Der letzte Formcheck

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(sid). Als die Nachricht von den olympischen »Geisterspielen« mitten in den Medientermin platzte, pustete Uwe Gensheimer erst einmal tief durch. »Klar spielen wir alle lieber vor Zuschauern«, sagte der Kapitän der deutschen Handballer mit betretener Miene. Aber man müsse die Entscheidung akzeptieren. »Wir hoffen, dass trotzdem alles glattläuft und wir erfolgreich spielen werden.

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Wenige Minuten zuvor hatte Bundestrainer Alfred Gislason noch über seine Vorfreude auf Tokio gesprochen und dass es »extrem schade wäre, wenn wir jetzt doch vor leeren Rängen spielen müssten. Wir hoffen das Beste«. Doch um kurz nach 15 Uhr holte ihn die Realität ein. Gislason, der seit seinem Amtsantritt vor 16 Monaten noch kein einziges Spiel vor Zuschauern erlebt hat, wird nach der WM im Januar nun auch sein zweites Großereignis vor Geisterkulisse erleben. In den Genuss eines Handballspiels vor Fans kommt der Isländer immerhin noch einmal beim Olympia-Formcheck am Wochenende. Die Partien gegen Brasilien heute (20.15 Uhr) und am Sonntag gegen Ägypten (15.05 Uhr/beide Sport1) werden vor bis zu 1000 Zuschauern in Nürnberg ausgetragen.

Es sind die ersten und zugleich letzten Testspiele der ersten Vorbereitungsphase auf die Olympischen Spiele. Am Mittwoch reist das deutsche Team nach Japan, bevor am 24. Juli der Medaillenkampf beginnt. »Bei zwei Wochen Vorbereitung und zwei Testspielen, die du hast, bevor es zur Sache geht, sind solche Spiele natürlich sehr wichtig«, betonte Gensheimer. Verzichten muss die DHB-Auswahl heute »höchstwahrscheinlich« auf ihren Spielmacher Philipp Weber. Der Rückraumspieler vom SC Magdeburg laboriert an einer Muskelverhärtung in der Wade. »Es sieht momentan so aus, dass er nicht dabei sein kann«, sagte Gislason am Donnerstagnachmittag, bezeichnete den Ausfall aber als »nicht so tragisch«.

Während Nationen wie Europameister Spanien oder Rekordweltmeister Frankreich, zwei der fünf hochkarätigen Gruppengegner in Tokio, sich bereits seit Wochen auf den Saisonhöhepunkt vorbereiten, mussten die deutschen Stars noch bis Ende Juni in der Bundesliga ran. Sechs Tage blieben den Nationalspielern, um zu regenerieren. »Das ist nicht viel«, sagt Steffen Weinhold. Doch der Rückraumspieler vom THW Kiel versucht wie seine Teamkollegen, die Belastung so gut es geht wegzudrücken: »Wenn man mental Lust drauf hat, kann man mit dem Kopf einiges Überspielen.«

Und an ihrer Lust auf Olympia ließen Gensheimer und Co. in den Tagen ihres Trainingscamps in Herzogenaurach keine Zweifel. »Man spürt die gleiche Vorfreude wie vor fünf Jahren«, sagte der Berliner Paul Drux, einer von zehn Bronzemedaillen-Gewinnern von 2016.

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