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Draxler mit Tor und Vorlage zum Pokalsieg 120-kg-Wiese in pink VfB Stuttgart in letzter Sekunde "Basti"-Rufe in Chicago

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Neben einem schnöden Klappstuhl präsentierte Julian Draxler mit zwei gereckten Daumen seinen ersten Pokal mit Paris Saint-Germain. "Hoffentlich folgen viele mehr", schrieb der Fußball-Weltmeister zum Schnappschuss von der Kabinenparty nach dem 4:1 im Ligapokal-Endspiel gegen den AS Monaco. Mit dem Führungstreffer und einer Torvorlage hatte Winter-Neuzugang Draxler am Samstagabend kräftig dabei geholfen, dass PSG nach der Champions-League-Schmach von Barcelona zumindest weiter das französische Triple in Reichweite behält.

Neben einem schnöden Klappstuhl präsentierte Julian Draxler mit zwei gereckten Daumen seinen ersten Pokal mit Paris Saint-Germain. "Hoffentlich folgen viele mehr", schrieb der Fußball-Weltmeister zum Schnappschuss von der Kabinenparty nach dem 4:1 im Ligapokal-Endspiel gegen den AS Monaco. Mit dem Führungstreffer und einer Torvorlage hatte Winter-Neuzugang Draxler am Samstagabend kräftig dabei geholfen, dass PSG nach der Champions-League-Schmach von Barcelona zumindest weiter das französische Triple in Reichweite behält.

"Ein fürstliches Paris", titelte die Sonntagszeitung "Journal du Dimanche" nach dem unerwartet deutlichen Endspiel-Erfolg der Pariser gegen die Monegassen, die in der Liga drei Punkte vor dem Meister an der Spitze liegen. "Eine Demonstration der Stärke", urteilte auch "Le Parisien". Mit dem insgesamt siebten Ligapokal-Gewinn stellten die Pariser auch einen Rekord auf. Zum ersten Mal holte ein Team die Trophäe viermal in Serie. "Heute hat unsere Saison begonnen. Wir haben das wahre PSG gezeigt", tönte Clubchef Nasser Al-Khelaifi.

Der Finalsieg wirkte befreiend auf den Titelverteidiger, der seit dem jüngsten Europacup-Debakel mehr denn je in der Kritik steht. Der Schock des 1:6 beim FC Barcelona, mit dem PSG im Achtelfinale der Champions League einen 4:0-Vorsprung aus dem Hinspiel noch aus der Hand gab, ist noch immer präsent."In letzter Zeit hat es viel an Respekt gegenüber PSG gefehlt", klagte der italienische Mittelfeldspieler Marco Veratti. "Jeder hat von uns geredet, als seien wir eine erledigte Mannschaft."

Gegen Monaco bewies PSG das Gegenteil. Schon nach drei Minuten brachte Draxler mit seinem achten Tor im 17. Pflichtspiel seinen neuen Arbeitgeber in Führung, allerdings stand er leicht im Abseits. Angel di Maria (44.) und Doppel-Torschütze Edinson Cavani (54./90.) machten alles klar.

Wie der gelangweilte Türsteher einer Großstadt-Disco sieht Tim Wiese mit seinen 120 Kilo aus. Die meiste Zeit schlendert der frühere Nationaltorwart betont lässig durch seinen Strafraum. Wiese will es aber noch einmal wissen. Es läuft die 88. Minute, sein Team liegt 1:2 zurück – und der Neu-Wrestler will in der achten Liga wenigstens noch ein Unentschieden erzwingen. Schließlich ist es sein Comeback zwischen den Pfosten nach mehr als vier Jahren ohne Pflichtspiel.

"Andi, Andi!", schreit Wiese quer über den Platz. Als Trainer Andreas Mayer nickt, stürmt Wiese los. Wie ein Besessener rennt er in den gegnerischen Strafraum, schubst ein paar Spieler – doch die Niederlage kann er damit nicht mehr abwenden.

Vor mehr als vier Jahren hätte eine solche Situation noch eine typische Szene aus einem Bundesliga-Spiel sein können. Doch seit seinem letzten Spiel für die TSG Hoffenheim im Januar 2013 hat Tim Wiese in der höchsten deutschen Spielklasse keinen Fuß mehr auf den Boden bekommen. Stattdessen steht er – vermutlich einmalig – bei der SSV Dillingen auf dem Platz. Achte Liga, Abstiegskampf, Derby. Ist das Wieses Welt, nach einem DFB-Pokalsieg, nach sechs Länderspielen, einer WM-Teilnahme und nach einem Wrestling-Debüt bei der WWE?

Der Auftritt im Derby zwischen der SSV Dillingen und dem TSV Haunsheim ist ein Gefallen für einen guten Freund Wieses. Sonst kommen ein paar Hundert Gäste zu den Spielen des abstiegsbedrohten Vereins aus Schwaben – dank Wiese sind es am Samstag rund 2500. "Das ist sensationell gelaufen, finanziell scheppert das richtig", sagt Christoph Nowak, Freund von Wiese und Vorsitzender der Dillinger.

Dass die Mannschaft trotz der Hilfe des ehemaligen Profis aller Voraussicht nach absteigen wird, scheint er kurz verdrängt zu haben.

Wiese dagegen wirkt in seinem pinken Trikot über weite Teile des Spiels nicht so, als fände er das auch alles sensationell. Dabei stellt sich eigentlich die Frage, wer von dieser Marketing-Aktion mehr profitiert – Wiese oder die SSV Dillingen?

Fragen nach möglichen weiteren Einsätzen auf den Fußballplätzen des Landes – und speziell im Abstiegskampf der Dillinger – sind die logische Folge. Wiese will an dieser Stelle "niemals nie" sagen. Doch ein paar Sekunden später sagt er eben auch: "Kreisliga spiel ich bestimmt nicht – das tu ich mir nicht mehr an."

Der 2. Fußball-Bundesliga steht ein Herzschlagfinale im Kampf um den Aufstieg bevor. Nach dem 26. Spieltag rangieren mit dem VfB Stuttgart, Eintracht Braunschweig und Union Berlin gleich drei Teams punktgleich auf den ersten drei Plätzen. Und selbst der Vierte Hannover 96 liegt bei nur einem Zähler Rückstand noch glänzend im Rennen.

Auch ohne Sieg gelang Stuttgart die Rückkehr an die Tabellenspitze. Nicht zuletzt deshalb fühlte sich das spektakuläre 3:3 (1:3) gegen Dynamo Dresden am Sonntag wie ein Sieg an. "Der Spielverlauf war unfassbar. Wenn du nach 20 Minuten zu Hause 0:3 zurückliegst, musst du mit einem 3:3 zufrieden sein", kommentierte der zweimalige VfB-Torschütze Simon Terodde. Die Dresdner schienen zunächst einem Kantersieg wie schon beim 5:0 im Hinspiel nahe. Nach dem Hattrick von Dynamo-Torjäger Stefan Kutschke (4./22./26./Foulelfmeter) lagen sie schon früh scheinbar uneinholbar mit 3:0 vorn. Doch der Anschlusstreffer von Terodde (29.) noch vor der Pause brachte den VfB zurück ins Spiel. Mit einem Sturmlauf in der zweiten Halbzeit und Treffern von Emiliano Insua (75.) und Terodde (90. +4/Foulelfmeter) wendeten die Schwaben die Schlappe ab.

Auch Verfolger Eintracht Braunschweig konnte die Gunst der Stunde nutzen und kletterte auf Rang zwei. Das Team von Trainer Torsten Lieberknecht kam dank des Treffers von Mirko Boland (89.) ohne großen Glanz zu einem 1:0 (0:0) in Kaiserslautern. "Es ist ein ungeheurer Wille drin. Das zeichnet unsere Mannschaft derzeit aus. Dann wird man auch belohnt", sagte Coach Lieberknecht.

Ein perfektes Debüt bei Hannover 96 feierte André Breitenreiter. Im ersten Punktspiel unter dem neuen Coach bezwangen die Niedersachsen am Samstag Union Berlin und meldeten sich in der Aufstiegszone zurück. Niclas Füllkrug (54.) und Berlins Damir Kreilach (67.) per Eigentor trafen vor 49 000 Zuschauern für den Bundesliga-Absteiger. Breitenreiter, der vor rund zwei Wochen die Nachfolge von Daniel Stendel angetreten hatte, wollte seinen eigenen Anteil am Erfolg nicht überbewerten. "Es ging nur um Nuancen, um ein paar Stellschrauben. Das haben die Jungs super umgesetzt, das ist ausschließlich ihr Verdienst."

Dagegen musste der bisherige Tabellenführer Union Berlin den ersten Rückschlag nach zuvor neun Partien ohne Niederlage hinnehmen. Dem Selbstvertrauen der Eisernen tat das jedoch keinen Abbruch. "Jeder Trainer, gegen den wir jetzt gespielt haben, hat gesagt: Das ist die stärkste Mannschaft der 2. Liga derzeit, und genau das waren und das sind wir auch", kommentierte Coach Jens Keller.

Kabinenbesuche kannte Bastian Schweinsteiger bisher nur von Edel-Fan Angela Merkel. Nach dem Debüt für Chicago Fire kam aber nicht die Kanzlerin, diesmal stürmte eine Reportermeute in den Locker Room. In Amerikas Stadien ist das üblich. Und da stand der Fußball-Weltmeister nun im schwarzen Dress vor seinem roten Kabinenschrank und gab geduldig Antworten.

"Es ist ein tolles Gefühl, gleich beim Einstand ein Tor zu schießen, obwohl ich natürlich lieber das Spiel gewonnen hätte. Ich bin ein bisschen traurig, denn ich wollte den Sieg unbedingt", sagte Schweinsteiger nach seinem starken Amerika-Debüt in der Major League Soccer (MLS).

Beim 2:2 (1:0) seines Clubs gegen Montreal Impact erwischte der 32-Jährige einen Traumstart – schon nach knapp 17 Minuten wuchtete der deutsche Altstar den Ball per Kopf ins Tor.

"Basti, Basti, Basti"-Rufe schallten durch den Toyota Park, im Rund der 15 103 Fans jubelte auch Schweinsteigers Frau Ana Ivanovic, mit ihrem roten Schal war sie nicht zu übersehen – so wie ihr Bastian im knallroten Fire-Trikot mit der Nummer 31. Der deutsche Legionär spielte die vollen 93 Minuten durch, er hängte sich rein und bekam vom Publikum oft Szenenapplaus. Typisch Amerika, auch wenn Soccer im Land der unbegrenzten Möglichkeiten nur die Sportart Nummer fünf ist.

Am Ende musste Chicago froh sein, zumindest einen Punkt gerettet zu haben, denn der Ausgleich fiel erst in der Nachspielzeit. "Es war ein großartiges Debüt. Ein Tor beim Debüt zu erzielen, ist etwas, von dem jeder träumt", lobte Fire-Coach Veljko Paunovic. "Er hat die Jungs mitgezogen. Alles, was wir uns von ihm wünschten, hat er gezeigt. In der zweiten Halbzeit sahen wir seine Gewinnermentalität."

Man merkte Schweinsteiger jedoch an, dass die vergangenen zwei Spielzeiten, die er bei Manchester United vor allem auf Bank oder Tribüne verbrachte, Spuren hinterlassen haben. Noch fehlen Kondition, Fitness, Ausdauer.

"Es gab Momente, in denen ich mich erschöpft fühlte", gab er zu und versprach: "Ich werde sicherlich an meiner Fitness arbeiten, um der Mannschaft in Zukunft mehr Energie geben zu können." Schweinsteiger weiß, dass auch er aus dem schlechtesten MLS-Team der vergangenen zwei Jahre nicht gleich eine Spitzenmannschaft zaubern kann, doch sein Debüt kann den früheren Kapitän der DFB-Auswahl zuversichtlich stimmen. Auch das Team und die Fans und den Trainer.

Schweinsteiger lobt Mentalität

"Die Mannschaft hat einen guten Charakter, eine gute Mentalität", lobte Schweinsteiger. "Das hat man auch gesehen, als wir dann zu zehnt gespielt haben." Chicago musste nach einer Gelb-Roten Karte für neun Minuten in Unterzahl spielen, auch die Gäste beendeten das Spiel mit neun Feldspielern.

Für Schweinsteiger heißt das Ziel für diese Saison: Playoffs. Nach vier Spielen haben die Fire fünf Punkte auf ihrem Konto, liegen damit auf dem siebten Platz in der Eastern Conference. Für die Playoffs qualifizieren sich die besten sechs Mannschaften jeder Conference.

Schon am kommenden Samstag steht auch Schweinsteiger vor einer noch härteren Bewährungsprobe: Dann trifft Chicago Fire auf Columbus Crew – derzeit Spitzenreiter im Osten.

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