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Peng Shuai

Die totale Verwirrung

(dpa). Peng Shuais Lächeln friert ein, als die Fragen nach ihrem Wohlergehen und den Vorwürfen gegen einen chinesischen Spitzenpolitiker beginnen. Sichtlich nervös bestreitet die Tennisspielerin in dem improvisiert wirkenden Video-Interview, die Anschuldigungen eines sexuellen Übergriffs erhoben zu haben. »Ich muss einen Punkt betonen, der äußerst wichtig ist:

Ich habe niemals gesagt oder geschrieben, dass mich jemand sexuell angegriffen hat. Das muss ich mit Nachdruck feststellen.« Sie fühlt sich nach ihren Worten missverstanden.

Das Interview der chinesischen Zeitung »Lianhe Zaobao« aus Singapur sorgt am Montag für Aufsehen über die Sportwelt hinaus. Es ist das erste Mal seit Beginn der Kontroverse vor eineinhalb Monaten, dass sich Peng Shuai vor der Kamera öffentlich und direkt dazu geäußert hat. Die frühere Weltranglistenerste im Doppel hatte Anfang November im sozialen Netzwerk Weibo einen Post veröffentlicht, der als Vorwurf eines sexuellen Übergriffs durch das frühere Politbüromitglied, Ex-Vizepremier Zhang Gaoli (75), verstanden wurde. Der Post wurde bald danach gelöscht. Auch hatte die staatliche Zensur jede Debatte im chinesischen Internet darüber geblockt.

Das Video-Interview fand am Sonntag am Rande einer Skilanglauf-Veranstaltung in Shanghai statt, wo sie unter anderen in Begleitung des chinesischen Basketball-Stars Yao Ming war. Es war mit einem Handy aufgenommen, ist daher etwas wacklig. Die 35-Jährige verstand nicht alle Fragen, musste mehrfach nachhaken und sich sammeln. In dem Interview beschrieb Peng Shuai ihren Weibo-Post als »private Angelegenheit«. Bei Lesern seien möglicherweise »viele Missverständnisse« aufgetreten, sagte der Tennisstar.

Als Reaktion auf den Post hatten Sportler, Politiker und Menschenrechtler aus aller Welt ihre Sorge um das Wohlergehen der Tennisspielerin geäußert. Weil ihr die Signale aus China zum Schicksal von Peng Shuai nicht ausreichten, setzte die Damen-Tour WTA Anfang Dezember alle Turniere in China und Hongkong aus, obwohl China ein wichtiger Geldgeber ist.

Peng Shuai betonte in dem Interview, dass sie ungehindert in Peking lebe und nicht unter Aufsicht stehe: »Warum sollte mich jemand überwachen? Ich bin immer frei gewesen.« Auch ihre E-Mail an WTA-Chef Steve Simon von Mitte November habe sie aus freien Stücken geschrieben. Darin hatte sie betont, dass die Berichte über sie, »einschließlich des Vorwurfs der sexuellen Nötigung«, nicht wahr seien und dass es ihr gut gehe. Das Schreiben verstärkte die Besorgnis der WTA allerdings eher noch.

Auf die Frage, ob sie ins Ausland reisen wolle, verwies Peng Shuai darauf, dass sie nicht mehr aktiv Tennis spiele und wegen der Pandemie gegenwärtig auch nicht die Absicht habe, China zu verlassen: »Was soll ich jetzt da draußen machen?« Während die Fragestellerin nicht weiter auf die diskutierten Vorwürfe des sexuellen Übergriffs einging, fragte sie allerdings detailliert, ob Peng Shuai ihre E-Mail an die WTA auch selbst geschrieben habe.

Die »Lianhe Zaobao« ist die einzige chinesischsprachige Zeitung aus dem Ausland, die auch in China verkauft werden darf - somit also auch den Anforderungen der staatlichen Zensur entspricht. FOTO: IMAGO

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