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Raus ohne Applaus: Juventus ist mit Cristiano Ronaldo erneut vorzeitig in der Champions League gescheitert.

Ein Loch in der Mauer

(sid). Cristiano Ronaldo kneift die Augen fest zusammen und dreht sich in der Mauer weg. Der Schuss rauscht zwischen seinen Beinen hindurch ins Tor, nur Minuten nach dem Freistoß ist Juventus Turin in der Champions League draußen. Mal wieder viel zu früh, und nicht zuletzt wegen seines ängstlichen Superstars.

Auch im dritten Jahr mit dem fünfmaligen Weltfußballer ist für die Alte Dame Schluss, bevor es richtig ernst wird. Das 3:2 (2:1, 0:1) nach Verlängerung gegen den FC Porto war nicht genug, durch das 1:2 in Ronaldos Heimat Portugal flog Italiens Serienmeister wegen der Auswärtstorregel im Achtelfinale raus - trotz fast 70-minütiger Überzahl.

»Ein weiteres Desaster«, schrieb die »Gazzetta dello Sport«, »trotz einer Investition von 348 Millionen Euro. Gegen Porto kommt der schlechteste Ronaldo aller Zeiten zum Einsatz.« Für den »Corriere dello Sport« wurde »Juve von Ronaldo verraten. Der Albtraum wird wieder wahr. Die Champions League ist für die Turiner verhext.«

Die »Gazzetta« stellte Ronaldo sogar »unter Anklage. Was für ein Loch beim 2:2«, titelte die Zeitung zur spielentscheidenden Szene. Sergio Oliveira hatte den Freistoß durch die löchrige Mauer gezirkelt (115.), das Siegtor von Adrien Rabiot (117.) half nichts mehr.

Der Spieler, der den Unterschied machen soll, machte den Unterschied, aber hinten. Bei der Klublegende Fabio Capello kam Ronaldo deshalb ganz schlecht weg. »Wer in der Mauer steht, darf keine Angst haben, getroffen zu werden«, sagte der 74-Jährige, mit Juve als Profi und Trainer fünfmal Meister: »Ein unverzeihlicher Fehler, für den es keine Entschuldigung gibt.«

Mit dem sündhaft teuren Portugiesen wollte Juventus wieder richtig in Europa angreifen. Denn der bislang letzte Champions-League-Sieg liegt 25 Jahre zurück. Doch die Bilanz mit dem 36-Jährigen ist ernüchternd: 2019 Aus im Viertelfinale gegen Ajax Amsterdam, 2020 Aus im Achtelfinale gegen Olympique Lyon und jetzt das Aus gegen Porto. Immer scheiterte Turin als Favorit. In der Liga liegen die Bianconeri (mit einem Spiel weniger) schon zehn Punkte hinter Spitzenreiter Inter Mailand, der zehnte Titel in Serie ist ziemlich unwahrscheinlich. Schwere Zeiten für Andrea Pirlo, doch der neue Trainer hat keine Angst um seinen Job. »Ich habe mit Klubchef Andrea Agnelli gesprochen. Er hat mir gesagt, dass unser Projekt erst am Anfang ist«, sagte der Weltmeister von 2006.

»Das ist nicht das Ende einer Ära«, so Pirlo: »Die Ära hat erst begonnen.« Das dürften viele Fans anders sehen. Gerade in der ersten Hälfte enttäuschte Juve auf ganzer Linie. Harmlos, ideenlos, so ist der Klub alles andere als ein Kandidat für den Henkelpott.

Einzige Lichtblicke waren die Tore von Federico Chiesa (49./63.), der das Spiel nach Oliveiras Führung (19., Foulelfmeter) drehte. Dass Porto nach Gelb-Rot für Mehdi Taremi (54.) einen Mann weniger hatte, war kaum zu sehen.

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