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Deutsche Speed-Elite lahmt

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Der Schweizer Beat Feuz siegt auf der Streif. © AFP GmbH

(sid). Der schwer geschlagene Vize-Weltmeister Andreas Sander zittert nach dem bitteren Debakel auf der Streif um seinen Startplatz bei Olympia, Slalom-Ass Linus Straßer schimpfte zerknirscht auf den »Schweinsberg«. Und angesichts der heftigen Watschn in Kitzbühel wurde der deutsche Alpinchef Wolfgang Maier wenige Tage vor den Winterspielen deutlich.

Er frage sich, sagte Maier am Fuße der Streif, »ob sich die Athleten bewusst sind, dass hier immer die Limits gefordert sind«. Die großen WM-Erfolge vor elf Monaten mit drei Silbermedaillen und Bronze im Team-Event seien Vergangenheit, die Gegenwart wirkt grau. »Wir tun uns gesamtheitlich extrem schwer«, sagte Maier geknickt.

Wie der Boss vermisste auch ARD-Experte Felix Neureuther die letzte Risikofreude auf der diesmal in voller Länge gefahrenen schwierigsten Abfahrtsstrecke der Welt. »Wenn man sieht, wie frech und mit welcher Angriffslust ein Marco Odermatt da runterfährt«, sagte er über den zweitplatzierten Schweizer Wunderknaben, »das fehlt mir.« Insbesondere bei Sander.

»Ganz klar: Wenn man so eine Leistung bringt wie ich gerade, würde ich mich als Trainer auch nicht aufstellen«, sagte der WM-Zweite mit Blick auf die Olympia-Abfahrt am 6. Februar, bei der nur vier der fünf qualifizierten DSV-Athleten starten dürfen. »Die Form«, gestand er nach Platz 30 beim dritten Streif-Sieg des Schweizers Beat Feuz, »passt bei mir überhaupt nicht«.

Sander malte zugleich ein düsteres Gesamtbild. »Es war von allen eine schlechte Leistung«, sagte er. Romed Baumann, auf Rang 15 noch der beste DSV-Starter, wollte das so nicht stehen lassen. »Da muss ich noch mal mit dem Andi reden«, sagte er schmunzelnd und behauptete: »Ich bin nicht komplett im Nirwana unterwegs gewesen«. Wie es geht, machte Altmeister Feuz bei seinem ersten Saisonsieg vor. Mit einer taktisch klugen Fahrt hielt er seinen jungen Teamkollegen Odermatt auf Abstand (+0,21). »Wir hatten einen guten Plan - und der ist aufgegangen«, sagte er lapidar.

Den guten Plan hatte sich auch Straßer im Slalom zurechtgelegt, doch als er im Schneetreiben am Fuße des Ganslernhang angekommen war, schimpfte er: »Ich habe zu viel gebremst.« Und so war es der Sensationssieg von Dave Ryding, der erste im Weltcup für Großbritannien, der Neureuther »Pippi in den Augen« trieb.

Halbwegs zufrieden war der ARD-Experte nur mit Kira Weidle. Die WM-Zweite in der Abfahrt war mit Rang zehn bei der Rückkehr auf ihre Silberstrecke in Cortina d’Ampezzo nicht zufrieden. »Nur weil ich letztes Jahr gut gefahren bin, heißt es ja nicht, dass ich auch dieses Jahr gut fahre«, sagte sie. Tags darauf gefiel sie als Zwölfte mit ihrem besten Resultat in einem Super-G. Olympiasiegerin Sofia Goggia aus Italien gewann die Abfahrt, stürzte im Super-G allerdings schwer und verletzte sich am linke Knie.

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