Die Angst ist zurück

(sid). Kritik, Sorgen, sogar Angst um die Existenz: Die Rückkehr der Geisterspiele hat den deutschen Profisport angesichts vieler offener Fragen erneut in Alarmstimmung versetzt. Während im Freiluftsport Fußball neben Verständnis für die harten Einschnitte auch reichlich Verwunderung herrscht, bangen Profiklubs in Hallensportarten wie Basketball oder Eishockey sogar um ihre Existenz.

»Damit müssen wir erst einmal klarkommen«, sagte etwa Max Eberl und sprach von einem »Notspielbetrieb«, in den die Fußball-Bundesliga nun umschalten müsse. Der Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach ist gleich mehrfach betroffen: Der Klassiker zum Rückrunden-Auftakt bei Bayern München am 7. Januar 2022 wird sicher das erste Geisterspiel im neuen Jahr, danach warten zwei Heimspiele in Folge auf die Borussia und damit ein erneuter Millionen-Verlust.

Offiziell wird an jenem 7. Januar zwar neu entschieden, doch leere Stadien wird es mit großer Wahrscheinlichkeit noch deutlich länger geben. Borussia Dortmund etwa teilte bereits mit, dass das Heimspiel gegen den SC Freiburg am 14. Januar »betroffen sein könnte/dürfte«. Die kurze Frage nach dem »Wie lange?« beantwortete der BVB ähnlich knapp: »Wir wissen es nicht.«

Während die Deutsche Fußball Liga (DFL) den Schritt »bedauerlich, aber nachvollziehbar« nannte, gab es durchaus auch Kritik. Geschäftsführer Alexander Wehrle vom 1. FC Köln etwa betonte am Mittwoch auf Anfrage zwar, dass »die Stabilität des Gesundheitssystems über allem«, stehe. Gleichzeitig sagte er aber: »Alle Erkenntnisse, die uns von den Gesundheitsämtern vorliegen, sagen, dass es gerade bei Freiluftveranstaltungen keine Hotspots gegeben hat.«

Laut Wehrle muss der FC mit einem Umsatzverlust von 1,8 Millionen Euro pro Spiel rechnen. »Das bedeutet auch, dass wir in den nächsten Wochen und Monaten Maßnahmen ergreifen müssen, um diese Umsatzverluste zu kompensieren«, sagte er. Bayern München verliert bei jedem Heimspiel ohne Zuschauer sogar vier bis fünf Millionen Euro.

Viel härter trifft es aber die Klubs in Sportarten, die über weniger Eigenkapital und über keine ähnlich gut dotierten TV-Verträge verfügen wie die Fußball-Bundesligaklubs sowie noch stärker auf Ticketeinnahmen angewiesen sind.

Der neue Einschnitt »schlägt voll rein, die Folgen sind wirtschaftlich schlicht katastrophal«, sagte Geschäftsführer Stefan Holz von der Basketball Bundesliga (BBL): »Die Klubs haben mit bis zu 50 Prozent Zuschauern geplant - das Geld ist ausgegeben.«

Seine Bewertung der neuen Maßnahmen fällt dann auch ambivalent aus. »Auf der einen Seite verschließen wir natürlich nicht die Augen davor, was auf Deutschland wohl zukommt und logischerweise wird auch die BBL ihren Teil Verantwortung übernehmen«, sagte Holz.

Nach zwei Jahren sei es aber »schon frustrierend, dass der Profisport bei jeder Welle als erstes dran glauben muss. Das ist für mich keine Strategie«. Infektiologisch spreche nichts dagegen, zumindest einige getestete Personen mit FFP2-Masken in die Halle zu lassen.

Ähnlich groß sind die Sorgen bei den Eishockey-Kollegen. »Die Klubs werden irgendwie über die Saison kommen, aber viele Klubs sind für die Zukunft wirklich gefährdet«, sagte Geschäftsführer Gernot Tripcke von der Deutschen Eishockey Liga: »Die Solidarität der Fans und Sponsoren ist nicht unendlich. Für die gesamte Branche ist das extrem schädlich und macht alle Planungen zunichte.« Und ein Ende ist nicht in Sicht.

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