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Bereits am Samstag holt sich Karl Geiger die Silbermedaille. DPA

Die Wohlfühloase

Einzel-Silber und Mixed-Gold: Karl Geigers Wunder-Winter setzte sich in Oberstdorf fort. Und er ist noch lange nicht vorbei.

Karl Geiger blickte bei der Siegerehrung am Fuße der Schattenbergschanze mit feuchten Augen hinab auf sein geliebtes Oberstdorf, wenige Meter entfernt schauten Ehefrau Franziska und Schwester Lucia zu. »Wahnsinn. Eine WM zu Hause wird es genau einmal in meiner Karriere geben. Und dann Silber - genial«, sagte Geiger nach seinem Skisprung-Coup vor der eigenen Haustüre.

Noch Mitte Februar hatte Geiger mit seiner Form gehadert, sechsmal in Folge verpasste er die Top 10. »Wenn die WM vor drei Wochen gewesen wäre, hätte ich mich genauso auf die Nase gelegt wie im Weltcup«, sagte der 28-Jährige. Doch in seiner Heimat, auf seiner Schanze, vor seinen Freunden »aus der Grundschule« fand er zurück zu alter Stärke.

Nur 180 Zentimeter fehlten zu Überraschungs-Weltmeister Piotr Zyla aus Polen, doch das war Geiger egal. Denn spätestens seit dem Flutlicht-Springen am Schattenberg ist sein Wunder-Winter perfekt. Was hatte er seit Dezember nicht alles schon erlebt: Gold bei der Skiflug-WM, die Geburt von Tochter Luisa, eine Corona-Quarantäne, der Tagessieg bei der Vierschanzentournee ebenfalls in Oberstdorf.

Und als wäre das alles noch nicht genug, folgte am Samstag als Krönung WM-Silber in seinem Geburtsort. Kein Wunder, dass die Freude riesig war. Das galt umso mehr 24 Stunden später im Mixed, in dem Geiger als Teil des DSV-Quartetts Gold holte.

Am lautesten jubelte Kumpel Markus Eisenbichler. Zwar zwingt Corona das »fliegende Doppelzimmer« derzeit zu Distanz, doch Großschanzen-Weltmeister Eisenbichler fiel dem »Kleinschanzen-Karle« strahlend um den Hals. Wohl auch, weil sein eigener, etwas enttäuschender 17. Platz dank Geiger zur Nebensache wurde.

Geiger wusste derweil, bei wem er sich als allererstes zu bedanken hatte: bei seiner Frau. Weil diese im OK-Team der WM mitarbeitet, durften sich beide noch an der Schanze um den Hals fallen. »Das hat mich unglaublich gefreut. Wir haben nichts gesagt, uns nur umarmt und ganz feste gedrückt«, sagte Geiger: »Die Unterstützung von zu Hause, das ist das, was zählt und im Endeffekt entscheidet.«

Das Gute ist: Die WM im eigenen Wohnzimmer ist noch lange nicht vorbei, weder für ihn noch für den Rest der deutschen Mannschaft. Denn auf der großen Schanze, wo Geiger im Dezember den Tournee-Tagessieg holte, stehen noch zwei Entscheidungen an. »Ich hoffe, dass jetzt der Stein ins Rollen kommt und der Knoten sich gelöst hat«, meinte Geiger, der vor zwei Jahren vom großen Bakken Silber hinter Eisenbichler gewonnen hatte. Und auch jetzt ist er sich sicher: »Da ist noch was drin.«

Viertes WM-Gold für das Team

Deutschlands Skisprung-Team hat derweil zum vierten Mal in Folge WM-Gold im Mixed-Wettbewerb gewonnen. Katharina Althaus, Markus Eisenbichler, Anna Rupprecht und eben Karl Geiger siegten nach acht Sprüngen in einem spannenden Wettkampf mit 1000,8 Punkten vor Norwegen (995,6) und Österreich (986,5). Für Gastgeber Deutschland war es die erste Goldmedaille bei den Titelkämpfen im Allgäu.

»Gold, und das daheim - ich freue mich riesig. Das ist mega mega cool«, sagte Lokalmatadorin Althaus, die im Einzel nicht über Rang zehn hinausgekommen war: Eisenbichler schrieb mit dem Triumph Geschichte: Für den 29-Jährigen ist es der fünfte WM-Titel seiner Karriere, damit überholt er den bisherigen deutschen Rekordhalter Martin Schmitt. Bei den Frauen hat Carina Vogt ebenfalls fünf Goldmedaillen gewonnen. In dem zum fünften Mal ausgetragenen Wettbewerb hieß der Sieger zum vierten Mal Deutschland, nur bei der WM-Premiere 2013 hatte Japan gewonnen.

So sehen Weltmeister aus (v. l.): Markus Eisenbichler, Katharina Althaus, Anna Rupprecht und Karl Geiger.

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