John Degenkolb 2015 auf dem Weg zum Sieg in der "Hölle des Nordens". An diesem Ostersonntag allerdings wird der Klassiker Paris-Roubaix nicht zur Austragung kommen. FOTO: DPA
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John Degenkolb 2015 auf dem Weg zum Sieg in der "Hölle des Nordens". An diesem Ostersonntag allerdings wird der Klassiker Paris-Roubaix nicht zur Austragung kommen. FOTO: DPA

Degenkolb in großer Sorge

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Eigentlich hätte John Degenkolb am Sonntag beim Klassiker Paris- Roubaix sein Jahreshighlight erleben sollen. Stattdessen muss er wie der gesamte Radsport lernen, mit Einschränkungen umzugehen.

Dass er auf seinen geliebten Ritt durch die "Hölle des Nordens" verzichten muss, ist für John Degenkolb "mega enttäuschend". Doch in Zeiten der Coronakrise plagen den deutschen Radprofi längst andere, grundsätzliche Sorgen. "Ich habe Angst um den Sport im Allgemeinen", sagt der Klassiker-Spezialist. "Die Situation führt einem ganz klar vor Augen, was für kleine Lichter wir eigentlich sind."

Paris-Roubaix, die "Königin der Klassiker", wäre an diesem Sonntag Degenkolbs Highlight des Jahres gewesen. 2015 gewann er als erster Deutscher nach Josef Fischer (1896) das wichtigste Frühjahrsrennen, zu dem er eine spezielle Verbindung pflegt. Im Februar benannten die Organisatoren gar eine der berüchtigten Kopfsteinpflasterpassagen nach dem 31-Jährigen. Diese Ehre war zuvor nur Franzosen zuteil geworden.

Während er nach dieser Auszeichnung noch schwärmte ("Ich habe keine Worte, um meine Gefühle zu beschreiben"), malt er nun eine düstere Zukunft. Es sei schwer davon auszugehen, "dass wir in den nächsten Wochen oder Monaten irgendwo wieder eine Startnummer auf den Rücken bekommen", sagt Degenkolb im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst. "Man kann es schon Perspektivlosigkeit nennen."

Die Corona-Pandemie legt den Profi-Radsport wie den Rest der Sportwelt lahm. Die Klassiker sind abgesagt oder verschoben worden. Einzig die Organisatoren der Tour de France wehren sich noch, den Saisonhöhepunkt zu verlegen oder endgültig abzusetzen. Es scheint jedoch nur noch eine Frage der Zeit, bis eine der beiden Optionen für die Frankreichrundfahrt im Juni und Juli gezogen wird.

"Mein Wunsch ist es, dass ein Termin gefunden wird, um die Tour de France im Jahr 2020 noch stattfinden zu lassen", sagt Degenkolb. "Ich bin fest davon überzeugt, dass es der einzige Weg ist, der uns helfen kann, den Radsport am Leben zu halten." Am Ende sei schließlich alles, "was wir machen, nur Werbung", erklärt er: "Wir müssen wieder eine Plattform bieten können."

Auch Degenkolbs belgisches Team Lotto-Soudal ächzt unter den Folgen der ausbleibenden Rennen. Er und die weiteren Fahrer verzichten auf Teile ihres Gehalts. Mittlerweile befinden sich nur noch sechs Leute im Betreuerstab - unter der Prämisse, dass diese Gehaltskürzungen in Kauf nehmen. Sonst werden er und seine Teamkollegen von mehr als 50 Personen betreut.

Immerhin sein Training absolviert der einmalige Tour-Etappensieger nahezu problemlos. Während seine Kollegen aus Italien oder Frankreich teilweise nicht einmal das Haus verlassen können, spult Degenkolb 15 bis 20 Stunden pro Woche unter freiem Himmel ab. Allerdings ist er hin- und hergerissen: "Man will auf der einen Seite nicht an Substanz verlieren, auf der anderen Seite nicht zu viel machen, weil man nicht weiß, wie lange dieser Zustand anhält."

Sicher ist: Über den nach ihm benannten und mit 3700 m längsten Pave-Sektor Hornaing-Wandignies-Hamage wird Degenkolb am Sonntag nicht rattern. Für die Namensgebung im Februar war sein Engagement für das Roubaix-Nachwuchsrennen maßgeblich, das er mit einer Crowdfunding-Kampagne vor dem Aus bewahrt hatte. Nun sind auch er und der Radsport bedroht.

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