Rassismus in Portugal

Diesmal setzt ein Profi Zeichen

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(sid). Der portugiesische Staatspräsident wollte mit der Verurteilung des Rassismus-Eklats in der heimischen Fußball-Liga nicht bis zu seiner Rückkehr aus Indien warten. Marcelo Rebelo de Sousa belehrte seine Landsleute am Montagmorgen nach der Zwischenlandung in Dubai live im öffentlich-rechtlichen Fernsehen RTP: In solch grundlegenden Fragen "wollen wir keine Verlierer sein", sagte das Staatsoberhaupt.

Rebelo de Sousas Auftritt im Frühstücksfernsehen und seine "vehemente" Ablehnung von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung jedweder Art waren der vorläufige Höhepunkt des Falles Moussa Marega, der Portugal beschäftigt. Marega, dunkelhäutiger Stürmer aus Mali, war es am Sonntagabend im Auswärtsspiel des FC Porto bei Vitoria Guimaraes (2:1) leid gewesen, von den Heim-Fans als "Neger" oder "Affe" beschimpft zu werden - und verließ zehn Minuten nach seinem Siegtreffer das Feld (71.). Die Versuche von Mit- und Gegenspielern sowie seinem Trainer Sergio Conceicao, ihn daran zu hindern, wehrte der 28-Jährige brüsk ab. Bei seinem Abgang flogen Sitze, Marega senkte beide Daumen in Richtung Tribüne und zeigte dem Mob schließlich seine Mittelfinger. Später schimpfte der in Frankreich geborene Profi in einem Instagram-Post über die "Idioten, die ins Stadion kommen, nur um rassistische Parolen zu schreien". Auch mit den Unparteiischen rechnete er ab: "Ihr seid eine Schande." Der Schiedsrichter hatte ihn für seinen Torjubel, bei dem Marega auf seinen entblößten Unterarm gezeigt hatte, verwarnt. Bemühungen, die Fans zu beruhigen oder das Spiel abzubrechen, unterließ er. Dabei war Marega schon beim Warmmachen beleidigt worden.

Drittligist Preußen Münster hat unterdessen nach dem Rassismus-Vorfall gegen den Würzburger Leroy Kwadwo für den Täter, den die Zuschauer identifizierten, ein bundesweites Stadionverbot von drei Jahren verhängt. Außerdem will der Klub die vom DFB zu erwartende Geldstrafe auf den Mann umlegen.

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