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DFB-Interimspräsident Rainer Koch gerät immer mehr in Bedrängnis.

Der Druck wächst

  • VonDPA
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Die beiden großen deutschen Sportverbände stecken in einer tiefen Krise. Der DOSB ist einen Schritt weiter als der DFB und hat vorgezogene Neuwahlen im Dezember angekündigt. Doch nun werden auch die Rufe nach einem vorgezogenen Bundestag der Fußballer lauter.

Nach den Turbulenzen um die Ethikkommission des Deutschen Fußball-Bundes werden die Rufe nach einem vorgezogenen Bundestag immer lauter. »Es wäre schlicht nicht verständlich, wenn der DFB nach dieser erneuten Eskalation mit seinem Bundestag noch bis ins erste Quartal 2022 wartet. Es sollte jetzt schnell Platz für grundlegende Veränderungen und eine offene Diskussion geschaffen werden«, sagte Niedersachsens Innen- und Sportminister Boris Pistorius (SPD) der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« (Freitag).

Die Initiative »Fußball kann mehr« bezeichnete die Vorgänge rund um die Ethikkommission als einen weiteren Beleg interessengeleiteter Machtausübung. »Umso wichtiger ist ein schnellstmöglicher DFB-Bundestag, der aufzeigt, ob sich eine Mehrheit von dieser Führung repräsentiert fühlt oder ob es mehr Menschen gibt, die eine Erneuerung wollen«, sagt Katja Kraus stellvertretend für die Gruppe.

Die Repräsentanten des Verbandes sehen das anders. Interimspräsident Rainer Koch hat die Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Führungswechsel und den Rücktritten fast aller Mitglieder der Ethikkommission zurückgewiesen. »Das war ein völlig korrekter Vorgang, eine absolut korrekte Wahl. Weder haben wir als DFB-Präsidium noch ich persönlich dafür gesorgt, dass über bestimmte Personen nicht abgestimmt werden soll«, so Koch. Der DFB wird nach dem Rücktritt von Fritz Keller von Koch und Peter Peters geführt. Die neue Führung soll beim für Anfang 2022 geplanten Bundestag gewählt werden. Doch nach den neuen Turbulenzen um die Wahl der Personalberaterin Irina Kummert zur Vorsitzenden der Ethikkommission könnte sich dies beschleunigen.

»Spätestens jetzt sollten die Letzten merken, dass es beim DFB nicht mehr so weitergehen kann wie bisher. Das Machtgebaren, lieber die eigene Ethikkommission zu zerlegen, als sich berechtigten Fragen der eigenen Verantwortung zu stellen und etwas zu verändern, ist augenfällig«, sagte Pistorius. »Als Sportminister und lebenslanger Fußballanhänger muss ich deutlich sagen: Wenn die wichtigsten Sponsoren ein solches Verhalten entschieden verurteilen und vor den Folgen warnen, dann ist das kein Alarmsignal mehr. Das ist die Kapelle auf der Titanic.«

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