Eine ganz starke Partie zeigt Deutschlands Rechtsaußen Timo Kastening, der sechs Treffer beim 31:23-Erfolg über Weißrussland erzielt. FOTO: DPA
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Eine ganz starke Partie zeigt Deutschlands Rechtsaußen Timo Kastening, der sechs Treffer beim 31:23-Erfolg über Weißrussland erzielt. FOTO: DPA

Deutliche Steigerung

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Nach der größtenteils verkorksten Hauptrunde treten die deutschen Handballer zum Start der nächsten EM-Phase wie verwandelt auf. Mit dem verdienten Sieg gegen Weißrussland bleibt das angepeilte Ziel in Reichweite - weil viele Sachen anders laufen als zuletzt.

Bundestrainer Christian Prokop fand in der Wiener Stadthalle sein Lächeln wieder, Torwart Andreas Wolff ließ sich mit weißem Handtuch um den Hals von den deutschen Fans für eine teils überragende Leistung feiern. Die deutschen Handballer haben bei der Europameisterschaft eine Trotzreaktion gezeigt und einen gelungenen Start in die Hauptrunde hingelegt. Angetrieben von zahlreichen deutschen Fans in Wien setzte sich die DHB-Auswahl am Donnerstagabend mit 31:23 (18:11) gegen Weißrussland durch und wahrte damit die Chance auf das Halbfinale. Der starke Timo Kastening war mit sechs Toren bester Werfer des Teams von Bundestrainer Christian Prokop.

"Wir haben eine deutliche Leistungssteigerung in allen Mannschaftsteilen gezeigt. Deshalb bin ich zufrieden", sagte der Coach. "Die Deckung sollte heute mit 100 Prozent Engagement spielen, das ist uns gelungen", unterstrich er. Zeigt die deutsche Mannschaft im zweiten Hauptrunden-Spiel am Samstag (20.30 Uhr/ZDF) gegen die noch verlustpunktfreien Kroaten eine ähnlich energiegeladene Leistung, ist auch ein Erfolg im Schlüsselspiel drin. "Wir haben alle super gefightet und die Leichtigkeit wiedergefunden. Das war der Schlüssel zum Sieg", sagte Kastening, der zum "Man of the Match" gewählt wurde. Auch Torhüter Andreas Wolff sprach von einer gravierenden Steigerung: "Ich habe die Klappe vor dem Spiel nicht so groß aufgerissen und die Route befolgt: Jeder kehrt vor der eignen Haustür." Und er setzte hinzu: "Das Halbfinale bleibt unser Ziel. Gegen die Kroatien wird eine fantastische Stimmung herrschen."

Selbst ein Halbzeit-Fauxpas brachte die wie verwandelt wirkende DHB-Auswahl gegen die Weißrussen nicht aus dem Tritt. Rückraumschütze Julius Kühn war kurz vor Beginn der zweiten Hälfte in der Kabine vergessen worden und wurde eingeschlossen. Kühn habe dann von innen geklopft und wurde rausgelassen, berichtete die ARD.

Die deutsche Mannschaft legte los, als hätte sie Emotionen und Leidenschaft auf der Reise von Trondheim in die österreichische Hauptstadt in einem vorher verschlossenen Koffer wiedergefunden. Anders als in der schwachen Vorrunde wurde jede gelungene Aktion von Spielern und Trainerteam energisch bejubelt. Prokop setzte im Tor von Beginn an wieder auf Wolff, und nach anfänglichen Schwierigkeiten steigerte sich der 28-Jährige im Vergleich zur Vorrunde deutlich. Auch der Abwehrverbund um Hendrik Pekeler und Patrick Wiencek stand viel sicherer als zuletzt - was die Grundlage für zahlreiche Tempogegenstöße bildete. In der Offensive verwandelte Kastening jeden seiner Würfe.

Wieso die DHB-Auswahl allerdings erst zum Start in die Hauptrunde zeigte, wozu sie fähig ist, wird ihr Geheimnis bleiben. Vielleicht lag es an den deutschen Fans, die ihr Team immer wieder anfeuerten. Möglicherweise zeigten auch die Aussprachen nach dem Zittersieg gegen Lettland Wirkung.

Weißrussland: Saldatsenka, Maskewitsch; Kulesch (6), Schilowitsch (4), Vailupau (4/2), Karalek (3), Nikulenkau (1), Yurynok (1), Brouka (1), Gayduschenko (1), Patschivalau (1), Baranau (1/1).

Deutschland: Wolff (Kielce), Bitter (Stuttgart); Kastening (Hannover/6), Kühn (Melsungen/4), Weber (Leipzig/4), Gensheimer (Rhein-Neckar Löwen/3), Häfner (Melsungen/2), Golla (Flensburg/2), Pekeler (Kiel/2), Reichmann (Melsungen/2/1), Drux (Berlin/1), Schmidt (Stuttgart/1), Wiencek (Kiel/1), Kohlbacher (Rhein-Neckar Löwen/1), Zieker (Stuttgart/1), Böhm (Hannover/1).

Im Stenogramm: Schiedsrichter: Kurtagic/Wetterwik (Schweden). - Zeitstrafen: 6:8 Min. - Siebenmeter: 3/3:1/1. - Zuschauer in Wien: 5500.

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