Thomas Dreßen rast in Saalbach-Hinterglemm zum Sieg in der Abfahrt. FOTO: AFP
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Thomas Dreßen rast in Saalbach-Hinterglemm zum Sieg in der Abfahrt. FOTO: AFP

Dreßen rast in Saalbach zum Sieg

(sid). Thomas Dreßen konnte es selbst nicht fassen. Als nach seiner zirkusreifen Einlage auf der Schneekristall-Piste im Ziel plötzlich die "1" aufleuchtete, schüttelte er verblüfft den Kopf und fasste sich an den Helm. "Ich habe gedacht: Spinn ich, oder was? Mit dem Schnitzer ...", erklärte er sein ungläubiges Staunen. Doch es stimmte: Der 26-Jährige war trotz eines groben Fehlers auch in Saalbach-Hinterglemm nicht zu schlagen und gewann knapp zwei Wochen nach dem Heimsieg in "GAP" seine fünfte Weltcup-Abfahrt.

"So ganz checken tue ich es eh noch nicht", sagte Dreßen noch eine halbe Stunde danach. "Ich habe nicht mehr damit gerechnet, dass der Ski an meinem Fuß bleibt und mich schon so positioniert, dass ich es abfange und nicht stürze", berichtete er von seinem Schreckmoment. Und so wurde am Fuße des Zwölferkogels ihm zu Ehren die deutsche Nationalhymne gespielt.

Das wird für den Mittenwalder fast schon zur Gewohnheit. Nach seinem zweiten Saisonerfolg in Garmisch-Partenkirchen gewann er jetzt als erster Deutscher zwei Weltcup-Abfahrten hintereinander. Zudem zog er mit seiner siebten Podestfahrt in der Königsdisziplin mit dem bisherigen deutschen Rekordhalter Markus Wasmeier gleich. Weil er 2013 im nahem Ski-Gymnasium von Saalfelden seine Matura (Abitur) abgelegt hatte, war es so für ihn der nächste "Heimsieg", meinte er grinsend.

"Ich habe direkt vor dem Rennen noch meinen alten Trainer von der Schule gesehen", berichtete Dreßen, "da bin ich mir wieder vorgekommen wie in der Schulzeit." Das "Ratschn" (Quatschen) mit dem einstigen Mentor und die Unterstützung zahlreicher ehemaliger Klassenkameraden gab ihm die nötige Lockerheit für den technisch anspruchsvollen Kurs.

Dabei ging es für Dreßen auf der Strecke, auf der er 2015 sein Weltcup-Debüt gefeiert hatte, denkbar schlecht los. Er hatte auf der nach Schneefall verkürzten Strecke schwer zu kämpfen, als es ihm bei der Ausfahrt Starthang die Skier auseinander riss. Danach habe er gedacht: "Das Rennen fängt jetzt neu an, mach das, was du mit den Trainern besprochen hast." Das sei "perfekt aufgegangen".

Vor allem im unteren Abschnitt spielte Dreßen sein famoses Skigefühl aus und düpierte die Konkurrenz. Als er dies im Ziel begriffen hatte, zeigte er die Siegerfaust und rief: "Ja, Mann!" Knappe 0,07 Sekunden oder umgerechnet 1,81 Meter betrug sein Vorsprung auf den früheren Weltmeister Beat Feuz, dem der Gesamtsieg in der Abfahrt zwei Rennen vor Saisonende kaum mehr zu nehmen ist.

Der Schlüssel für seine jüngsten Erfolge liegt laut Dreßen in Kitzbühel. Bei der Rückkehr an den Ort seines ersten Triumphs habe er es vor drei Wochen "zu perfekt" machen wollen und sei "verkrampft". Danach habe er wieder den Spaß in den Vordergrund gestellt nach dem Motto: "Fahr einfach drauf los!" Das ging in "GAP" auf - und jetzt wieder in Saalbach-Hinterglemm.

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