imago1002993234h_050621_4c
+
Prächtige Stimmung: Penalty-Trickser Marcel Noebels, Moritz Müller und Jonas Müller (v. l.) wollen sich den Traum von WM-Gold erfüllen.

Der nächste Schritt

  • VonRedaktion
    schließen

Drei Jahre nach der Silber-Sensation bei Olympia greift das deutsche Eishockey-Team auch bei der WM in Riga nach einer Medaille. Halbfinal-Gegner heute ist Titelverteidiger Finnland.

Vor fünf Jahren beschloss Toni Söderholm, Trainer zu werden. Dem EHC München hatte er als Verteidiger zur ersten Meisterschaft verholfen, in seiner einzigen Saison in der Deutschen Eishockey-Liga. »Es ist immer wieder ein kleines Wunder, wie eine Mannschaft sich formt«, dachte er damals und sagt es jetzt in der Rückschau, »das mitzuerleben ist unglaublich schön. Und genau das ist der Grund, warum ich als Trainer angefangen habe.«

Er erlebt sein Trainerglück nun als ranghöchster Coach im deutschen Eishockey, als Bundestrainer. Der große Moment war vordergründig der 3:2-Sieg nach Penaltyschießen im Viertelfinale gegen die Schweiz und damit verbunden der Einzug ins Halbfinale gegen Finnland (heute, 17.15 Uhr/Sport1), doch noch mehr fühlte sich Söderholm durch ein paar Sekunden bestätigte, die er mit seinem Kapitän Moritz Müller nach dem 2:1 zum Vorrundenabschluss über Lettland verbracht hatte. Die Mannschaft hatte sich mit dem knappen Sieg über die Hauptrunde hinaus gerettet und das Minimalziel erreicht. Befreit sangen die Spieler die Hymne, die beim Eishockey erst nach der Partie und nur für den Gewinner gespielt wird. Söderholm gratulierte nachher in der Kabine Moritz Müller: »Mo schaute mir in die Augen und sagte: ›Wenn wir so weiterspielen, reicht es nicht.‹ Und da hatte ich gemerkt: Der nächste Schritt ist da.«

Eigene Ansprüche sind gewachsen

Die Mannschaft hatte aus sich heraus zu sich gefunden. Voraussetzung dafür, dass auch gegen die Schweiz, die als potenzieller Weltmeister gehypt wurde, ein Spiel wie dieses möglich war: Diszipliniert bleiben, sich nicht brechen lassen von einem 0:2-Rückstand und Schiedsrichterentscheidungen, die teils lächerlich einseitig waren. Söderholm sah, dass die Spieler fokussiert blieben. Er und seine Assistenten konnten sich auf taktische Anweisungen konzentrieren. Was die Mentalität betrifft, sagt Söderholm, »waren wir Trainer nur Passagiere«. Der Finne, der als Sohn eines BMW-Managers schon einige Zeit als Kind in München verbracht hatte und exzellent Deutsch spricht, redet oft in Bildern.

Was er sich für die WM wünschen würde, fragte ihn Sport1-Experte Rick Goldmann kürzlich für ein Film-Feature, das vor der WM aufgenommen wurde. Söderholm antwortete: »Gold.« Er glaubt eben, dass das bei dieser WM möglich sein kann. Die anderen Mannschaften mit weniger NHL-Verstärkung als sonst etwas schwächer und die eigene stimmig zusammengestellt. »Wir standen eng beieinander, die Körpertemperatur war bei jedem am Glühen«, beschreibt Moritz Seider die Stimmung während des Penaltyschießens. Dominik Kahun proklamiert: »Unser Spirit macht uns so gut - das erinnert mich ganz ehrlich an 2018.« An Olympia-Silber, den Erfolg, der die Wahrnehmung zumindest im eigenen Land veränderte. In anderen (noch) nicht so nachhaltig. »Unser Eishockey wird immer besser«, findet Marcel Noebels, der Penalty-Trickser aus dem Schweiz-Spiel, »wenn man sich aber umhört, sind wir nie unter den Favoriten. Die Schweiz hielt uns für den schwächsten Gegner.« Moritz Seider, auf dem Sprung in die NHL, glaubt: »Wir werden auch in den nächsten Jahren um die Medaillen spielen können.« Auch Söderholm hat sich in diese Richtung festgelegt: Für seinen Geschmack lagen nach dem 3:1 über Kanada im dritten Spiel der Hauptrunde zu viele emotionale Aspekte in der Beurteilung des Ergebnisses. »Wir müssen lernen, dass solche Siege das neue Normal sind«, sagt er.

Was das Aufeinandertreffen mit Finnland, seinem Heimatland, betrifft: Bei den Weltmeisterschafte 2018 und 2019 gewann Deutschland, vor einer Woche in Riga unterlag man 1:2, kam mit der Abwehrstruktur der Finnen nicht klar und zu lediglich 13 Torschüssen. Es ist Raum für Verbesserung und Wachstum. Und die Hoffnung auf das Wunder der Mannschaftsformung.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare