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Auf dem Sprung: Trainer Adi Hütter und Sportvorstand Fredi Bobic (r.) werden in Frankfurt in der kommenden Saison nicht mehr zur Verfügung stehen. Hütters Wechsel nach Mönchengladbach ist seit gestern fix.

Ein Mann, kein Wort - Hütter geht

  • VonRedaktion
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Turbulente Zeiten bei der Eintracht. In Frankfurt steht nun nach der Hütter-Meldung am Saisonende der ganz große Umbruch in der sportlichen Führung bevor. Die Mannschaft peilt indes weiter die Qualifikation für die Champions League an.

Eine gewisse Ironie ist sicher nicht von der Hand zu weisen, wenn ausgerechnet der freiwillig scheidende Vorstand dem freiwillig scheidenden Trainer nette Abschiedsworte zuruft: »Adi Hütter hat für Eintracht Frankfurt Außerordentliches geleistet und kann die Saison mit dem Erreichen der Champions League krönen«, ließ sich Fredi Bobic, Noch-Sportchef von Eintracht Frankfurt, gestern in jener Mitteilung des Klubs zitieren, die den Wechsel des Frankfurter Fußball-Lehrers am Saisonende zu Borussia Mönchengladbach bestätigte.

Zumindest unfreiwillig komisch wirkte das schon. Natürlich obliegt es Bobic formal aufgrund seiner Noch-Rolle beim Tabellenvierten, eben solche Statements abzugeben, merkwürdig mutet es aber schon an, wenn sich keiner der verbleibenden Macher zur heiklen Thematik äußert. Einige beruhigende Worte an die Basis hätten Eintracht Frankfurt sicher nicht geschadet.

Stattdessen gab der bald für Hertha BSC arbeitende Wahl-Berliner Bobic seinem Noch-Angestellten Hütter die Anweisung mit auf den Weg: Dem Ziel Königsklasse »gilt jetzt die gesamte Aufmerksamkeit in den kommenden fünf Wochen bis zum Ende dieser Spielzeit«. Sollte wohl so viel heißen wie: Bitte lieber Adi, lass’ uns das irgendwie wuppen, damit hinterher nicht allzu viele Menschen böse auf uns sind.

Spätestens nach dem gestrigen Vormittag, als der Trainerwechsel für eine Ablöse von 7,5 Millionen Euro erst von der Eintracht bekannt gegeben und später von Gladbacher Seite bestätigt wurde, kochte der Zorn des Volkes, also der Fans, in die Höhe. Nichts anderes als ein Lügner sei Hütter, soll er doch gehen, am besten sofort, hieß es da mitunter. Und klammert man mal die unter der Anonymität des Internets geäußerten Verbalausfälle aus, bleibt eines: Frankfurt ist ganz schön sauer auf Hütter. Das Ich-bleibe-Bekenntnis Ende Februar haben ihm die meisten Fans damals abgenommen. Eineinhalb Monate später muss nüchtern festgehalten werden: ein Mann, kein Wort.

Natürlich ist es legitim, dass ein Trainer von einer Ausstiegsklausel im Vertrag Gebrauch macht, wenn er bei der Abwägung seiner Optionen eine andere präferiert. So ist das Geschäft, und ganz offenbar wähnt Hütter die Gladbacher - das sicher nicht ganz zu Unrecht - noch ein Stückchen weiter in der Entwicklung als die Eintracht. Auch erhält er dort ein höheres Gehalt (fünf statt etwa drei Millionen Euro). »Wir freuen uns sehr über die Zusage von Adi Hütter«, teilte Borussias-Sportdirektor Max Eberl mit: »Er ist für unseren Verein der beste Trainer für die vor uns liegenden Herausforderungen.«

Hütter selbst, so stand es in der Pressemitteilung der Eintracht, habe sich die Entscheidung »nicht leicht« gemacht. »Ich habe hier drei unglaublich erfolgreiche und intensive Jahre erlebt, die ich zusammen mit der Mannschaft mit einem herausragenden Ergebnis abschließen möchte.« Und weiter: »Wir haben eine historische Chance. Wir wollen unseren Vorsprung auf Platz fünf verteidigen und uns für die Champions League qualifizieren.«

Noch hat die Eintracht sieben Zähler Vorsprung auf den Tabellenfünften Dortmund, zudem hat sich der Sechste aus Leverkusen am Montag quasi selbst aus dem Champions-League-Rennen verabschiedet. Auch schienen sich die Frankfurter Fußballer zuletzt mehr an sich selbst zu berauschen, denn über die Nebengeräusche zu grübeln.

Rangnick als Trainer und Sportvorstand?

Dass die Eintracht am Samstag ausgerechnet in Gladbach antritt, bringt zusätzliche Würze in die Geschehnisse. Zweifelsohne hatte die Borussia großes Interesse daran, die Hütter-Personalie in dieser Woche dingfest zu machen. Zumal die Gladbacher noch auf die Europa League hoffen.

Neben der Restrunde rückt bei den Frankfurtern natürlich auch das große Ganze in den Fokus, die Zukunft über die Saison hinaus. Aufsichtsrat Philip Holzer will sich zwar nicht treiben lassen, der Druck, in Sachen Sportvorstand nun alsbald Fakten zu schaffen, wird jedoch größer. Immerhin: Bis spätestens Ende des Monats soll ein Nachfolger für Bobic präsentiert werden. Dieser wiederum wird sich federführend auf Trainersuche begeben müssen. Obgleich bei der Eintracht natürlich längst die Berater der Fußball-Lehrer vorstellig werden, befinden sich die Hessen ohne künftigen Sportchef nur in der Sondierungsphase. Sky brachte am Abend die Gerüchteküche ein wenig zum brodeln. Wie der TV-Sender berichtete, könnte Ralf Rangnick, der zuletzt auch bei Schalke 04 und als Bundestrainer im Gespräch war, die Posten als Trainer und Sportvorstand in Personalunion übernehmen. Gespräche zwischen Klub und dem 62-Jährigen müssten aber erst noch geführt werden.

Hinteregger wieder im Teamtraining

Aber was passiert jetzt mit dem Kader? Folgt der Ausverkauf? Eher nicht, vor allem dann nicht, wenn die Königsklasse klargemacht werden kann. Das schließt natürlich nicht den Wechsel eines Topspielers aus, grundsätzlich gilt aber, dass von den aktuellen Leistungsträgern lediglich Luka Jovic keinen Vertrag über die aktuelle Saison hinaus besitzt.

Wenngleich Hütter gewiss großen Einfluss auf den Kauf und/oder die Entwicklung von Profis wie Djibril Sow, Filip Kostic, Martin Hinteregger (nahm nach Verletzung gestern das Teamtraining wieder auf), Evan Ndicka, André Silva oder Stefan Ilsanker hatte - das Gros wird die Eintracht eher nicht verlassen.

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