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Wieder eine politische Botschaft: Mit umgedrehten Trikots und den Rückennummern nach vorne wollen Leon Goretzka, Joshua Kimmich, Manuel Neuer (v. l.) und ihre Kollegen vor dem Spiel auf die 30 Artikel in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte hinweisen.

Diskussion nach Shirt-Aktion

  • VonDPA
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(sid/dpa). Joshua Kimmich wollte sich mit einem Scherz aus der Affäre ziehen. »Dass von einem Hochglanzvideo die Rede ist, spricht doch für die Qualität unserer Kameraleute«, sagte er und lachte - die Diskussion über die Social-Media-Flankierung der an sich gelungenen Menschenrechtsaktion der deutschen Fußball-Nationalmannschaft war damit aber keineswegs abgeräumt.

Diente die vielbeachtete »HUMAN RIGHTS«-Botschaft in Richtung des WM-Gastgebers Katar am Ende doch nur dem Selbstzweck und Marketing? Joachim Löw wehrte sich energisch gegen diesen Eindruck. Er habe »einige Kommentare gelesen«, sagte er vor dem Qualifikationsspiel in Bukarest gegen Rumänien. Und die Meinungsstücke gefielen ihm so gar nicht: »Wenn jemand denkt, dass unsere Spieler, Manuel Neuer, Ilkay Gündogan, sich aus Marketinggründen vor so einen Karren spannen lassen, der irrt gewaltig«, betonte der Bundestrainer.

Die Verwertung als »Making of« der T-Shirt-Pinselei auf den Social-Media-Kanälen des Deutschen Fußball-Bundes war vielen sauer aufgestoßen. Löw versicherte, der Anstoß zur Meinungsäußerung sei »aus der Mannschaft selbst gekommen: »Nicht alles, was beim DFB passiert, ist negativ zu bewerten.« Kimmich pflichtete Löw bei. »Ich sehe uns in der Verantwortung, Dinge anzusprechen. Das haben wir versucht«, sagte der Mittelfeldspieler von Bayern München. Bei der Aufstellung für die Hymnen vor dem Spiel gegen Island (3:0) in Duisburg hatte jeder Nationalspieler ein schwarzes Shirt mit einem weißen Buchstaben getragen.

Kimmich wurde gefragt, ob nicht, wie es in Norwegen diskutiert wird, ein Boykott der Wüsten-Winter-WM das Mittel der Wahl zu sein habe. Der Profi verneinte: »Für einen WM-Boykott sind wir zehn Jahre zu spät dran«, sagte er. Nun gehe es nur noch darum, die Aufmerksamkeit auf Missstände zu lenken. Katar wird seit Jahren für die Ausbeutung von Arbeitsmigranten auch auf WM-Baustellen kritisiert.

Dies ist nun wieder in den Fokus gerückt, auch dank der Aktion der Nationalspieler, die dem Vorbild der norwegischen Mannschaft gefolgt waren. Die legte am Samstag nach: »Norwegen. Deutschland. Wer als nächstes?«, stand vor dem Spiel gegen die Türkei auf den Shirts - und dazu: »Human rights - On and off the pitch« (Menschenrechte - auf und neben dem Platz). Auch die Niederländer und Dänen machten mit: »Football Supports Change« (Fußball unterstützt Wandel) lautete jeweils die Botschaft auf den T-Shirts, die von den Niederländern und Dänen vor ihren jeweiligen Spielen vermittel wurde,

Und auch das deutsche Team setzte am Sonntag ein weiteres Zeichen. In Anlehnung an die 30 Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte drehten die Profis ihre Shirts um posierten mit ihren großen Rückennummern vorne für das obligatorische Mannschaftsfoto. »Wir für 30!«, twitterte der DFB dazu.

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