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Desolate Dortmunder

  • vonSID
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Borussia Dortmund ist sich mal wieder selbst ein Rätsel. Nach dem dürftigen Auftritt in der Champions League bei Lazio Rom steigt der Druck. Beste Laue herrscht hingegen bei RB Leipzig - dank eines kleinen "Spielkinds".

Lucien Favre ist normalerweise in allen wilden Fahrwassern des Lebens ein sehr besonnener Mann. Dieser desolate, rätselhaft wehrlose Auftritt seiner Fußballer ließ aber auch den Trainer von Borussia Dortmund aus der Haut fahren. "Wir waren gar nicht da", schimpfte Favre nach dem 1:3 (0:2) des BVB zum Champions-League-Auftakt bei Lazio Rom, bevor es gegen Mitternacht mit Polizeieskorte zum Flughafen ging: "Zu verteidigen, zu laufen, das hat gefehlt. Das war schlecht. Viele waren nicht gut."

Ganz anders, nämlich viel, viel besser war die Stimmung bei RB Leipzig. Trainer Julian Nagelsmann strich dem kleinen Angelino mit beiden Händen liebevoll über die Glatze und grinste etwas schelmisch. Er bedankte sich nach dem 2:0 (2:0) gegen Istanbul Basaksehir auf besondere Art beim Doppelpack-Schützen. Der Spanier hatte Leipzig in der Hammergruppe H nicht nur den wichtigen Sieg zum Start gesichert, er zeigte auch ungeahnte Stürmerqualitäten.

Der BVB hingegen ist sich schon nach dem ersten internationalen Härtetest wie so oft selbst ein Rätsel - und das in der Woche vor dem Liga-Revierderby gegen Schalke 04 am Samstag (18.30 Uhr/Sky). "Wenn wir uns so anstellen, dann wird’s nichts werden. Das wird ein ganz anderer Fight", sagte Lizenzspielerchef Sebastian Kehl zum Abschluss einer vernichtenden zweiminütigen Generalkritik.

Spieler außer Form, keinerlei Wucht in den Zweikämpfen, zögerliches, viel zu zahmes Auftreten ohne Galle: Die Hochtalentierten wurden von Lazio und dem einstigen Dortmunder Transferflop Ciro Immobile, der nach fünf Jahren süße, späte Rache nahm, abgekocht. "So darf man sich definitiv nicht präsentieren", urteilte Kehl, "das war richtig desolat. Es gibt wenige Spieler, die in der ersten Halbzeit annähernd an ihre Leistungsgrenze gegangen sind."

Zum zweiten Mal in der jungen Saison nach dem 0:2 beim FC Augsburg hatten die Verantwortlichen dafür keine Erklärung. Es ist die Art von titelverhindernden Niederlagen, die den BVB seit Jahren heimsuchen, gegen physisch starke Teams, die entschlossen spielen. "Wir haben alles vermissen lassen", sagte Marco Reus vor dem Heimflug frustriert. Die alljährlich aufflammende Mentalitätsdebatte lugt bereits um die Ecke.

Davon kann in Leipzig keine Rede sein. Vor allem der 1,71-m-Wirbelwind Angelino verzückte Fans und Trainer gleichermaßen. "Er verkörpert einen Spieler, den ich liebe, weil er in der Lage ist, mehrere Positionen zu spielen", sagte Nagelsmann. Der Leihspieler von Manchester City war zuletzt schon in der Bundesliga mit zwei Kopfballtoren aufgefallen. Ihn zeichne eine besondere Mentalität aus, sagte Nagelsmann: "Das ist ein Spieler, der immer gewinnen will, wie so ein Spielkind."

Angelino selbst profitierte davon, dass er weiter vorne spielte. "Daran haben wir viel gearbeitet", sagte der Linksfuß. Beim 1:0 legte er sich den Ball selbst mit der Hacke vor, schloss aus der Drehung ab. "Das geht Richtung Weltklasse", schwärmte Nagelsmann.

Basaksehir hatte diese Abschlussstärke nicht auf dem Schirm. Für Teamkollege Yussuf Poulsen gilt Angelino zwar noch nicht als Mittelstürmer, "aber als Außenstürmer schon", sagte der Däne. Angeblich soll für den flexiblen und weitgereisten Profi eine Kaufverpflichtung nach zwölf Einsätzen greifen. "Es gibt die Möglichkeit, dass er länger bei uns bleibt", deutete Sportdirektor Markus Krösche jedenfalls an.

Für den nächsten Auftritt bei Manchester United forderte Nagelsmann dann aber auch eine nochmalige Steigerung. Die ist beim BVB gegen Zenit St. Petersburg sowieso unerlässlich.

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