Deutsche Equipe schielt nach Gold

(sid), Otto Becker hatte ein zufriedenes Lächeln im Gesicht. »Wir sind in einer guten Position, alle sind sensationell geritten, die Stimmung ist gut, was will man mehr«, sagte der Bundestrainer der deutschen Springreiter. Im Nationenpreis der EM in Riesenbeck liegt seine Equipe zur Halbzeit auf Platz zwei mit drei Punkten Rückstand auf die führenden Schweizer und drei Punkten Vorsprung auf den drittplatzierten Olympiasieger Schweden.

»Damit kann man doch arbeiten«, sagte Becker.

Nur einer war enttäuscht und versuchte auch gar nicht, das zu verbergen. Teamdebütant David Will (Marburg), mit dem 13-jährigen Holsteiner Wallach C-Vier am Mittwoch sensationell Sieger des Zeitspringens, riss am vorletzten Hindernis, ein »leichter, ärgerlicher Fehler«, der die bis dahin führende deutsche Mannschaft auf Platz zwei zurückwarf. Er sei wahrscheinlich »mit dem Kopf schon am letzten Sprung gewesen«, sagte Will: »Und sowas rächt sich oft.«

Im Kampf um die Medaillen dürften die Gastgeber im entscheidenden zweiten Umlauf am Freitag (ab 13.00) allerdings ein gewichtiges Wörtchen mitreden. Zwei Nullrunden von Startreiter Andre Thieme (Plau am See) mit Chakaria und Lokalmatador Christian Kukuk mit Mumbai und ein Abwurf von Will geben durchaus berechtigten Anlass zu Titelträumen. Das Streichresultat liefert am Donnerstag Routinier Marcus Ehning (Borken), der alle Hände voll zu tun hatte, um seinen wild auskeilenden Hengst Stargold unter Kontrolle zu halten. »Ich hab mich schon unten gesehen«, sagte Ehning, »ich hab keine Ahnung, was mit ihm los war. Stargold riss an der Triplebarre, zudem kassierte Ehning einen Zeitfehler, was ihn extrem nervte: »Das passiert uns eigentlich nie.«

Als Startreiter hatte es Andre Thieme besser gemacht, mit der geschmeidigen und springstarken Stute Chakaria kam er ohne Fehler aus dem Parcours. »Eine Nullrunde ist immer ein geiles Gefühl«, sagte der 46-Jährige, »aber bei so einem großen Championat ist es noch mal sehr speziell.« Lautstark gefeiert wurde Thieme auf der Tribüne von Fußballern seiner Alt-Herren-Mannschaft. »Egal, wo ich im Parcours gerade war, ich habe immer 15 blaue T-Shirts gesehen«, erzählte er grinsend.

Nach Ehnings etwas missglückter Runde blieb auch Christian Kukuk fehlerfrei. Er kennt sich auf der vom viermaligen Olympiasieger Ludger Beerbaum perfekt präparierten Anlage in Riesenbeck bestens aus, als Bereiter steht er bei Beerbaum im Sold. »Mal ganz cool« fand er seine Runde: »Ich hatte die ganze Zeit ein total sicheres Gefühl.« In der Tageseinzelwertung belegte Kukuk am Donnerstag Platz zwei hinter 2019-Europameister Martin Fuchs (Schweiz).

Der zweite Umlauf, in dem die Mannschafts-Medaillen vergeben werden, findet am Freitag (ab 13.00) statt.

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