17. Grand-Slam-Sieg: Kopf aus der Schlinge gezogen, Novak Djokovic gewinnt in fünf Sätzen gegen Daniel Thiem. FOTO: DPA
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17. Grand-Slam-Sieg: Kopf aus der Schlinge gezogen, Novak Djokovic gewinnt in fünf Sätzen gegen Daniel Thiem. FOTO: DPA

Djokovic wehrt Angriff ab

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(sid). Sein Thron wackelte, der Aufstand von Dominic Thiem schien Erfolg zu haben, doch dann verteidigte der "König von Melbourne" sein Reich mit letzter Kraft ein weiteres Mal: In fünf mitreißenden, oft auch hochklassigen Sätzen zog Titelverteidiger und Rekordsieger Novak Djokovic im Endspiel der Australian Open doch noch den Kopf aus der Schlinge. Mit 1:2 lag der Serbe nach Sätzen zurück, nach vier Stunden gewann er mit 6:4, 4:6, 2:6, 6:3, 6:4 gegen den leidenschaftlich kämpfenden Österreicher.

Schon am Tag zuvor hatte eine neue, junge Königin am Yarra River die Herrschaft bei den Frauen übernommen. Sofia Kenin (21) erfüllte sich ihren gut dokumentierten Kindheitstraum von einem Grand-Slam-Titel durch ein 4:6, 6:2, 6:2 gegen Garbine Muguruza (Spanien). "Mein Traum ist offiziell wahr geworden", rief sie bei der Siegerehrung glückselig ins Publikum. Dann schickte die 21 Jahre alte Amerikanerin, die schon als Sechsjährige vom Triumph bei einem der vier großen Turniere gesprochen hatte, gleich noch eine Botschaft an die Zuschauer hinterher: "Wenn ihr Träume habt, lebt sie, denn Träume werden wahr."

Ein neuer Sieger bei den Männern lässt einstweilen auf sich warten. "Es ist nur gut für unseren Sport, wenn neue Champions nachkommen", hatte Djokovic wenige Tage vor dem Finale noch gesagt. Und beinahe wäre es in der Rod-Laver-Arena am Sonntag so weit gewesen. Doch mit einem Kraftakt gewann der phasenweise schwächelnde Djokovic erst den vierten Satz, holte sich im fünften früh das Break, wehrte einen letzten Breakball von Thiem ab - und blieb unbeirrt bis zum Ende. "Ich bin gesegnet, diese Trophäe wieder in der Hand zu halten", sagte er.

Djokovic setzte mit seinem Sieg die Serie der "Großen Drei" fort: Seit dem Erfolg von Stan Wawrinka (Schweiz) bei den US Open 2016 sind alle 13 Titel bei den vier großen Turnieren an Djokovic, Rafael Nadal (Spanien) oder Roger Federer (Schweiz) gegangen. "Es ist unwirklich, was ihr tut", sagte Thiem über Djokovic und dessen Team. "Ihr und die zwei anderen Großen, die Tennis auf ein neues Level gehoben haben. Ich bin stolz, dass ich diese Ära erleben darf."

Mit seinem 17. Grand-Slam-Titel hat Djokovic den Abstand zu Nadal (19) und Federer (20) verkürzt, darüber hinaus wird er am Montag die neue Nummer eins der Weltrangliste sein, vor Nadal, Federer und Thiem, der um eine Position nach vorne rückt. Der Österreicher verlor auch sein drittes Grand-Slam-Endspiel: 2018 und 2019 unterlag er bei den French Open in Paris, jeweils gegen Nadal. "Deine Zeit wird kommen, du hast noch Zeit, du wirst deine Grand-Slam-Trophäe bekommen, und noch viele mehr", sagte Djokovic zu Thiem.

Die Zeit für Kenin scheint bereits gekommen. In ihrer Kindheit war sie "ein paar Mal übersehen worden", wie sie berichtete, aber Aufgeben war offenkundig keine Option. "Ich wollte einfach das tun, was ich tun wollte", betonte sie. Und die gebürtige Moskauerin tut es rasant: Vor vier Jahren war sie die 620. der Weltrangliste gewesen, am Montag wird sie auf Rang sieben stehen. Einem weiteren Traum kommt sie damit immer näher. "Ich will die Nummer eins der Welt werden", hat Kenin gesagt. Damals, als sie noch ein Kind war.

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