italiener Inter Mailand, AC Mailand und Juve. Diese Klubs wollen einem »Spiegel«-Bericht zufolge den FC Bayern und Borussia Dortmund an Bord holen. Demnach solle der Vorstand den Bayern, dem BVB und Paris Saint-Germain »so schnell es geht« die Mitgliedschaft anbieten. Derweil hat sich Liverpools Trainer Jürgen Klopp gegen die Super League ausgesprochen. »Meine Meinung hat sich nicht geändert«, sagte der 53-Jährige am Montag im Sender Sky Sports. Mit Blick auf die Kritik und die Proteste meinte Klopp nun: »Die Leute sind nicht glücklich damit, ich kann das verstehen.«

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare