Sebastian Nachreiner, Fußballspieler beim SSV Jahn Regensburg, sitzt in der Bibliothek der Universität Regensburg und arbeitet an seiner Promotion in Jura. FOTO: DPA
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Sebastian Nachreiner, Fußballspieler beim SSV Jahn Regensburg, sitzt in der Bibliothek der Universität Regensburg und arbeitet an seiner Promotion in Jura. FOTO: DPA

Doktor zur Sicherheit

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(dpa). Das Wort von Sebastian Nachreiner beim SSV Jahn Regensburg hat Gewicht. Das liegt nicht nur daran, dass der Verteidiger zu den erfahrensten und dienstältesten Spielern beim Fußball-Zweitligisten gehört. Schon seit Sommer 2010 ist Nachreiner für die Oberpfälzer aktiv. Der "Wastl", so der Spitzname des 31-Jährigen, ist für seine Teamkollegen nämlich auch ein gefragter Ansprechpartner in juristischen Fragen.

"Eine Sprechstunde habe ich noch nicht eingerichtet. Wenn es tatsächlich etwas Gravierendes ist, verweise ich darauf, dass ich noch kein Anwalt bin und man sich besser einen nimmt, um auf Nummer sicher zu gehen", sagte Nachreiner lachend.

Nachreiner ist eine Seltenheit im deutschen Profifußball. Er kann nicht nur gut kicken, sondern er macht auch seinen Doktor in Jura. Bis zum Ende des Jahres will er ihn fertigbringen. Es ist ein ambitioniertes Ziel in Zeiten, in denen andere Profis ihre Pausen eher mit Videospielen verbringen.

Die Frage, warum er neben der Belastung Hochleistungs-Fußball auch noch quasi einen Zweitjob ausübt, hat sich für Nachreiner nie so richtig gestellt. Denn zu Beginn seines Studiums war er noch kein Profi. 2009 spielte er noch in der Landesliga für den FC Dingolfing, ehe er 2010 zur zweiten Mannschaft des SSV Jahn stieß. "Ich wollte nach Regensburg, um zu studieren und nebenbei Fußball spielen, weil es mir Spaß gemacht hat", erzählte der Sohn des Vorsitzenden des DFB-Kontrollausschusses, Anton Nachreiner.

Unter die Freude mischte sich noch ein anderes Gefühl. "Ich habe einige Verletzungen gut weggesteckt, es kann aber schnell vorbei sein. Dann gibt es eine gewisse Sicherheit, wenn man etwas anderes machen kann", sagte Nachreiner, der mehrere Bänderverletzungen hatte.

Zur Vorlesungszeit musste er auch schon mal ein Training ausfallen lassen. Von seinen Coaches wurde Nachreiner aber immer unterstützt. Ein- oder zweimal muss er für eine Veranstaltung nach Köln, wo er eingeschrieben ist. Die Präsenzzeiten in einem Promotionsstudium (Thema: "Rechte und Pflichten von Fußballschiedsrichtern") sind überschaubar, weil man vor allem mit Schreiben beschäftigt ist.

Das Leben nach der Karriere beschäftigt auch Ulf Baranowsky, Geschäftsführer der Spielergewerkschaft VDV: "Wir sensibilisieren schon in den Nachwuchsleistungszentren dafür, Wert auf Bildung und Vorsorge zu legen. Eine Fußballerkarriere kann schon mit dem nächsten Foul enden."

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