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Bundestrainer Alfred Gislason steht beim Qualifikationsturnier wie ein Fels in der Brandung und zeigt sich »extrem erleichtert« über das Olympia-Ticket.

Dickes Lob für Gislason

Mit der erfolgreichen Olympia-Qualifikation hat Alfred Gislason das erste Ziel als Bundestrainer erreicht. Der Isländer hielt beim Turnier in Berlin dem immensen Druck Stand und war der »Fels in der Brandung«.

Bei einem Glas Rotwein mit seiner Frau ließ Alfred Gislason das ungemein intensive Wochenende ausklingen. Auf seinem Hof im heimischen Wendgräben bei Magdeburg genoss der Handball-Bundestrainer die Ruhe nach dem Sturm. »Ich bin extrem erleichtert«, sagte Gislason.

All der Druck fiel von seinen Schultern, mit der erfolgreichen Olympia-Qualifikation ist seine erste Mission beim Deutschen Handball-Bund (DHB) erfüllt. »Ich wurde geholt, um das zu schaffen«, so Gislason, der das Amt beim DHB vor exakt einem Jahr mit dem klaren Olympia-Auftrag übernommen hatte: »Hätte ich es nicht geschafft, weiß ich, dass eine große Kritik auf mich niedergeprasselt wäre. Aber jetzt bin ich einfach stolz, mit dieser Mannschaft zu arbeiten und das geschafft zu haben.«

Gislason verkörperte bei dem Ausscheidungsturnier in Berlin genau das, was von ihm erwartet wird. Auch in kniffeligen Situationen wie der dramatischen Schlussphase gegen Vizeweltmeister Schweden (25:25) oder vor dem Schicksalsspiel gegen den EM-Vierten Slowenien (36:27) behielt der Isländer kühlen Kopf.

»Ein Spieler spürt, ob ein Trainer nervös und nicht sicher ist, oder ob er wie ein Fels in der Brandung steht«, sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning: »Das hat er gemacht. Damit konnte sich die Mannschaft auf den Sport konzentrieren.«

Langjährige Nationalspieler wie der wurfgewaltige Julius Kühn im Rückraum oder Torhüter Andreas Wolff kratzten nach langer Zeit mal wieder an ihrem Optimum. Die Rückkehrer Hendrik Pekeler und Steffen Weinhold verliehen dem Team enorme Stabilität. Der junge Kreisläufer Johannes Golla bestätigte seine gute Form von der WM, und Linksaußen Marcel Schiller spielte sich mit zwei ganz starken Auftritten gegen Schweden und Slowenien ebenso ins Rampenlicht wie auf dem rechten Flügel Timo Kastening.

Und so hoben auch die Spieler den Anteil Gislasons hervor. »Alfred ist ein alter Hund. Er weiß, wie das Geschäft läuft, ihn kann nichts mehr überraschen. Und das überträgt er auf die Mannschaft«, sagte Kastening. So habe das Team »in gewissen Stresssituationen« wieder zu seiner Sicherheit zurückgefunden.

Stress bedeutete das Wochenende in erster Linie aber für Gislason. Denn nach der historisch schlechten WM-Platzierung (Rang 12) musste er mit seinem Kader in Bestbesetzung jetzt liefern - auch, um für den Verband eine ernste sportliche Krise abzuwenden. Und Gislason lieferte.

Nach zwei Olympia-Teilnahmen als Spieler stand für den 61-Jährigen, der als Vereinscoach so ziemlich alles erlebt und gewonnen hat, die erste Qualifikation als Nationaltrainer an. »Für mich ist es eine große Sache, als Trainer zu Olympia zu kommen«, sagte Gislason, »gerade mit Deutschland, einem Land, in dem ich seit 30 Jahren wohne.«

Wer Gislason kennt - seine Akribie, seinen unbändigen Willen und seine beispiellose Titelgier - der weiß, dass er sich auf dem Erfolg keinesfalls ausruhen wird. Einen besseren Antrieb als den Traum von olympischem Edelmetall kann es für ihn kaum geben. Deutschland werde in Tokio zwar »nicht zu den großen Favoriten gehören«, sagte Gislason in Berlin, »aber wir werden unsere Möglichkeiten haben«.

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