Der Eintracht reicht ein Punkt

Das letzte Mal, als Eintracht Frankfurt zu Gast bei Fenerbahce Istanbul am Bosporus war, sah es lange Zeit nach einem Coup aus. Der hessische Vertreter im UEFA-Cup (so hieß der Wettbewerb 2006 noch) führte 2:0 vor 50 000 frenetischen Fans; Naohiro Takahara hatte einen Doppelpack geschnürt, und die Eintracht, damals noch deutlich kleiner als heute, schien in Istanbul tatsächlich die Gruppenphase zu überstehen.

Doch dann versagten die Nerven. Die Türken drehten das Spiel: 1:2 nach 64, Ausgleich nach 82 Minuten. 2:2, Ende. Die Eintracht musste nach der Gruppenphase die Segel streichen, obwohl Trainer Friedhelm Funkel vor Stolz fast platzte: »Jeder hat um sein Leben gekämpft und den Adler in der Brust getragen.«

Wenn Eintracht Frankfurt am Donnerstag (18.45 Uhr/RTL+) fast auf den Tag genau 15 Jahre später im letzten Gruppenspiel der Europa League wieder in Istanbul aufschlägt, sind die Vorzeichen gänzlich anders. Die Eintracht ist längst nicht mehr das kleine Licht, sie reist als Tabellenführer in die Metropole zwischen den Kontinenten, Fenerbahce steigt als Dritter in die Conference League ab - das steht schon fest, unabhängig vom Ausgang des Spiels. Die Frankfurter wollen den Spitzenplatz in der Gruppe verteidigen, weil sie dadurch direkt ins Achtelfinale einziehen und die K.-o.-Runde umgehen würden. Das würde zwei Spiele sparen, und Trainer Oliver Glasner hätte mehr Trainingszeit mit seinem Team.

Und schließlich geht es natürlich auch noch um Prämien für die Spieler und Kohle für den Klub. Ein zusätzlicher Sieg würde nochmals 630 000 Euro bringen, der Gruppensieg 1,1 Millionen Euro und die Qualifikation fürs Achtelfinale 1,2 Millionen Euro - von anderen Zuwendungen, etwa aus dem Marktpool, mal abgesehen.

Von daher wird die Eintracht dieses Spiel gewiss nicht auf die leichte Schulter nehmen oder mit einer besseren B-Elf antreten, was Glasner sicher so gehandhabt hätte, wenn sein Team den ersten Matchball gegen Antwerpen beim Last-Minute-2:2 verwandelt hätte. Den Frankfurtern reicht im Fernduell mit Olympiakos Piräus ein Punkt in Istanbul.

Trotzdem wäre es sinnvoll, wenn der Trainer ein bisschen rotieren würde. Zuletzt schickte er binnen 14 Tagen viermal dieselbe Elf ins Rennen. Bei der 2:3-Niederlage in Hoffenheim schienen einige Spieler nicht mehr ganz so frisch. So könnte Martin Hinteregger für Oldie Makoto Hasebe in die Mitte des Abwehrverbundes rücken. Denkbar wäre auch, dass Kapitän Sebastian Rode mal von Beginn an randarf. Für ihn könnten Djibril Sow oder Kristijan Jakic mal kürzertreten. Für Jesper Lindström könnte der in Hoffenheim umtriebige Jens Petter Hauge einspringen, und vorne hätte sich Goncalo Paciencia einen längeren Einsatz verdient. Und gewiss sollte Timothy Chandler auf der rechten Bahn mal abgelöst werden, er trat zuletzt uninspiriert auf. Almamy Touré wäre der erste Vertreter. INGO DURSTEWITZ

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