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Die Enttäuschung bei Timothy Chandler und der Eintracht ist groß.

Der nächste Rückschlag

  • VonRedaktion
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Eine blutleere Eintracht kommt gegen Mainz 05 nicht über ein 1:1 hinaus und muss Borussia Dortmund vorbeiziehen lassen. Die Frankfurter haben die Qualifikation für die Champions League nun nicht mehr in der eigenen Hand.

Als Schiedsrichter Felix Brych die Hochleistungssportler aus Frankfurt und Mainz Mitte der zweiten Hälfte zur zweiten Trinkpause bat, da hatte Martin Hinteregger nicht die rechte Lust, die 70, 80 Meter zur Trainerbank zurückzulegen. Die Unterbrechung fand das Unikum in der Eintracht-Abwehr nicht so dufte, schließlich lag sein uninspiriertes Team schon lange mit 0:1 hinten gegen diesen biestigen Mainzer. Also hockte sich der 28-Jährige lieber im Fünfmeterraum auf den Spielball und hielt ein Schwätzchen mit Keeper Kevin Trapp. Motto: Lass die anderen mal quatschen. Die anderen schienen des Trainers Worte eher gleichmütig über sich ergehen zu lassen.

Hinteregger aber war es, der irgendwann spürte, dass dieses Duell gegen den giftigen Nachbarn ganz sicher verloren ginge, wenn nicht ein wenig mehr Emotionalität ins Spiel getragen würde. Also pflaumte er kurz nach dem Seitenwechsel erst einmal Mitspieler Durm an. Später ließ er sich noch auf eine Rudelbildung mit zwei Mainzern ein. Da wollte einer wachrütteln, weil doch aus Sicht der Hessen vieles nicht lief, wie es eigentlich laufen sollte oder vor Wochen gelaufen war.

Hrustic trifft

Am Ende konnte die Eintracht, die einen fußballerisch bedenklichen und auch sonst seltsam blutleeren Auftritt hinlegte, froh sein, dass sie noch einen Punkt ergatterte gegen tiefstehende Mainzer, die den Klassenerhalt nun praktisch sicher haben. Der eingewechselte Selten-Spieler Ajdin Hrustic (86.) glich die frühe Mainzer Führung durch Karim Onisiwo (11.) spät und spektakulär mit einem Heber im Liegen aus.

Für die Eintracht bedeutet das Remis einen kapitalen Rückschlag im Kampf um die Champions League, sie hat binnen weniger Wochen eine nahezu perfekte Ausgangslage und sieben Punkte Vorsprung auf Dortmund verspielt. Der BVB rangiert jetzt einen Zähler vor den Frankfurtern, die aus den zurückliegenden vier Partien lediglich vier Punkte geholt haben.

Die Eintracht befindet sich im Sinkflug, die Königsklasse ist zwei Spieltage vor Schluss aus eigener Kraft nicht mehr zu erreichen. Die Hessen müssen auf Ausrutscher der Konkurrenten aus Wolfsburg, vor allem aber aus Dortmund hoffen. Sie selbst müssen ihre beiden Partien, auf Schalke und gegen Freiburg, gewinnen.

»Das Unangenehme ist, dass wir den Vorsprung verspielt und es jetzt nicht mehr in der eigenen Hand haben«, sagte Cheftrainer Adi Hütter. Der 51-Jährige betonte überraschenderweise, dass die Mannschaft zeitweise womöglich »über ihre Verhältnisse« gespielt habe. Zwei Spieltage vor Schluss ist das eine fast schon abenteuerliche Aussage, zumal es gerade Hütter war, der immer betonte, dass das Ensemble völlig zu Recht dort stehe, wo es verortet war.

Zur Wahrheit gehört, dass etwas zerbrochen zu sein scheint im Verhältnis zwischen Mannschaft und Coach, seit der Wechsel von Hütter zu Borussia Mönchengladbach öffentlich gemacht wurde. Kann es Zufall sein, dass die Mannschaft seitdem nicht nur bescheidende Resultate einfährt, sondern auch kein einziges überzeugendes Spiel mehr abgeliefert hat?

Younes kommt spät

Zumal der Trainer mit einigen Personalentscheidungen daneben liegt. In Nibelungentreue stellte er erneut Luka Jovic auf und ließ Amin Younes auf der Bank. Jovic enttäuschte wieder, zu allem Überfluss wechselte der Coach den Spielmacher Younes abermals erst spät, nach 64 Minuten, ein. Der Nationalspieler brachte erneut Belebung und bereitete den Ausgleich vor. Wieso, weshalb, warum? Das versteht selbst intern niemand mehr. Die Kritik am Trainer ist deutlich vernehmbar.

Hütter hat das gemacht, was Trainer in seiner Situation gerne tun, das bisher Erreichte als Erfolg zu verkaufen. »Ich glaube, dass wir sehr viel gewonnen haben. Wir sind schon international dabei - im schlimmsten Fall werden wir Fünfter, da könnten wir immer noch von einer sehr guten Saison sprechen.« Das ist unter normalen Umständen korrekt, aber nicht vor dem Hintergrund der letzten vier Wochen, dem Verspielen des Vorsprungs, den matten Leistungen und dem Theater, für das der Trainer die Verantwortung trägt.

So bleibt es dabei, dass die Mannschaft es für sich selbst regeln muss, aber da scheinen jetzt auch viele Einzelinteressen das große Ganze zu gefährden. Oder es kommt doch noch zum fröhlichen Ende, denn letztlich ist es so, wie es Philosoph Makoto Hasebe ganz banal ausdrückte: »Im Fußball ist alles möglich.«

Artistisch: Ajdin Hrustic (hinten sein Ex-Kollege Dominik Kohr) erzielt für die Eintracht den 1:1-Endstand.

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